Erweiterte Funktionen

EZB-Sitzung: Für 2024 sind auch Zinssenkungen unter 3-Prozent-Schwelle möglich!


13.12.23 16:00
Neuberger Berman

New York (www.anleihencheck.de) - Die spannendste Erkenntnis der EZB-Sitzung in dieser Woche dürften die neuen Prognosen für Wachstum und Inflation sein, so Patrick Barbe, Head of European Investment Grade Fixed Income bei dem US-amerikanischen Vermögensverwalter Neuberger Berman.

In ihren vorherigen Prognosen hätten die Währungshüter höhere Energiepreise für den Winter und eine langfristig anhaltende Inflation über dem Ziel der EZB von 2 Prozent vorausgesagt. Diese Einschätzung könnten die Zentralbanker nun nach unten korrigieren.

Bei der Geldpolitik sei zu erwarten, dass die EZB die Leitzinsen am Donnerstag unverändert belasse und den Übergang zu einer neutralen Geldpolitik andeute. Zudem sei absehbar, dass die Währungshüter Diskussionen darüber anstoßen würden, inwiefern sie ihre Geldpolitik auf der Grundlage der neuen makroökonomischen Prognosen neu bewerten müssten. In jedem Fall sollte die EZB vorsichtig bleiben und betonen, dass die Inflationsrisiken weiter bestehen bleiben würden, sie aber im kommenden Jahr einen größeren Handlungsspielraum für Zinssenkungen als für Zinserhöhungen sähen. Dabei sollten sie aber sowohl die Zinspolitik als auch ein früheres Ende des PEPP als Werkzeug im Blick haben.

Mit 4 Prozent habe der Leitzins der EZB den höchsten Stand seit der Gründung der Eurozone erreicht. Die Zentralbanker hätten damit sicherstellen wollen, dass der Anstieg der globalen Inflation nicht durch einen scharfen Anstieg der Löhne auf die inländische Inflation übergreife. Dieses Risiko scheine sich nun deutlich zu verringern. Im Umkehrschluss heiße das, dass die EZB zu einer Geldpolitik zurückkehren könne, die dem potenziellen Wirtschaftswachstum des Euroraumes entspreche. Das Risiko einer anhaltenden Rezession könnte darüber hinaus weitere Zinssenkungen mit sich bringen - auch unterhalb der Schwelle von 3 Prozent. (13.12.2023/alc/a/a)