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EZB-Ratssitzung: Die Falken scheinen auf dem Vormarsch


08.12.16 17:07
Aberdeen Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Wolfgang Kuhn, Head of Pan European Fixed Income bei Aberdeen Asset Management, kommentiert die Ergebnisse der heutigen EZB-Ratssitzung:

Die Falken im Rat der Europäischen Zentralbank würden auf dem Vormarsch scheinen: Nicht nur werde der Umfang des Staatsanleihekaufprogramms - obwohl zwar über März 2017 hinaus verlängert - ab März von 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. Euro heruntergefahren. Auch eine Veränderung des Ankaufschlüssels zugunsten der Schuldeninstrumente höher verschuldeter Euroländer scheine abgewendet. Stattdessen habe man sich dazu durchringen können, Bundesanleihen bei Renditen unterhalb des Einlagenzinssatzes zu kaufen.

Man sollte aber noch nicht die Luft anhalten: Von einer Zinswende zu sprechen, wäre verfrüht. EZB-Präsident Draghi habe sich auch in der Pressekonferenz ausreichend Raum gelassen, um seiner Weichwährungspolitik bis zum Ende seiner Präsidentschaft treu bleiben zu können. Deflationsgefahren sehe man zwar nun plötzlich keine mehr. Das Inflationsziel sei aber auch weiterhin außer Reichweite - eine für 2019 erwartete Inflationsrate von 1,7% sei nun mal nicht "nahe bei" zwei Prozent, dem gegenwärtigen selbstgewählten Inflationsziel der EZB. Die beschlossene Rückführung des Quantitative Easing-Programms ("Tapering") sei auch gar nicht als solche zu verstehen, die EZB bleibe "im Markt" präsent.

Wie inzwischen üblich, nehme er dazu noch die Wirtschaftspolitik der Euroländer (gemeint sei Deutschland) in die Pflicht, durch Neuverschuldung das europäische Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Eine Dämpfung des Reformeifers nationaler Regierungen durch die expansive Geldpolitik meine der EZB-Präsident explizit ausschließen zu können. (08.12.2016/alc/a/a)