EZB-Sitzung: Voreilige Siegeserklärungen über die Inflation wird es nicht geben


24.10.23 16:30
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Auf ihrer Sitzung im September hatte die EZB ihre Zinsentscheidung bereits vor Bekanntgabe der Kerninflationsrate getroffen, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei Neuberger Berman.

Diese sei damals erstmals deutlich gesunken. Für die kommende Sitzung am Donnerstag stünden die Währungshüter vor einer vergleichbaren Situation. Ein weiterer Rückgang der Kerninflation, oder ein Ausbleiben, könnte die langfristigen Inflationserwartungen und damit das geldpolitische Vorgehen verändern. Die Währungshüter dürften also auch diesmal eher abwarten und die Zinsen nicht weiter anheben.

Fokus der Währungshüter auf eigener Bilanz

Dies sei auch in Anbetracht der aktuellen Situation ratsam. Zudem gebe es viel zu viele instabile Faktoren (Naher Osten, Wirtschaftswachstum, Importpreise, Investitionsausgaben), als dass die EZB ihre Prognosen jetzt überarbeiten werde. Auch mit einer Aktualisierung der Inflationserwartung sei erst in der Dezember-Sitzung zu rechnen. Zumal es voreilige Siegeserklärungen über die Inflation ohnehin nicht geben dürfte.

Die Aufmerksamkeit der EZB dürfte bei der Sitzung am Donnerstag dahingegen eher auf der eigenen Bilanz liegen: Die derzeitige Reduktion sei hauptsächlich auf die Rückzahlung der TLTROs zurückzuführen. Eine echte Beschleunigung der quantitativen Straffung, also ein Zurückfahren der Reinvestitionen von fälligen Anleihen aus dem EZB-Portfolio, sollte also auf der Tagesordnung stehen.

EZB müsse Ölpreisentwicklung im Blick behalten

In den vergangenen Wochen sei immer wieder darüber spekuliert worden, wie der seit Sommer stetig steigende Ölpreis die Geldpolitik beeinflussen könnte. Dabei sei jedoch zu bedenken, dass sich die Währungshüter bei ihren Entscheidungen auf die Entwicklung der Kerninflationsrate stützen würden - also ohne Nahrungsmittel und Energie. Demnach sollten die Ölpreise nur dann eine Auswirkung auf die kommenden Zinsentscheidungen haben, wenn sie lange genug auf einem hohen Niveau bleiben würden. Dann würden sich der hohe Ölpreis auch auf Preise für Waren und Dienstleistungen durchschlagen.

Dennoch müssten die Währungshüter berücksichtigen, dass steigende Benzinpreise besonders schnell an die Verbraucher weitergegeben würden, was sich letztendlich auf deren Vertrauen und parallel dazu auf den Preisindex auswirke. Ein steigender Ölpreis habe einen wesentlich schnelleren Einfluss auf die Wirtschaftsaktivität im Euroraum als etwa höhere Strom- und Gaspreise. (24.10.2023/alc/a/a)