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EZB-Sitzung im Fokus


04.03.14 11:42
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Neben den politischen Wirren in der Ukraine steht für die Anleger diese Woche ein zweites Ereignis im Mittelpunkt des Interesses, so Alessandro Bee, Ökonom der Bank J. Safra Sarasin.

Die März-Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) finde am Donnerstag statt. An der nachfolgenden Pressekonferenz stünden die Chancen gut, dass Mario Darghi, der Präsident der EZB eine weitere Senkung der Leitzinsen bekannt geben werde: von heute 0,25% auf gerade noch 0,1%. Als Begründung für den Zinsschritt dürfte Draghi auf die Deflationsrisiken in Euroland verweisen.

Das Thema Deflation sei lange Zeit von der Bildfläche verschwunden. Die Schuldenkrise in Euroland und der Budgetstreit in den USA hätten im Vordergrund gestanden. Mit einer Beruhigung auf dieser Seite werde die Frage, wohin sich die Konsumentenpreisen bewegen würden jedoch wieder an Bedeutung gewinnen. Der Brennpunkt dürfte in der Peripherie Eurolands liegen, wo der Preisauftrieb im Januar nur noch knapp positiv gewesen sei. Das verstärke die Sorgen, dass die Peripherie-Länder in den nächsten Jahren in die Deflation abgleiten könnten. Schwaches Kreditwachstum, weitere Budgetkürzungen und rekordhohe Arbeitslosenraten würden den Nährboden für Deflationserwartungen bilden.

Die Deflationsrisiken in der Euroland-Peripherie seien jedoch nur ein Ausschnitt eines sehr heterogenen globalen Inflationsbildes. Nur schon in der Europäischen Währungsunion könnten sich zwei gegensätzliche Trends herausbilden. Der Deflationsangst in der Peripherie stünden nämlich die Sorgen in Deutschland entgegen, dass die Geldpolitik der EZB einseitig auf die Peripherie ausgerichtet werde. Für die deutsche Wirtschaft mit einem robusten Arbeitsmarkt wäre das zu expansiv und würde in der mittleren Frist Inflationserwartungen schüren.

In Japan wiederum sei es das explizite Ziel der Bank of Japan Inflationserwartungen zu generieren, um die japanische Wirtschaft aus der jahrelangen Deflation zu führen. Auch die Schwellenländer würden zum uneinheitlichen Inflationsbild beitragen. Während in Volkswirtschaften wie z.B. Brasilien Währungsabwertungen und eine bereits hohe Inflationsrate der Furcht Auftrieb verleihen würden, dass die Inflation außer Kontrolle gerate, präsentiere sich die Lage in China gerade andersherum. Die hohen Überkapazitäten, welche in den letzten Jahren geschaffen worden seien, würden ein deflationäres Risiko für die chinesische Volkswirtschaft darstellen.

Würden zu guter Letzt die USA bleiben. Hier werde der Inflationstrend in erster Linie davon abhängen, ob sich die robuste Konjunkturerholung des letzten Jahres fortsetze und sich damit auch der Arbeitsmarkt schneller erhole, als die vorsichtigen Schätzungen der US-Notenbank FED es prognostizieren würden. Halte Janet Yellen, die Vorsitzende der FED, auch im Falle eines stärkeren Arbeitsmarktes an der extrem expansiven Geldpolitik fest, könnten auch bei den Investoren in den USA Inflationserwartungen Einzug halten. (04.03.2014/alc/a/a)