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EZB: Geldpolitischer Ausstieg nicht erkennbar


25.01.19 16:15
National-Bank AG

Essen (www.anleihencheck.de) - Die EZB bewegt sich weiterhin auf der von uns erwarteten Linie, so die Analysten der National-Bank AG.

Wie EZB-Präsident Draghi gestern ausgeführt habe, habe sich der Ausblick der Bank bezüglich des Wachstums eingetrübt: Die EZB gehe nunmehr davon aus, dass die Abwärtsrisiken dominieren würden. Draghi habe in Aussicht gestellt, dass die EZB ihre Einschätzung überprüfen wolle, wie sich vor allem der globale Handelskonflikte und der Brexit auf die konjunkturellen Perspektiven auswirken würden. Dies sei die Vorbedingung möglicher Folgen für den weiteren Kurs der europäischen Geldpolitik.

Im Ergebnis warte die EZB weiter ab und werde wohl ihren derzeitigen Kurs weiter fortsetzen: Ein geldpolitischer Ausstieg sei derzeit nicht erkennbar. Oder anders formuliert: Die EZB habe den Zeitpunkt des geldpolitischen Kurswechsels verpasst! Die Analysen würden erwarten, dass erst im Jahre 2020 ein kosmetischer Zinsschritt erfolge, nachdem die EZB den Einlagensatz in kleinen Schritten erhöht haben werde. Mit Blick auf die gängigen Modelle für die Geldpolitik läge ein nach wirtschaftlichen Anteilen gewichteter Zinssatz im Euroraum signifikant höher. Über das Timing der Maßnahmen der EZB möge man streiten, das Nullzinsniveau sei aber offenkundig spürbar durch die Bedürfnisse der hoch verschuldeten Südländer geprägt, die den EZB-Rat dominieren würden.

Aus Sicht der Analysten werde das Wachstum in Europa schwächer, aber im Kern doch robust bleiben. Damit komme der Entwicklung der Inflation für den weiteren Kurs der Geldpolitik eine entscheidende Rolle zu. Die Analysten würden davon ausgehen, dass der unterliegende Preistrend in Form der Kernrate zur Jahresmitte 2020 um 1,5% liegen dürfte. Das daraus resultierende Delta für einen gleichgewichtigen geldpolitischen Kurs liege gemäß ihrer Schätzungen bei rund 30 Basispunkten und verweise damit auf einen Zinsschritt beim Hauptrefinanzierungssatz zur Jahresmitte 2020. Insofern sei die Wahrscheinlichkeit für einen abermals wieder deutlich expansiveren Kurs der Geldpolitik in Europa zumindest derzeit begrenzt.

Mit Blick auf die Zinsentwicklung in Deutschland und Europa würden die Analysten erwarten, dass sich die derzeitige Entkopplung der Zinssätze fortsetze ggf. sogar noch weiter akzentuiere. Auf Jahressicht sei trotz der auch weiterhin aufwärtsgerichteten Kräfte an den internationalen Kapitalmärkten ein weit unterdurchschnittliches Renditeniveau knapp unter 0,7% für zehnjährige Bundesanleihen zu erwarten. Mit Blick auf den weiteren Kurs der US-amerikanischen Notenbank würden die Analysten erwarten, dass die FED ihre schrittweise und datengetriebene Vorgehensweise fortsetzen werde. Schließlich bleibe die US-Wirtschaft in der Wahrnehmung der US-Notenbank sehr robust. Daher würden sie erwarten, dass der Zinszyklus der FED noch lange nicht abgeschlossen sei. Für das Jahresende 2019 würden sie weiterhin Renditen um 3,4% erwarten. (25.01.2019/alc/a/a)