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EZB-Präsidentschaft wurde politisch entschieden


05.07.19 12:15
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die Ernennung von Christine Lagarde als nächste Präsidentin der Europäischen Zentralbank deutet auf die Fortsetzung einer eher moderaten EZB-Politik hin. Nimmt man noch die Nominierung von Ursula von der Leyen als künftige Vorsitzende der EU-Kommission hinzu, scheinen sich Frankreich und Italien in den Verhandlungen durchgesetzt zu haben, so Mark Dowding, Partner und Chief Investment Officer von BlueBay Asset Management.

Damit dürfte die EU-Agenda künftig eher wachstumsfreundlicher, mit weniger Abgaben und einer moderaten Geldpolitik ausfallen, als es etwa beim Kandidaten Jens Weidmann der Fall gewesen wäre.

Aus Sicht der Experten mache die begrenzte Erfahrung von Lagarde in Sachen Volkswirtschaft und Zentralbanken es wahrscheinlich, dass sie sich bei der Festlegung der Geldpolitik sehr stark auf den Chefökonom Philip Lane verlassen werde. Damit würde ihre Amtszeit eine Fortsetzung des EZB-Kurses darstellen, denn Lane sei ein enger Vertrauter vom scheidenden EZB-Präsidenten Mario Draghi gewesen. Insofern könnte man sagen, dass Lagarde eine clevere, wenn auch eine politische Wahl sei.

Die Experten würden davon ausgehen, dass noch vor ihrem Amtsantritt im vierten Quartal schwierige Schritte in Angriff genommen würden, damit sie nicht gleich zu Beginn vor große Herausforderungen gestellt werde. Schließlich sei allein die Aufgabe, in die Fußstapfen Draghis zu treten, groß genug.

Daher erwarten die Experten von BlueBay Asset Management, dass noch in diesem Monat die Zinsen um 10 Basispunkte gesenkt werden, begleitet von einer Staffelung des Einlagenzinses, um die Auswirkungen der Negativzinsen auf den Bankensektor abzufedern. (05.07.2019/alc/a/a)