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EZB: Keine Änderung des Zinssatzes für Einlagefazilität oder Guidance für QE


26.01.18 08:45
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Vor jeder Ankündigung neigt der Markt dazu, die Botschaften zu verkomplizieren, so Paul Brain, Manager des BNY Mellon Global Dynamic Bond Fund bei Newton IM (einer Fondsboutique von BNY Mellon Investment Management).

Der Markt liebe es, noch die subtilsten Änderungen in den Kommentaren zu antizipieren. Man wisse, dass Kommentare der Zentralbank ebenso wichtig seien wie tatsächliche Änderungen politischer Weichenstellungen. Aber es sei wichtig, die Kernaussagen nicht aus den Augen zu verlieren. Dies seien die Fragen, die auf Antwort warten würden:

Quantitative Easing (QE): Werde die EZB im September aussteigen?
Einlagefazilität (derzeit - 0,40%): Wann steige der Satz?
Euro: Sei die EZB beunruhigt über seine Stärke?

Die Ankündigung habe keine Änderung des Zinssatzes für die Einlagefazilität oder der Guidance für QE ergeben. Wie üblich habe die Pressekonferenz dem Markt Gelegenheit gegeben sich in subtile sprachliche Änderungen zu vertiefen. Mario Draghi habe erwähnt, die Stärke der Währung sei im Blick zu behalten. Dies sei logisch, da sie negativen Einfluss auf die Inflation habe und die Zinsen länger niedrig halten könne.

Vor dem Hintergrund dieser Ankündigung sei der Euro erneut gestiegen, und europäische Anleihen hätten verloren. Das deute darauf hin, dass die Kommentare insgesamt eher als Ausdruck einer strafferen als einer lockeren Geldpolitik gedeutet worden seien. Möglicherweise liege dies an der optimistischen Beschreibung der Wirtschaft und daran, dass die EZB ihr Inflationsziel erreichen könnte.

Die Experten würden nach wie vor von einem sehr verhaltenen, langsamen Schritt in Richtung auf eine restriktivere Geldpolitik ausgehen, die im Laufe des Jahres weiter Gestalt annehmen dürfte. Angesichts der konjunkturellen Erholung wären sie nicht überrascht, wenn die EZB ihr QE-Programm am Ende des laufenden Programms (am 18. September) beende. Trotzdem scheine der Markt zu sehr auf Zinserhöhungen zu setzen. Angesichts der nach wie vor hohen Arbeitslosigkeit, der niedrigen Kapazitätsauslastung und des erstarkenden Euro werde die EZB davon ausgehen, sich bis Mitte 2019 für eine Zinserhöhung Zeit nehmen zu können. Das dürfte sie aber kaum daran hindern, über Zinserhöhungen zu sprechen, sobald sie ihr QE-Programm beendet habe. (Ausgabe vom 25.01.2018) (26.01.2018/alc/a/a)