Erweiterte Funktionen
EZB: Nachlassende Inflationsrate befeuert Zinssenkungsfantasien
06.11.13 17:14
Nord LB
Hannover (www.anleihencheck.de) - Die Diskussionen im EZB-Rat über den weiteren geldpolitischen Kurs der EZB dürften am Donnerstag sicher heftiger ausfallen als zuletzt, so die Analysten der Nord LB.
Die Inflationsrate für die Eurozone habe im Oktober einer Schätzung von Eurostat zufolge nur noch bei 0,7% Y/Y gelegen. Dies sei der niedrigste Stand seit über vier Jahren. Die aktuelle Entwicklung dürfte in erster Linie Wasser auf die Mühlen derjenigen Ratsmitglieder sein, die bereits in den vergangenen Monaten eine weitere geldpolitische Lockerung gefordert hätten. Auch wenn im Oktober noch einmal inflationshemmende Basiseffekte aus dem Bereich der Rohstoffpreise wirksam geworden sein dürften, sei zumindest kurzfristig kein erheblicher Inflationsdruck zu erkennen.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dürfte zwar in weiten Teilen des gemeinsamen Währungsraumes die Talsohle durchschritten haben, gleichwohl verlaufe der konjunkturelle Erholungsprozess schwerfälliger als zunächst erhofft. Insofern bleibe das Preissteigerungspotenzial zunächst begrenzt.
Auch in Deutschland seien die Verbraucherpreise zu Beginn des 4. Quartals nur noch um 1,2% Y/Y angestiegen. Das Statistische Bundesamt mache hierfür ebenfalls die moderate Preisentwicklung im Rohstoffbereich verantwortlich, die durch den zuletzt recht starken Euro zusätzlich abgefedert worden sei. Im Bereich der Nahrungsmittelpreise habe der Preiszuwachs mit 4,1% Y/Y hingegen weiter deutlich oberhalb der Gesamtteuerung gelegen.
Auch wenn einige Marktteilnehmer nun bereits für das November-Meeting mit einer Zinssenkung rechnen würden, dürfte die EZB nicht voreilig handeln. Eine weitere geldpolitische Expansion wäre zudem mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. So würde sich beispielsweise erneut die Frage nach einem negativen Einlagesatz stellen - eine Erfahrung, welche die Notenbank nach eigenem Bekunden eigentlich nicht machen möchte. Wolle man negative Einlagesätze vermeiden, könnte man auch den Zinskorridor einengen und den Satz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität deutlich absenken.
Im Kern bleibe aber die Frage, welche Effekte ein niedrigerer Refinanzierungssatz hätte. Die konjunkturstützenden Effekte dürften recht überschaubar bleiben. Das eigentliche Problem, dass die niedrigen Zinssätze in einigen Regionen nicht zu Investitionen animieren bzw. dass die Unternehmen nicht an entsprechende Investitionen gelangen würden, würde die EZB mit einem weiteren Zinsschritt ohnehin nicht beheben.
Zudem hätten auch zuletzt die Konjunkturdaten auf eine nachhaltige Überwindung der Rezession - wenn auch mit bescheidenem Tempo - hingedeutet. Insofern gebe es von dieser Seite keinen echten Grund für ein noch niedrigeres Zinsniveau. Ein Argument für einen Zinsschritt wären echte Deflationsgefahren. Diese seien allerdings auch nicht auszumachen. Die Inflationserwartungen dürfe man nach wie vor als fest verankert bezeichnen.
Allerdings bestehe in der Tat die Gefahr, dass eine dauerhafte (deutliche) Unterschreitung der Zielinflationsrate mit sinkenden Preiserwartungen einhergehe, die dann auch bekämpft werden müssten. Soweit sei es nach Einschätzung der Analysten allerdings noch nicht, sodass sie für die Ratssitzung mit einer Bestätigung des aktuellen Zinsniveaus rechnen würden.
Allerdings könnte die EZB am Donnerstag einen Zinsschritt in Aussicht stellen. Eine stärkere Fokussierung auf die Wachstumsrisiken einerseits und die niedrige Inflationsrate andererseits würde die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung steigen lassen. Entsprechend gebe Notenbankpräsident Mario Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz wohl die Richtung für die Markterwartungen und die -bewegungen vor.
