EZB-Sitzung: US-Zölle werden Inflation in Europa nur kurzfristig beeinträchtigen


06.03.25 09:45
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Unter den Mitgliedern der EZB besteht weitgehend Einigkeit darüber, dass der Leitzins in der Sitzung am Donnerstag weiter in Richtung des neutralen Niveaus gesenkt wird, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Auch der Markt rechne mit einer Senkung um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent, sodass diese Entscheidung kaum Überraschungen oder unmittelbare Auswirkungen haben dürfte. Entscheidend werde vielmehr sein, welche Signale die EZB in ihrer Erklärung sende und welche Aussagen Christine Lagarde auf der Pressekonferenz treffe.

Dabei dürften die angekündigten US-Zölle in der Eurozone zu einem Anstieg der Inflation führen - insbesondere dann, wenn als Reaktion darauf auch die Zölle auf US-Exporte in die EU erhöht würden. Allerdings werde dieser Effekt begrenzt und nur von kurzer Dauer sein: US-Agrarprodukte würden sich mit Importen aus anderen Ländern ersetzen lassen, und der US-Dienstleistungssektor verfüge über so hohe Margen, dass er die zusätzlichen Kosten durch europäische Zölle weitgehend abfedern könne. Interessant werde zudem, wie die EZB die neuen deutschen und europäischen Pläne für den Ausbau der Infrastruktur sowie die verstärkten militärischen Investitionen bewerte.

Der erwartete Zinssatz von 2,5 Prozent entspreche der oberen Grenze des von EZB-Mitgliedern in der vergangenen Woche genannten Bereichs für den neutralen Zinssatz. Ob die Zentralbank an ihrer Einschätzung festhalte, dass die Geldpolitik weiterhin restriktiv bleiben sollte, dürfte für die Marktreaktion ausschlaggebend sein. Die Experten von Neuberger Berman gehen davon aus, dass die EZB eine vorsichtigere Haltung einnimmt und betont, dass ihre Geldpolitik noch nicht als neutral betrachtet werden kann. In den vergangenen Jahren habe die EZB mit ihrer Geldpolitik das Ziel verfolgt, zu verhindern, dass importierte Inflation auf das Lohnwachstum übergreife.

Gleichzeitig sei die Nachfrage der privaten Haushalte ebenso wie die Investitionsausgaben stets verhalten geblieben und sei durch die restriktive Geldpolitik der EZB zusätzlich gebremst worden. Mit der Senkung des Leitzinses wolle die EZB nun die Erholung der Investitionstätigkeit ankurbeln - insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs). Dies könnte das inländische Angebot stärken und dazu beitragen, die Inflation nachhaltig unter die 2-Prozent-Marke zu drücken. (Ausgabe vom 05.03.2025) (06.03.2025/alc/a/a)