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EZB-Ratssitzung: Erwartung vieler Marktteilnehmer nicht erfüllt


09.03.17 16:26
Aberdeen Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Erwartung vieler Marktteilnehmer, die EZB könnte auf verbesserte ökonomische Rahmendaten mit einer leichten Anpassung ihrer Geldpolitik reagieren, haben sich nicht erfüllt, so Wolfgang Kuhn, Head of Pan European Fixed Income bei Aberdeen Asset Management.

Die EZB habe weder am Ankaufprogramm noch am Einlagenzins geschraubt. Lediglich ein paar Worte der Pressemitteilung seien verändert worden. Aber man hätte es vorhersagen können: Angesichts immer weiter wachsender politischer Spannungen im Euro-Raum habe man nicht ernsthaft daran denken können, den Ankauf von Staatsanleihen zu beenden.

Zu dumm, dass die Inflationsrate jetzt tatsächlich den angeblich so zentralen Zielwert erreicht habe. Also müsse jetzt eine Erklärung her, warum zwei Prozent Inflation nicht wirklich zwei Prozent Inflation seien. Nicht nachhaltig zwei Prozent. Nicht durchgehend zwei Prozent. Und so weiter, und so weiter. Quantitative Easing (QE) und Negativzinspolitik seien eben nie wirklich eine auf Preisstabilität ausgerichtete Geldpolitik gewesen, und der Zielwert, den sich die EZB selbst gegeben habe (auch wenn man oft den Eindruck habe erwecken wollen, es handele sich dabei präzise um den im Gesetz niedergelegten Auftrag) sei eine bequeme, weil vermeintlich weit in der Zukunft liegende Handlungsschwelle gewesen.

Deshalb dürfte es für die Falken im EZB-Rat auch viel schwieriger sein als allgemein erwartet, die QE-befürwortende Mehrheit auf ihre Seite zu bringen: Für die Tauben habe sich nichts geändert. Vielmehr dürfte man den Fokus auf eine andere Zielgröße umzulenken versuchen. Und so bemühe Präsident Draghi einmal mehr die mittlere Sicht, und blende über die Kernrate hinausgehenden Preisentwicklungen aus, um seine Weichwährungspolitik fortführen zu können. Die positiven Entwicklungen der EZB verbuche man gerne als Erfolg. Das Ausbaden der Konsequenzen falle anderen zu. (09.03.2017/alc/a/a)