Die Veröffentlichung der Inflationszahlen habe bereits zu merklichen Marktreaktionen geführt, beispielhaft sei an die Euro-Dollar-Wechselkursbewegung erinnert. Aus Sicht der Analysten könnte zudem die Ankündigung eines weiteren langfristigen Tendergeschäftes auf dem Programm stehen. Die Rückflüsse aus den bisherigen Langfristtendern hätten zwischenzeitlich eine Größenordnung erreicht, die schon bald zu Lasten der Geldmarktsätze gehen könnte, welche die Notenbank erklärtermaßen auf niedrigem Niveau verankert wissen wolle.
Zudem habe der Rat erste Vorschläge mit Blick auf die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle beraten wollen, sodass eventuell auch hier die eine oder andere Neuigkeit durchsickern könnte. Insofern dürfe man durchaus gespannt auf die Entscheidungen der EZB und die daran anschließende Begründung sein.
Die Vorbereitung zur Übernahme der Aufsichtsfunktion im kommenden Herbst würden auf Hochtouren laufen. Angesichts des eng getakteten Zeitplans müsse die EZB auf nationale Aufseher zurückgreifen um die Etappenziele nicht aus dem Auge zu verlieren. "Störfeuer" sei nun vom EU-Parlament gekommen, welches in einem Brief an Notenbankchef Draghi noch einmal die strikte Trennung von Geldpolitik und Bankenkontrolle anmahne.
Auch die EZB wolle diese Unabhängigkeit; gleichzeitig wolle sie aber auch Parallelstrukturen vermeiden, die mit Kosten und organisationsstruktureller Komplexität einhergehen würden. Die EU-Verordnung sehe lediglich das Gebot einer Trennung vor, in der Ausgestaltung lasse sie der EZB hingegen viele Freiheitsgrade.
Unterdessen hätten sich die EZB sowie die FED, die Bank of England, die Bank of Japan, die Bank of Canada sowie die Schweizerische Nationalbank auf eine Umwandlung der zunächst befristet eingerichteten gegenseitigen Swap-Linien in unbefristete Vereinbarungen geeinigt. Diese Instrumente seien im Zuge der Finanzkrise zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen eingerichtet worden. Nun sollten sie bis auf weiteres in Kraft bleiben und ein "Netzwerk bilateraler Swap-Linien" bilden.
Die Maßnahme dürfte in erster Linie für potenzielle künftige Krisen gedacht sein. Zuletzt hätten Banken zur Beschaffung entsprechender Fremdwährungsliquidität kaum den Weg über die Notenbank gehen müssen. Der letzte 7-Tage-US-Dollar-Tender sei zuletzt gar nicht mehr nachgefragt worden. Zu Spitzenzeiten (Herbst 2008) habe die Nachfrage bei über 170 Milliarden US-Dollar gelegen. (06.11.2013/alc/a/a)
Die Inflationsrate für die Eurozone habe im Oktober einer Schätzung von Eurostat zufolge nur noch bei 0,7% Y/Y gelegen. Dies sei der niedrigste Stand seit über vier Jahren. Die aktuelle Entwicklung dürfte in erster Linie Wasser auf die Mühlen derjenigen Ratsmitglieder sein, die bereits in den vergangenen Monaten eine weitere geldpolitische Lockerung gefordert hätten. Auch wenn im Oktober noch einmal inflationshemmende Basiseffekte aus dem Bereich der Rohstoffpreise wirksam geworden sein dürften, sei zumindest kurzfristig kein erheblicher Inflationsdruck zu erkennen.
Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung dürfte zwar in weiten Teilen des gemeinsamen Währungsraumes die Talsohle durchschritten haben, gleichwohl verlaufe der konjunkturelle Erholungsprozess schwerfälliger als zunächst erhofft. Insofern bleibe das Preissteigerungspotenzial zunächst begrenzt.
Auch in Deutschland seien die Verbraucherpreise zu Beginn des 4. Quartals nur noch um 1,2% Y/Y angestiegen. Das Statistische Bundesamt mache hierfür ebenfalls die moderate Preisentwicklung im Rohstoffbereich verantwortlich, die durch den zuletzt recht starken Euro zusätzlich abgefedert worden sei. Im Bereich der Nahrungsmittelpreise habe der Preiszuwachs mit 4,1% Y/Y hingegen weiter deutlich oberhalb der Gesamtteuerung gelegen.
Auch wenn einige Marktteilnehmer nun bereits für das November-Meeting mit einer Zinssenkung rechnen würden, dürfte die EZB nicht voreilig handeln. Eine weitere geldpolitische Expansion wäre zudem mit einigen Unwägbarkeiten verbunden. So würde sich beispielsweise erneut die Frage nach einem negativen Einlagesatz stellen - eine Erfahrung, welche die Notenbank nach eigenem Bekunden eigentlich nicht machen möchte. Wolle man negative Einlagesätze vermeiden, könnte man auch den Zinskorridor einengen und den Satz für die Spitzenrefinanzierungsfazilität deutlich absenken.
