EZB-Inflationsziel in weiter Ferne


23.05.23 10:00
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat bei ihrer Sitzung am 4. Mai wie erwartet die Leitzinsen erneut angehoben, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG.

Offen sei bis zuletzt gewesen, ob es einen Zinsschritt von 0,25 oder von 0,5 Prozentpunkten gebe. Am Ende habe sich die EZB für den kleineren Schritt entschieden und damit den Kampf gegen die hohen Preissteigerungen fortgesetzt. Seit der Zinswende im Juli 2022 seien die Leitzinsen nun sieben Mal in Folge hochgesetzt worden.

Der an den Finanzmärkten maßgebliche Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten würden, liege damit nun bei 3,25 Prozent. Im Tief habe dieser Satz bei minus 0,5 Prozent gelegen. Zwar würden die meisten Volkswirte den Zinsgipfel in der Euro-Zone im Laufe des Sommers bei 3,5 bis vier Prozent für den Einlagensatz erwarten. Insgesamt könnten die Zinsen dann also um bis zu 450 Basispunkte gestiegen sein.

Diese Zinsstraffung werde nach Einschätzung der Notenbankvolkswirte die Inflation und das Wachstum bis 2025 erheblich dämpfen. Die Inflation werde in den Jahren 2023 bis 2025 im Durchschnitt um zwei Prozentpunkte niedriger ausfallen als ohne die Straffung, würden die Ökonomen im neuen EZB-Wirtschaftsbericht schreiben. Was die wirtschaftliche Aktivität betreffe, würden sie für 2022 bis 2025 im Durchschnitt einen dämpfenden Effekt von ebenfalls zwei Prozentpunkten prognostizieren.

Die EZB-Analyse gebe einen ersten Eindruck davon, wie die Wirkung der Zinsschritte in der EZB konkret eingeschätzt werde. "Die Ergebnisse zeigen, dass die Straffung der Geldpolitik voraussichtlich einen erheblichen Abwärtsdruck auf die reale Aktivität und die Inflation im Zeitraum 2023 bis 2025 ausüben wird", heiße es in der Analyse. Demnach habe der Straffungskurs die Inflation 2022 wahrscheinlich um 0,5 Prozentpunkte gesenkt, wenn man den Mittelwert der Modelle heranziehe. Der größte Teil der Auswirkungen auf die Inflation werde aber voraussichtlich ab 2023 eintreten - "mit einem Höhepunkt der Auswirkungen 2024".

Mit anderen Worten: Für eine Entwarnung an der Inflationsfront sei es deutlich zu früh. Das würden auch die neuesten Zahlen zeigen. Im April habe die Preissteigerungsrate in der Eurozone wieder etwas angezogen. Die Verbraucherpreise hätten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 7,0 Prozent erhöht, wie das Statistikamt Eurostat vor einigen Tagen nach einer zweiten Schätzung mitgeteilt habe. Ein vorläufiges Ergebnis sei damit bestätigt worden. Im März sei die Rate noch deutlich auf 6,9 Prozent gesunken. Das Inflationsziel der EZB von mittelfristig zwei Prozent werde also nach wie vor klar überschritten.

Im Gegensatz zur allgemeinen Teuerung sei die Kerninflation leicht zurückgegangen. Sie sei von dem im März erzielten Rekordniveau von 5,7 Prozent auf 5,6 Prozent gefallen. Die Kernteuerung klammere schwankungsanfällige Preise für Energie und Nahrungsmittel aus und gebe damit einen Eindruck über den grundlegenden Inflationstrend. Etwas weniger Preisauftrieb sei im April von Lebens- und Genussmitteln ausgegangen, wenngleich der Anstieg mit 13,5 Prozent immer noch hoch sei. Auch industriell gefertigte Waren hätten sich nicht ganz so stark wie im März verteuert. Dagegen hätten die Energiepreise wieder zugelegt.

Zertifikate, die bei einer hohen Preissteigerung profitieren würden, würden für Anleger interessant bleiben. Aktuell habe Raiffeisen Zertifikate zwei solcher Papiere in der Zeichnung: Das Europa Inflations Bonus & Sicherheit 19 laufe drei Jahre und sei mit einem Fixkupon von 2,5 Prozent p.a. ausgestattet. Dazu komme ein Kupon in Höhe der Inflationsrate der Eurozone. Eine Obergrenze sei nicht vorgesehen. Beim Europa Inflations Bonus & Sicherheit 20 würden Anleger in den ersten beiden Jahren einen Kupon von 9,25% p.a. fix erhalten, ab dem dritten und bis zum fünften Laufzeitjahr entspreche der Zinssatz nach der Inflationsrate. Die Barrieren bei beiden Zertifikaten lägen bei 49% des Startwerts des EURO STOXX 50. (23.05.2023/alc/a/a)