EZB: Inflationstief erreicht?!


09.04.14 17:03
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - In der vergangenen Woche haben die Notenbanker der EZB im Frankfurter Eurotower über die geldpolitische Ausrichtung der EZB diskutiert, so die Analysten der Nord LB.

Dabei hätten sie die Leitzinsen unverändert belassen. Der Tendersatz liege somit weiterhin bei 0,25%. Die Zinssätze für die Einlagefazilität (0,00%) bzw. die Spitzenrefinanzierungsfazilität (0,75%) seien ebenfalls bestätigt worden. Dennoch habe es im Rat offenbar eine rege Diskussion über den Einsatz weiterer unkonventioneller Maßnahmen gegeben. Zunächst hätten sich die Mitglieder - zumindest mehrheitlich - aber gegen die Anwendung entsprechender Instrumente ausgesprochen.

Einige Marktbeobachter wollten in den Ausführungen von Notenbankpräsident Draghi auf der an die Ratssitzung anschließenden Pressekonferenz bereits die verbale Vorbereitung möglicher unkonventioneller Maßnahmen gehört haben. Die Analysten hätten hier jedoch eine andere Sicht der Dinge. Die gern zur Schau gestellte Einigkeit bezüglich des Einsatzes aller zur Verfügung stehenden Nicht-Standardmaßnahmen dürfte bei genauerem Hinsehen den einen oder anderen Kratzer erhalten - insbesondere bei der Haltung zum "Quantitative Easing".

So sei im EZB-Rat offenbar auch über diese Option debattiert worden. Allerdings zeige sich an dieser Stelle, wie wichtig ein noch höheres Maß an Transparenz seitens der EZB sei. Vor einigen Tagen habe ein Interview von Bundesbankpräsident Weidmann für Aufsehen gesorgt, in dem er sich der Interpretation einiger Marktbeobachter folgend aufgeschlossener gegenüber einem Wertpapierankaufprogramm gezeigt habe. Der nun ergangene Hinweis hinsichtlich der QE-Diskussionen habe natürlich - wie einige Marktkommentare zeigen würden - die Erwartung genährt, dass die EZB genau an diesem Punkt ansetzen könne.

Allerdings werde dabei allzu schnell ausgeblendet, dass Weidmann seine Haltung gar nicht verändert habe und in dem besagten Interview von einer hypothetischen Diskussion gesprochen habe. Es sei nur schwer vorstellbar, dass er sich im Kreise seiner Kollegen nun gänzlich anders geäußert habe. Damit aber dürfte es bei dem altbekannten Dissens im EZB-Rat geblieben sein - nicht mehr und nicht weniger! Eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein solches Vorgehen lasse sich daraus jedenfalls noch nicht ableiten.

Gegenstand der Debatten sei natürlich auch die aktuelle Preisentwicklung in der Eurozone gewesen. Die Inflationsrate habe sich im März auf 0,5% Y/Y verringert, womit sich der Anstieg der Lebenshaltungskosten weiter von der Zielmarke der EZB entfernt habe. Im abgelaufenen Monat hätten vor allem rückläufige Nahrungsmittelpreise sowie ein moderaterer Preisdruck im Bereich der Waren und Dienstleistungen entlastet. Dem habe allerdings ein geringerer Rückgang der Energiepreise als zuletzt gegenübergestanden.

Für die kommenden Monate rechne die EZB mit einem anhaltend niedrigen Preisdruck, auch wenn im April die Teuerungsrate etwas höher ausfallen sollte - nicht zuletzt aufgrund von Preissteigerungen die im Zusammenhang mit dem Osterfest stünden. Draghi habe darauf verwiesen, dass ca. 70% des Inflationsrückgangs zwischen dem 1. Quartal 2012 (HVPI: 2,2% Y/Y) und dem 1. Quartal 2014 (HVPI: 0,7% Y/Y) auf niedrigere Energie sowie Nahrungsmittelpreise und damit auf exogene Faktoren zurückzuführen seien, auf welche die EZB über ihre Geldpolitik allerdings nicht unmittelbar Einfluss nehmen könne.

Wichtig sei für die Notenbank vielmehr, ob sich aus der Inflationsentwicklung mittelfristig niedrigere Inflationserwartungen ergeben würden, die geldpolitische Schritte notwendig machen würden. Hierüber sei man allerdings unterschiedlicher Meinung im Rat und warte daher die weitere Entwicklung ab.

Der neue französische Ministerpräsident Manuel Valls habe mit klaren Worten seine Haltung zur EZB-Geldpolitik zum Ausdruck gebracht. Kaum im Amt habe Valls die aus seiner Sicht zu zögerliche Haltung der Notenbank beklagt. Seiner Ansicht nach sei die Geldpolitik der EZB nicht expansiv genug. Eine Folge sei die derzeitige Euro-Stärke, die wiederum als Hemmschuh für die französische (Export-)Wirtschaft fungiere. Das seien harte und klare Worte eines Politikers, der um die Unabhängigkeit der EZB wissen sollte. Frankreichs Politik falle damit erneut unangenehm mit Einmischungen in die Geldpolitik auf.

Vor wenigen Jahren sei - ebenfalls aus Frankreich kommend - die Forderung nach einem etwas höheren Inflationsziel der EZB laut geworden. Die Antwort der Notenbank habe indes nicht lange auf sich warten lassen. Der Chef der französischen Notenbank, Christian Noyer, höchst selbst habe die Forderungen Valls zurückgewiesen und von einem "Diagnosefehler" des Politikers gesprochen, wenn er die Geldpolitik der Notenbank für den starken Euro verantwortlich mache. Vielmehr sei es die Anziehungskraft der Eurozone, die die Gemeinschaftswährung derzeit zu einer solch starken Währung mache.

Kritisch habe sich Noyer vielmehr zu den Plänen Frankreichs geäußert, die Defizitziele erneut aufzuweichen. Und auch von anderer prominenter Stelle erfahre die französische Politik Gegenwind. Benoit Coeuré, Mitglied im EZB-Direktorium, habe ebenfalls die Aufschubpläne Frankreichs kritisiert: "Das Land sollte seine Verpflichtungen respektieren. Das ist eine Frage der Glaubwürdigkeit und des Vertrauens." Dem sei eigentlich nichts hinzuzufügen, danach dürften dann gern auch wieder gut gemeinte Ratschläge in Richtung der Geldpolitik erfolgen, wobei sie selbst dann vor dem Hintergrund der Unabhängigkeit der Notenbank unangebracht wären. (09.04.2014/alc/a/a)