Im Kern bleibe aber die Frage, welche Effekte ein niedrigerer Refinanzierungssatz hätte. Die konjunkturstützenden Effekte dürften recht überschaubar bleiben. Das eigentliche Problem, dass die niedrigen Zinssätze in einigen Regionen nicht zu Investitionen animieren bzw. dass die Unternehmen nicht an entsprechende Investitionen gelangen würden, würde die EZB mit einem weiteren Zinsschritt ohnehin nicht beheben.
Zudem hätten auch zuletzt die Konjunkturdaten auf eine nachhaltige Überwindung der Rezession - wenn auch mit bescheidenem Tempo - hingedeutet. Insofern gebe es von dieser Seite keinen echten Grund für ein noch niedrigeres Zinsniveau. Ein Argument für einen Zinsschritt wären echte Deflationsgefahren. Diese seien allerdings auch nicht auszumachen. Die Inflationserwartungen dürfe man nach wie vor als fest verankert bezeichnen.
Allerdings könnte die EZB am Donnerstag einen Zinsschritt in Aussicht stellen. Eine stärkere Fokussierung auf die Wachstumsrisiken einerseits und die niedrige Inflationsrate andererseits würde die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung steigen lassen. Entsprechend gebe Notenbankpräsident Mario Draghi auf der anschließenden Pressekonferenz wohl die Richtung für die Markterwartungen und die -bewegungen vor.
Die Veröffentlichung der Inflationszahlen habe bereits zu merklichen Marktreaktionen geführt, beispielhaft sei an die Euro-Dollar-Wechselkursbewegung erinnert. Aus Sicht der Analysten könnte zudem die Ankündigung eines weiteren langfristigen Tendergeschäftes auf dem Programm stehen. Die Rückflüsse aus den bisherigen Langfristtendern hätten zwischenzeitlich eine Größenordnung erreicht, die schon bald zu Lasten der Geldmarktsätze gehen könnte, welche die Notenbank erklärtermaßen auf niedrigem Niveau verankert wissen wolle.
Zudem habe der Rat erste Vorschläge mit Blick auf die Veröffentlichung der Sitzungsprotokolle beraten wollen, sodass eventuell auch hier die eine oder andere Neuigkeit durchsickern könnte. Insofern dürfe man durchaus gespannt auf die Entscheidungen der EZB und die daran anschließende Begründung sein.
Die Vorbereitung zur Übernahme der Aufsichtsfunktion im kommenden Herbst würden auf Hochtouren laufen. Angesichts des eng getakteten Zeitplans müsse die EZB auf nationale Aufseher zurückgreifen um die Etappenziele nicht aus dem Auge zu verlieren. "Störfeuer" sei nun vom EU-Parlament gekommen, welches in einem Brief an Notenbankchef Draghi noch einmal die strikte Trennung von Geldpolitik und Bankenkontrolle anmahne.
Auch die EZB wolle diese Unabhängigkeit; gleichzeitig wolle sie aber auch Parallelstrukturen vermeiden, die mit Kosten und organisationsstruktureller Komplexität einhergehen würden. Die EU-Verordnung sehe lediglich das Gebot einer Trennung vor, in der Ausgestaltung lasse sie der EZB hingegen viele Freiheitsgrade.
Unterdessen hätten sich die EZB sowie die FED, die Bank of England, die Bank of Japan, die Bank of Canada sowie die Schweizerische Nationalbank auf eine Umwandlung der zunächst befristet eingerichteten gegenseitigen Swap-Linien in unbefristete Vereinbarungen geeinigt. Diese Instrumente seien im Zuge der Finanzkrise zur Vermeidung von Liquiditätsengpässen eingerichtet worden. Nun sollten sie bis auf weiteres in Kraft bleiben und ein "Netzwerk bilateraler Swap-Linien" bilden.
Die Maßnahme dürfte in erster Linie für potenzielle künftige Krisen gedacht sein. Zuletzt hätten Banken zur Beschaffung entsprechender Fremdwährungsliquidität kaum den Weg über die Notenbank gehen müssen. Der letzte 7-Tage-US-Dollar-Tender sei zuletzt gar nicht mehr nachgefragt worden. Zu Spitzenzeiten (Herbst 2008) habe die Nachfrage bei über 170 Milliarden US-Dollar gelegen. (06.11.2013/alc/a/a)
Aktuelle Kursinformationen mehr >
| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 24.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


