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EZB-Maßnahmen nehmen Druck von der SNB


15.03.16 11:24
Bank J. Safra Sarasin AG

Basel (www.anleihencheck.de) - Die EZB mag die Geldmärkte letzte Woche auf dem falschen Fuß erwischt haben, so Karsten Junius, Chefökonom bei der Bank J. Safra Sarasin AG.

Wenn man eine expansive Geldpolitik für notwendig erachte, dann mache ihr Maßnahmen Paket allerdings Sinn. Positiv sei zudem, dass die EZB offensichtlich keine weiteren kompetitiven Abwertungen anvisiere und die Gefahr eines eskalierenden Währungskrieges so begrenze. Für das FED am Mittwoch und die SNB am Donnerstag seien das gute Nachrichten. Sie könnten so ihren bisherigen geldpolitischen Kurs fortsetzen.

EZB-Präsident Draghi und die EZB würden von der Dezembersitzung gelernt zu haben scheinen, bei der zwar weitreichende Stimuli beschlossen worden seien, die Märkte aber fast so reagiert hätten, als wenn die EZB die Zinsen wieder angehoben hätte. Diesmal habe sie die Finanzmärkte raten lassen, was passieren könnte und sei dann mit sehr weiterreichenden Entscheidungen und Liquiditätsspritzen gekommen, mit denen Banken bis zu vier Jahre kalkulieren könnten.

Das wichtigste Signal habe aber darin bestanden, was sie nicht gemacht habe: Zum einen habe sie nicht signalisiert, dass die Zinsen weiter fallen könnten. Zum anderen habe sie keinen mehrstufigen Einlagezins eingeführt, wie die SNB oder die Bank of Japan dies getan hätten. Die EZB signalisiere damit, dass sie nicht in erster Linie mittels der Zinsdifferenz zu anderen Währungsgebieten den Wechselkurs des Euro senken möchte. Sie sehe folglich nicht die Außenwirtschaft als Hauptimpulsgeber für eine Reflationierung des Euro-Währungsgebietes.

Stattdessen würden ihre Beschlüsse auf eine Belebung der Kreditmärkte und damit der Binnenwirtschaft abzielen. Für die übrigen Zentralbanken, die sich diese Woche treffen würden, sei dies eine gute Nachricht. Die amerikanische Notenbank werde am Mittwoch zwar keine Zinserhöhung beschließen, sie könne das Risiko eines deutlich stärkeren US-Dollar gegenüber dem Euro und damit eine zusätzliche Belastung der US-Exporte aber nun gelassener sehen.

Die SNB werde sich am meisten über die Entscheidung aus Frankfurt gefreut haben, sei sie doch am stärksten unter Druck gewesen, darauf zu reagieren, falls niedrigere Euro-Zinsen wieder zu Aufwärtsdruck auf den Franken geführt hätten. Da dies nicht geschehen sei, bestehe nach Einschätzung der Analysten kein akuter Handlungsbedarf. Sicherlich werde auch sie feststellen müssen, dass ihre bisherigen Inflationsprognosen für dieses Jahr zu hoch gewesen seien. Auch könne sie noch keine deutliche Wirtschaftserholung signalisieren, denn trotz eines überraschend starken vierten Quartals, könne das erste Quartal erneut enttäuschen. Dieses Zick-Zack-Muster habe bereits letztes Jahr beobachtet werden müssen.

Den Wechselkurs als Instrument für eine Reflationierung einzusetzen, würde nach der EZB-Entscheidung aber nur schlecht in die allgemeine Großwetterlage passen. Sie könnte natürlich ebenfalls den Kreditkanal der Banken anvisieren, nur hieße dies wahrscheinlich, die Ausnahme bei der Anwendung der negativen Einlagezinsen zu limitieren. Dies würde die Profitabilität der Banken beschränken und käme daher auch mit klaren Nachteilen. Auf die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen zu vertrauen, wäre daher die von den Analysten präferierte Option. (Ausgabe vom 14.03.2016) (15.03.2016/alc/a/a)