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EZB: Riskante Strategie
09.09.14 11:16
Bank J. Safra Sarasin AG
Basel (www.anleihencheck.de) - Einmal mehr hat die EZB mit entschiedenem Handeln, Zinssenkungen und neuen Programmen zur Ausweitung ihrer Bilanz überrascht, so die Analysten der Bank J. Safra Sarasin AG.
Auf dem falschen Fuß seien die erwischt worden, die von lediglich marginalen Veränderungen der Bedingungen der im September startenden Langfristtender ausgegangen seien. Ähnlich wie im Juni sei die EZB weiter als vom Markt erwartet gegangen und zeige damit, dass sie weiter fallende Inflationserwartungen und eine längere Konjunkturschwäche auf jeden Fall verhindern möchte. Auf den ersten Blick möge das positiv erscheinen und sollte die Konjunkturbelebung unterstützen.
Auf den zweiten Blick sei die Strategie aber riskant. Erstens sei es nicht sicher, ob die EZB mit den geplanten Käufen von verbrieften Papieren ihre Bilanz tatsächlich so stark ausweiten könne wie geplant. Zweitens seien die Risikoaufschläge von vielen dieser Wertpapiere bereits so gering, dass die Stärke des zusätzlichen Stimulus nicht offensichtlich sei. Auch nicht, dass er in den Ländern ankomme, die ihn benötigen würden. Denn der Covered-Bond-Markt bestehe hauptsächlich aus deutschen, spanischen und italienischen Papieren. Es sei daher leicht vorstellbar, dass bald der Ruf laut werde, auch Forderungen anzukaufen, die anderen Ländern stärker zugute kämen - wie beispielsweise französische Bankkredite.
Vor allem gehe die EZB aber ähnlich wie die Bank of Japan erneut in Vorleistung, ohne dass sie sich darauf verlassen könnte, dass auch die anderen Politikbereiche ihren Beitrag zu einer Lösung der konjunkturellen und strukturellen Probleme in der Währungsunion leisten würden. Das schwäche die Währungsunion in der mittleren Frist, denn leider habe der Reformwillen der einzelnen Mitgliedstaaten in der Vergangenheit meist genau dann nachgelassen, wenn die EZB ihnen dazu die nötige Luft und Liquidität verschafft habe. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass die EZB mit jeder neuen geldpolitischen Maßnahme weitere Optionen für zünftige Schwächephasen verliere. Noch gehe es der US-Wirtschaft prächtig und auch China halte sich dieses Jahr besser als erwartet. Der nächste zyklische Abschwung der Weltkonjunktur werde allerdings nicht ausbleiben. Die EZB könnte dann sehr schnell wieder in die Defensive geraten und starkem Druck ausgesetzt sein, im großen Umfang Staatsanleihen zu kaufen.
Dieses Mal habe es gerade einmal zwei Monate schlechter Konjunktur- und Inflationsdaten bedurft, um die EZB zu erneutem Handeln zu bewegen. Beim Ankauf von Staatsanleihen möge der Widerstand länger dauern. Helfen würde das der Währungsunion kaum, es könne Strukturreformen allenfalls noch weiter verschieben. In jedem Fall wäre es aber ein politischer Spaltpilz für die Währungsunion. Manchmal wäre daher ein weniger proaktives Handeln für die mittelfristigen Perspektiven des Währungsraums besser, zumindest solange nicht alle Politikbereich an einem Strang ziehen würden. (09.09.2014/alc/a/a)
Auf dem falschen Fuß seien die erwischt worden, die von lediglich marginalen Veränderungen der Bedingungen der im September startenden Langfristtender ausgegangen seien. Ähnlich wie im Juni sei die EZB weiter als vom Markt erwartet gegangen und zeige damit, dass sie weiter fallende Inflationserwartungen und eine längere Konjunkturschwäche auf jeden Fall verhindern möchte. Auf den ersten Blick möge das positiv erscheinen und sollte die Konjunkturbelebung unterstützen.
Vor allem gehe die EZB aber ähnlich wie die Bank of Japan erneut in Vorleistung, ohne dass sie sich darauf verlassen könnte, dass auch die anderen Politikbereiche ihren Beitrag zu einer Lösung der konjunkturellen und strukturellen Probleme in der Währungsunion leisten würden. Das schwäche die Währungsunion in der mittleren Frist, denn leider habe der Reformwillen der einzelnen Mitgliedstaaten in der Vergangenheit meist genau dann nachgelassen, wenn die EZB ihnen dazu die nötige Luft und Liquidität verschafft habe. Problematisch sei in diesem Zusammenhang, dass die EZB mit jeder neuen geldpolitischen Maßnahme weitere Optionen für zünftige Schwächephasen verliere. Noch gehe es der US-Wirtschaft prächtig und auch China halte sich dieses Jahr besser als erwartet. Der nächste zyklische Abschwung der Weltkonjunktur werde allerdings nicht ausbleiben. Die EZB könnte dann sehr schnell wieder in die Defensive geraten und starkem Druck ausgesetzt sein, im großen Umfang Staatsanleihen zu kaufen.
Dieses Mal habe es gerade einmal zwei Monate schlechter Konjunktur- und Inflationsdaten bedurft, um die EZB zu erneutem Handeln zu bewegen. Beim Ankauf von Staatsanleihen möge der Widerstand länger dauern. Helfen würde das der Währungsunion kaum, es könne Strukturreformen allenfalls noch weiter verschieben. In jedem Fall wäre es aber ein politischer Spaltpilz für die Währungsunion. Manchmal wäre daher ein weniger proaktives Handeln für die mittelfristigen Perspektiven des Währungsraums besser, zumindest solange nicht alle Politikbereich an einem Strang ziehen würden. (09.09.2014/alc/a/a)


