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EZB: Leitzinserwartungen erhöht
04.02.22 16:30
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Die abgelaufene Woche hatte es wirklich in sich, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.
Die anhaltend hohen Eurozone-Inflationsraten würden eine schnellere Zinswende der EZB wahrscheinlich machen und hätten für steigende Staatsanleiherenditen und einen festeren Euro gesorgt. An den Aktienmärkten habe die Zinsdiskussion auf die Stimmung gedrückt. Zudem hätten die ambivalenten Unternehmensergebnisse bei Tech- und Internettiteln für ein Wechselbad der Gefühle und den in der Börsengeschichte größten Tageswertverlust gesorgt.
Die nächste Woche biete vergleichsweise wenige Highlights. Es stünden aber wieder einmal Inflationsdaten im Fokus, diesmal in den USA, wo der Verbraucherpreisindex für den Monat Januar veröffentlicht werde. Hier werde vor allem die Preisdynamik in der Kernkomponente zu beobachten sein, welche im Dezember auf 5,5% p.a. angestiegen sei und sich im Januar weiter in Richtung der 6%-Marke bewegen sollte. Im vierten Quartal habe die saisonal bereinigte monatliche Veränderung der Kernrate mit 0,56% sehr deutlich über dem langfristigen Durchschnitt (0,16% p.m.) gelegen. Innerhalb der Kernrate seien es vor allem Güter, welche die Preisdynamik vorantreiben würden (z.B. Gebrauchtwägen +3,5% p.m. im Dezember), aber auch Dienstleistungen wie etwa Wohnen würden eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen.
Die zugrundeliegende Inflationsdynamik habe sich somit in den letzten Monaten verbreitert und dieses Muster werde sich wohl auch im Jänner zeigen. Von einem starken Beitrag der Energiepreise sei im Januar nicht auszugehen, schließlich seien die Treibstoffpreise etwas gefallen, wenn auch weniger stark als im Dezember.
In der Eurozone hätten die Inflationszahlen bereits in der abgelaufenen Woche für Aufregung gesorgt. Die Teuerung habe wider Erwarten auf 5,1% p.a. zugelegt. Das Hochschießen der Energiepreise sei weiterhin die Hauptursache für die hohe Inflation, aber auch der allgemeine Preisdruck habe zugenommen. Beim anstehenden Sentix-Index lasse die jüngste Aktienmarktentwicklung auf eine etwas gedrückte Stimmung bei Finanzmarktakteuren schließen.
Die EZB-Zinssitzung - eine zunächst langweilige Wiederholung der Dezember Beschlüsse mit spektakulärer Kehrtwende beim Q&A Teil der Pressekonferenz. Präsidentin Lagarde habe eine Zinsanhebung in diesem Jahr nicht mehr als wenig wahrscheinlich bezeichnen wollen und eine Überprüfung des geldpolitischen Maßnahmenmix auf der nächsten Sitzung im März signalisiert. Indem die EZB Zinsanhebungsspekulationen am Markt nicht mehr entgegengetreten sei, bedeute dies im Umkehrschluss, dass diese in ihrem Sinne seien.
Allerdings herrsche keine "Gefahr in Verzug"-Stimmung - mit dem Verweis auf die nach wie vor verhaltene Lohnentwicklung mache die Notenbank klar, dass keine Vollbremsung angedacht sei. Der von den Analysten erwartete Ablauf stelle sich wie folgt dar: Im März werde die EZB neue Wirtschaftsprognosen veröffentlichen, wobei die Inflationsprognosen nach oben genommen würden. Auf Basis der veränderten Ausgangslage werde der Pfad für Netto-Anleihekäufe im Rahmen des APP neu festgelegt und diese wohl alsbald ein Ende finden. Somit sei der Weg für höhere Leitzinsen in der zweiten Jahreshälfte frei.
Nach Meinung der Analysten werde die EZB Ende dieses Jahres/ spätestens Anfang 2023 die Negativzinspolitik beenden. Sobald der Einlagesatz 0% erreicht habe, würden sie eher mit einer wait and see-Phase von unveränderten Leitzinsen als mit fortgesetzten Anhebungen rechnen. In den kommenden Wochen würden EZB-Direktoriumsmitglieder in Reden und Interviews die veränderte Sichtweise der Öffentlichkeit nahebringen und der zu erwartende geldpolitische Pfad werde sich noch klarer abzeichnen. Die Analysten würden ihre Zins- und Renditeprognosen unter Revision stellen.
Am Markt sei der überraschende Schwenk der EZB rasch aufgenommen worden. Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihe sei um mehr als 20 Basispunkte, die zehnjährige um knapp 15 Basispunkte nach oben gesprungen. Letztere notiere nunmehr klar im positiven Terrain. Die veränderte Aussicht zur Geldpolitik lasse die sprunghafte Korrektur als nachhaltig erscheinen. Erstens würden die Anleihekäufe geringer ausfallen als zuvor eskomptiert. Allerdings werde sich dieser renditedämpfende Faktor auch bei einem baldigen Ende der Netto-Zukäufe nicht dramatisch reduzieren.
