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EZB-Sitzung: Schwere Rezession wahrscheinlich - Zinssenkung schon im Frühjahr!


27.10.23 12:32
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Die EZB-Sitzung am Donnerstag legt nahe, dass die Währungshüter bei der quantitativen Straffung, also dem Tempo der Bilanzreduktion erstmal auf die Bremse treten dürften. Da sowohl Konjunktur als auch Inflation mittlerweile stark rückläufig sind, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

Ein Kommentar bei der gestrigen EZB-Sitzung von Frau Lagarde sei besonders überraschend und äußerst bedeutsam gewesen. Sie habe erklärt, dass der Anstieg der Anleiherenditen nicht die Fundamentaldaten der Eurozone widerspiegele. Dies deute darauf hin, dass die Währungshüter der Ansicht seien, dass die Anleiherenditen bereits im restriktiven Bereichen liegen würden. Es impliziere, dass die EZB die Reduzierung ihrer Bilanz zunächst nicht weiter beschleunigen werde, also die Reinvestition von ausgelaufenen Anleihen in ihrem Portfolio nicht weiter reduziere.

Vor dem Treffen der EZB seien sowohl die Wirtschaftsaktivitäten als auch die Kerninflation rückläufig gewesen. Mit ihrer Ankündigung, die Leitzinsen auf diesem hohen Niveau für eine "ausreichend lange Zeit" zu halten, würden die Währungshüter diese beiden Trends bestärken. Gleichzeitig lasse dies erwarten, dass auch die Prognosen der EZB für Wachstum und Inflation im Dezember schwächer ausfallen würden. Die deutliche Verschlechterung der Umfragen zur Bankenfinanzierung (Euro area bank lending survey) würden jedoch auch zeigen, dass das Risiko einer schweren Rezession in der Eurozone zunehme.

Die aktuellen Entwicklungen würden dafür sprechen, dass die Messlatte für eine weitere Zinserhöhung sehr hoch liege. Die aktuellen Aussagen der EZB dürften zu einer steileren Zinsstrukturkurve führen und dabei den Rentenmarkt unterstützen. Sowohl die Entwicklung der Konjunktur als auch der Leitzinsen lege nahe, dass der Markt bereits im Frühjahr mit einer Senkung der Leitzinsen im Euroraum rechne. Aus diesem Grund sind wir in kurz- und mittelfristigen Anleihen übergewichtet, so die Experten von Neuberger Berman.

Die Auswirkungen der bisherigen Zinserhöhungen würden die Finanzierungsbedingungen definitiv weiter verschärfen. Dies dürfte sowohl die Geschäftstätigkeit als auch den Immobiliensektor weiter ausbremsen. Insbesondere für stärker verschuldete Unternehmen werde sich die Situation negativ auf die Kreditqualität auswirken. (27.10.2023/alc/a/a)