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EZB-Präsident Draghi öffnet die Tür für eine erneute Lockerung der Geldpolitik


07.06.19 08:15
Lombard Odier IM

Genf (www.anleihencheck.de) - Es scheint derzeit so, als würde eine Vielzahl von Unsicherheiten die Europäische Zentralbank (EZB) beeinflussen, so Dr. Salman Ahmed, Chief Investment Strategist bei Lombard Odier IM.

Der anhaltende Handelskrieg zwischen den USA und China, der Druck auf das marktbasierte/multi-laterale globale Wirtschaftssystem (was Herr Draghi festgestellt habe) und die konjunkturelle Verlangsamung würden für zusätzliche Maßnahmen der Zentralbank sprechen, da die Inflation weiterhin auf Talfahrt bleibe.

Die Experten seien seit langem der Ansicht, dass die EZB in diesem Zyklus nicht in der Lage sein werde, den Leitzins zu erhöhen. Die gestrige Verlängerung der Forward Guidance bis Mitte 2020 sei ein weiterer Anhaltspunkt dafür, dass die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben dürften. Im EZB-Rat sei über eine zusätzliche quantitative Lockerung (QE) gesprochen worden, worauf EZB-Präsident Mario Draghi festgestellt habe, dass ein mittelgroßes QE-Programm praktisch möglich sei.

Alles in allem seien die Experten der Ansicht, dass Herr Draghi vor seinem Rücktritt im Oktober gerne eine zusätzliche Lockerung sehen würde, denn der politische Spielraum des neuen Vorsitzes werde bereits durch die Forward Guidance eingeschränkt. Auch die angekündigten Details über eine weitere Dosis von Targeted Longer-Term Refinancing Operations (TLTROs) hätten recht großzügige Konditionen enthalten und das Risiko einer Finanzierungsklemme für den Bankensektor sei zu Recht abgewendet worden.

Der Handelskrieg sei angeschwollen und der damit verbundene Vertrauensschock habe zu einem anhaltenden Rückgang der weltweiten Investitionen bei gleichzeitig sinkenden Inflationserwartungen geführt. Folglich würden die Experten glauben, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Runde QE, die sich auf Unternehmenskredite konzentriere, gestiegen sei.

Des Weiteren würden die Experten eine Ankündigung dieser politischen Linie vor Oktober für durchaus möglich halten, insbesondere wenn der Gouverneur der Bank of Finland, Olli Rehn, als Spitzenreiter für den EZB-Vorsitz weiterhin an Fahrt gewinnen sollte. Dies bedeute, dass der Abwärtsdruck auf europäische Zinsen hoch bleiben werde, während der Euro gegenüber den G4-Währungen leiden könnte. Das Ausmaß des Schadens gegenüber dem US-Dollar werde zum Teil davon abhängen, wie schnell sich die US-Notenbank in den kommenden Monaten auf einen nachhaltigen Zinssenkungszyklus zubewegen werde. (Ausgabe vom 06.06.2019) (07.06.2019/alc/a/a)