Immerhin bleibe die EZB am Staatsanleihemarkt aufgrund des akkumulierten Volumens und der anhaltenden Reinvestition ein dominanter Faktor. Somit würden die Analysten zweitens den Leitzinsaussichten die größere Bedeutung für die Einschätzung der erfolgten sowie anstehenden Renditebewegung zumessen. Die Leitzinserwartungen hätten sich erhöht, und der Markt preise für den Zinsanhebungspfad in etwa 0,5% als Endpunkt des anstehenden Zyklus. (04.02.2022/alc/a/a)
Die anhaltend hohen Eurozone-Inflationsraten würden eine schnellere Zinswende der EZB wahrscheinlich machen und hätten für steigende Staatsanleiherenditen und einen festeren Euro gesorgt. An den Aktienmärkten habe die Zinsdiskussion auf die Stimmung gedrückt. Zudem hätten die ambivalenten Unternehmensergebnisse bei Tech- und Internettiteln für ein Wechselbad der Gefühle und den in der Börsengeschichte größten Tageswertverlust gesorgt.
Die nächste Woche biete vergleichsweise wenige Highlights. Es stünden aber wieder einmal Inflationsdaten im Fokus, diesmal in den USA, wo der Verbraucherpreisindex für den Monat Januar veröffentlicht werde. Hier werde vor allem die Preisdynamik in der Kernkomponente zu beobachten sein, welche im Dezember auf 5,5% p.a. angestiegen sei und sich im Januar weiter in Richtung der 6%-Marke bewegen sollte. Im vierten Quartal habe die saisonal bereinigte monatliche Veränderung der Kernrate mit 0,56% sehr deutlich über dem langfristigen Durchschnitt (0,16% p.m.) gelegen. Innerhalb der Kernrate seien es vor allem Güter, welche die Preisdynamik vorantreiben würden (z.B. Gebrauchtwägen +3,5% p.m. im Dezember), aber auch Dienstleistungen wie etwa Wohnen würden eine zunehmend bedeutendere Rolle spielen.
Die zugrundeliegende Inflationsdynamik habe sich somit in den letzten Monaten verbreitert und dieses Muster werde sich wohl auch im Jänner zeigen. Von einem starken Beitrag der Energiepreise sei im Januar nicht auszugehen, schließlich seien die Treibstoffpreise etwas gefallen, wenn auch weniger stark als im Dezember.
Die EZB-Zinssitzung - eine zunächst langweilige Wiederholung der Dezember Beschlüsse mit spektakulärer Kehrtwende beim Q&A Teil der Pressekonferenz. Präsidentin Lagarde habe eine Zinsanhebung in diesem Jahr nicht mehr als wenig wahrscheinlich bezeichnen wollen und eine Überprüfung des geldpolitischen Maßnahmenmix auf der nächsten Sitzung im März signalisiert. Indem die EZB Zinsanhebungsspekulationen am Markt nicht mehr entgegengetreten sei, bedeute dies im Umkehrschluss, dass diese in ihrem Sinne seien.
Allerdings herrsche keine "Gefahr in Verzug"-Stimmung - mit dem Verweis auf die nach wie vor verhaltene Lohnentwicklung mache die Notenbank klar, dass keine Vollbremsung angedacht sei. Der von den Analysten erwartete Ablauf stelle sich wie folgt dar: Im März werde die EZB neue Wirtschaftsprognosen veröffentlichen, wobei die Inflationsprognosen nach oben genommen würden. Auf Basis der veränderten Ausgangslage werde der Pfad für Netto-Anleihekäufe im Rahmen des APP neu festgelegt und diese wohl alsbald ein Ende finden. Somit sei der Weg für höhere Leitzinsen in der zweiten Jahreshälfte frei.
Nach Meinung der Analysten werde die EZB Ende dieses Jahres/ spätestens Anfang 2023 die Negativzinspolitik beenden. Sobald der Einlagesatz 0% erreicht habe, würden sie eher mit einer wait and see-Phase von unveränderten Leitzinsen als mit fortgesetzten Anhebungen rechnen. In den kommenden Wochen würden EZB-Direktoriumsmitglieder in Reden und Interviews die veränderte Sichtweise der Öffentlichkeit nahebringen und der zu erwartende geldpolitische Pfad werde sich noch klarer abzeichnen. Die Analysten würden ihre Zins- und Renditeprognosen unter Revision stellen.
Am Markt sei der überraschende Schwenk der EZB rasch aufgenommen worden. Die Rendite der zweijährigen deutschen Staatsanleihe sei um mehr als 20 Basispunkte, die zehnjährige um knapp 15 Basispunkte nach oben gesprungen. Letztere notiere nunmehr klar im positiven Terrain. Die veränderte Aussicht zur Geldpolitik lasse die sprunghafte Korrektur als nachhaltig erscheinen. Erstens würden die Anleihekäufe geringer ausfallen als zuvor eskomptiert. Allerdings werde sich dieser renditedämpfende Faktor auch bei einem baldigen Ende der Netto-Zukäufe nicht dramatisch reduzieren.
Immerhin bleibe die EZB am Staatsanleihemarkt aufgrund des akkumulierten Volumens und der anhaltenden Reinvestition ein dominanter Faktor. Somit würden die Analysten zweitens den Leitzinsaussichten die größere Bedeutung für die Einschätzung der erfolgten sowie anstehenden Renditebewegung zumessen. Die Leitzinserwartungen hätten sich erhöht, und der Markt preise für den Zinsanhebungspfad in etwa 0,5% als Endpunkt des anstehenden Zyklus. (04.02.2022/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,15 % | 2,15 % | - % | 0,00% | 31.05./17:30 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| XFARIV001614 | 2,65 % | 2,15 % | ||


