EZB: Niedrige bzw. zu niedrige Inflationsrate bleibt im Fokus


07.02.14 11:11
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Wie schon im Januar beschloss der EZB-Rat auch auf der gestrigen Sitzung, den geldpolitischen Kurs nicht zu verändern, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Die Leitzinsniveaus und auch die "forward guidance" sei unangetastet geblieben: Der EZB-Rat gehe demnach weiterhin davon aus, dass die Leitzinsen (d. h. neben dem Reposatz für die Hauptrefinanzierungsgeschäfte auch die Einlagefazilität und die Spitzenrefinanzierungsfazilität) "für eine längere Zeit auf dem aktuellen oder niedrigeren Niveau" bleiben würden.

EZB-Präsident Mario Draghi habe wie auch schon im Januar hervorgehoben, dass ein neuer geldpolitischer Handlungsbedarf dann bestehe, wenn es zu nachhaltig anziehenden Eonia-Sätzen am Geldmarkt komme oder sich der mittelfristige Inflationsausblick verschlechtere. Beim Inflationsausblick werde derzeit mit einem Verharren auf den aktuell niedrigen Niveaus gerechnet. Ein so niedriges Inflationsumfeld wie aktuell sei ein grundsätzliches Risiko für die konjunkturelle Erholung. Die längerfristigen Inflationserwartungen seien aber nach wie vor fest verankert und vereinbar mit der EZB-Zielmarke von "unter aber nahe 2%". Der Einsatz zusätzlicher geldpolitscher Instrumente sei abhängig davon, welches Risikoszenario sich einstelle.

Die EZB sehe aber derzeit keine Anzeichen für ein Deflationsumfeld, vielmehr beobachte man "nur" ein disinflationäres Umfeld. Das niedrige Inflationsniveau beruhe demnach vor allem auf den Entwicklungen bei den Nahrungsmittel- und Energiepreisen. Die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sei zwar schwach, zeige aber Erholungsansätze. Zudem sei auf der Angebotsseite das niedrige Inflationsumfeld auch stark durch die Anpassungsprozesse in den Problemstaaten begründet.

Von großem Interesse dürften die Adjustierungen der makroökonomischen Projektionen der EZB-Experten sein, die im März vorgenommen würden. Darin erfolge erstmals ein Ausblick für 2016. Nach Erachten der Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt zeichnet sich nicht ab, dass allein eine Adjustierung der Inflationsprognose für das Kalenderjahr 2014 nach unten ein "trigger" hin zu einer expansiveren Ausgestaltung der Geldpolitik im Euroraum ist. Der Notenbankchef habe die derzeit hohe Unsicherheit in Bezug auf die Wachstumsaussichten betont und darauf verwiesen, dass die aktuelle Entscheidung der EZB die Komplexität der Situation reflektiere.

Wie bisher bleibe die EZB wachsam, aber ein akuter geldpolitischer Handlungsbedarf zeichne sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ab. (07.02.2014/alc/a/a)