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Nach EZB-Sitzung: Wachstumsrisiken erfordern mindestens eine weitere Zinssenkung
06.06.25 09:45
AB
München (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat am Donnerstag wie allgemein erwartet ihre Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt, so Sandra Rhouma, European Economist bei AllianceBernstein (AB).
Die Forward Guidance bleibe unverändert, aber die wirtschaftlichen Aussichten erforderten weitere Lockerungsmaßnahmen. Man gehe davon aus, dass es in diesem Jahr mindestens eine weitere Zinssenkung geben werde, wobei der Zeitpunkt noch ungewiss sei – mit signifikantem Potenzial für zusätzliche Schritte. Da Inflationsrisiken aktuell weitgehend zurückgegangen seien, dürfte sich der Fokus der EZB nun auf das Risiko einer Zielverfehlung nach unten verlagern. Unter dem Vorbehalt, dass eine tiefe Rezession keine aggressivere Reaktion erfordere, dürften die europäischen Währungshüter ihren Strategiewechsel nur schrittweise vollziehen. Dafür gebe es zwei Gründe:
1. Die bestehende Unsicherheit, insbesondere durch Handelskonflikte, erschwere die geldpolitische Steuerung, da deren Auswirkungen noch nicht klar sichtbar seien.
2. Der Einlagensatz (DFR) befinde sich mit 2,0 Prozent derzeit im Bereich der neuen neutralen Spanne der EZB, die zwischen 1,75 Prozent und 2,25 Prozent liege.
EZB-Präsidentin Lagarde habe betont, die EZB sei "gut positioniert", um mit der aktuellen Unsicherheit umzugehen. In diesem Kontext dürften die Widerstände einzelner Ratsmitglieder gegen weitere Zinssenkungen zunehmen – je häufiger diese erfolgten. Solange sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle als moderat erwiesen, werde die EZB an ihrem Meeting-by-Meeting-Ansatz festhalten. Die nächste Sitzung finde am 24. Juli statt, also erst nach Ablauf der 90-tägigen Schonfrist von Donald Trump. Ab dann könnten Zölle zwischen 10 und 50 Prozent auf EU-Produkte in Kraft treten.
Die konjunkturellen Risiken seien kurzfristig klar nach unten gerichtet, während mittelfristig das Risiko eines Unterschreitens der Erwartungen steige. Das reale BIP-Wachstum für 2025 sei aufgrund eines stärker als erwarteten ersten Quartals bei 0,9 Prozent belassen worden. Für den weiteren Jahresverlauf rechne man jedoch mit schwächeren Zahlen. Für 2026 habe die EZB ihre Prognose leicht auf 1,1 Prozent nach unten korrigiert, 2027 bleibe unverändert bei 1,3 Prozent. Die kurzfristige Schwäche werde weiterhin vor allem durch die Unsicherheit im Zusammenhang mit Zöllen getrieben, auch wenn sich deren unmittelbare Auswirkungen noch nicht gezeigt hätten.
Für 2026 erwarte die EZB eine Erholung, da die Unsicherheiten nachließen und die private Nachfrage weiter anziehe. Der Ausblick werde zusätzlich durch erwartete Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben gestützt, die das Wachstum zwischen der zweiten Hälfte 2026 und Ende 2027 kumulativ um 0,25 Prozentpunkte anheben könnten. Diese Schätzungen stammten von den nationalen Zentralbanken und gingen davon aus, dass in diesem Zeitraum Investitionen in Höhe von 120 Milliarden Euro getätigt würden – hauptsächlich von Deutschland. Die Details zur Umsetzung würden voraussichtlich im Herbst 2025 entschieden. Je nach Umfang und Struktur dieser Maßnahmen könne das tatsächliche Wachstum 2026/2027 über oder unter den aktuellen Prognosen liegen. (Ausgabe vom 05.06.2025) (06.06.2025/alc/a/a)
Die Forward Guidance bleibe unverändert, aber die wirtschaftlichen Aussichten erforderten weitere Lockerungsmaßnahmen. Man gehe davon aus, dass es in diesem Jahr mindestens eine weitere Zinssenkung geben werde, wobei der Zeitpunkt noch ungewiss sei – mit signifikantem Potenzial für zusätzliche Schritte. Da Inflationsrisiken aktuell weitgehend zurückgegangen seien, dürfte sich der Fokus der EZB nun auf das Risiko einer Zielverfehlung nach unten verlagern. Unter dem Vorbehalt, dass eine tiefe Rezession keine aggressivere Reaktion erfordere, dürften die europäischen Währungshüter ihren Strategiewechsel nur schrittweise vollziehen. Dafür gebe es zwei Gründe:
2. Der Einlagensatz (DFR) befinde sich mit 2,0 Prozent derzeit im Bereich der neuen neutralen Spanne der EZB, die zwischen 1,75 Prozent und 2,25 Prozent liege.
EZB-Präsidentin Lagarde habe betont, die EZB sei "gut positioniert", um mit der aktuellen Unsicherheit umzugehen. In diesem Kontext dürften die Widerstände einzelner Ratsmitglieder gegen weitere Zinssenkungen zunehmen – je häufiger diese erfolgten. Solange sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der Zölle als moderat erwiesen, werde die EZB an ihrem Meeting-by-Meeting-Ansatz festhalten. Die nächste Sitzung finde am 24. Juli statt, also erst nach Ablauf der 90-tägigen Schonfrist von Donald Trump. Ab dann könnten Zölle zwischen 10 und 50 Prozent auf EU-Produkte in Kraft treten.
Die konjunkturellen Risiken seien kurzfristig klar nach unten gerichtet, während mittelfristig das Risiko eines Unterschreitens der Erwartungen steige. Das reale BIP-Wachstum für 2025 sei aufgrund eines stärker als erwarteten ersten Quartals bei 0,9 Prozent belassen worden. Für den weiteren Jahresverlauf rechne man jedoch mit schwächeren Zahlen. Für 2026 habe die EZB ihre Prognose leicht auf 1,1 Prozent nach unten korrigiert, 2027 bleibe unverändert bei 1,3 Prozent. Die kurzfristige Schwäche werde weiterhin vor allem durch die Unsicherheit im Zusammenhang mit Zöllen getrieben, auch wenn sich deren unmittelbare Auswirkungen noch nicht gezeigt hätten.
Für 2026 erwarte die EZB eine Erholung, da die Unsicherheiten nachließen und die private Nachfrage weiter anziehe. Der Ausblick werde zusätzlich durch erwartete Infrastruktur- und Verteidigungsausgaben gestützt, die das Wachstum zwischen der zweiten Hälfte 2026 und Ende 2027 kumulativ um 0,25 Prozentpunkte anheben könnten. Diese Schätzungen stammten von den nationalen Zentralbanken und gingen davon aus, dass in diesem Zeitraum Investitionen in Höhe von 120 Milliarden Euro getätigt würden – hauptsächlich von Deutschland. Die Details zur Umsetzung würden voraussichtlich im Herbst 2025 entschieden. Je nach Umfang und Struktur dieser Maßnahmen könne das tatsächliche Wachstum 2026/2027 über oder unter den aktuellen Prognosen liegen. (Ausgabe vom 05.06.2025) (06.06.2025/alc/a/a)


