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EZB-Entscheidung: Weitere signifikante Zinserhöhungen
16.12.22 11:00
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auf der EZB-Pressekonferenz hat Präsidentin Christine Lagarde eine sehr "hawkishe" Botschaft ausgesandt, indem sie sagte, dass die "Zinssätze immer noch deutlich steigen müssen", wobei sie ausdrücklich einen weiteren Schritt von 50 Basispunkten im Februar 2023 ankündigte, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
In Anlehnung an die Diskussion über die FED, bei der viele Investoren über einen Wendepunkt im Zinserhöhungszyklus spekuliert hätten (Stichwort: Pivot), habe Lagarde gesagt: "Das ist kein Wendepunkt für die EZB". Außerdem habe Lagarde gesagt, dass die Markterwartung einer Endrate von 3,0% nicht ausreichen würde, um die Inflation mittelfristig auf das angestrebte Niveau von 2% zu senken, sprich: Die Markterwartung sei falsch.
Der Hauptgrund für diese hawkishe Tonlage scheine zu sein, dass die EZB im Januar und Februar mit einem erneuten Anstieg der Inflation rechne, der auf höhere Energiepreise für die privaten Haushalte zurückzuführen sei, und dass sie befürchte, dass sich die Inflationserwartungen verfestigen könnten. Die Analysten würden nunmehr erwarten, dass der Hauptrefinanzierungssatz bis 3,75% steigen werde.
Die Ankündigungen im Einzelnen:
Zu den Leitzinsen: Der Hauptrefinanzierungssatz sei um 50 Basispunkte auf 2,50% und der Satz für die Einlagefazilität um 50 Basispunkte auf 2,0% angehoben worden. Für Februar sei bereits ein weiterer Zinsschritt von 50 Basispunkten angekündigt worden, aber - in einem gewissen Widerspruch dazu - man entscheide weiterhin von Sitzung zu Sitzung. Die Entscheidung sei nicht einstimmig gewesen.
Drei Kernaussagen: 1) weitere signifikante Zinserhöhungen würden folgen 2) diese würden in gleichmäßigem Tempo erfolgen (unterstrichen durch die Ankündigung, dass im Februar ein weiterer Schritt von 50 Basispunkte folgen könnte) 3) Beibehaltung der Zinssätze auf einem restriktiven Niveau für eine längere Zeit.
Einordnung: Der EZB kämpfe um ihre Glaubwürdigkeit und nehme lieber das Risiko in Kauf, den Bogen zu überspannen (die Rezession zu vertiefen) als Gefahr zu laufen, dass sich die Inflation verfestige.
Neue Projektionen: Anhebung der Inflationsprognose für 2023 von 5,5% auf 6,3% (Jahresdurchschnitt) und Rücknahme der BIP-Prognose für 2023 von 0,9% auf 0,5%.
Einordnung: Die Inflationsprojektionen würden den von der EZB identifizierten Handlungsdruck unterstreichen.
Zum Asset Purchase Programm (APP): Die EZB werde Anfang März 2023 damit beginnen, das APP-Portfolio um 15 Mrd. Euro pro Monat zu reduzieren (Hälfte der monatlich fällig werdenden Anleihen). Nach Juni werde das "anschließende Tempo im Laufe der Zeit festgelegt werden". Weitere technische Einzelheiten würden auf der Sitzung am 2. Februar bekannt gegeben.
Einordnung: Vorsichtiger Start beim Abbau des APP-Portfolios, Liquiditätsengpässe an den Geldmärkten sollten vermieden werden.
Zur kurzfristigen Inflationsentwicklung: Die EZB scheine davon auszugehen, dass die Inflation im Dezember etwas niedriger, im Januar und Februar aber wieder höher ausfallen werde, da viele Versorgungsverträge mit privaten Haushalten über den Jahreswechsel geändert würden.
Einordnung: Die deutsche Energiepreisbremse bedeute immer noch höhere Preise als der Durchschnitt der älteren Verträge, während in Frankreich die Energieversorger die Preise bis 2023 um 15% anheben dürften, nachdem sie in diesem Jahr nur um 4% steigen durften. Möglicherweise sei der absehbare Wiederanstieg der Inflation Anfang des Jahres der Hauptgrund für die hawkishe Sprache der EZB. Man wolle sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass die Zügel voreilige wieder locker gelassen worden seien.
Zu Kryptoassets: "Kryptoassets müssen auf globaler Basis reguliert werden". "MICA (die europäische Verordnung für Kryptoassets) ist ein Durchbruch" und Lagarde hoffe auf MICA II.
Einordnung: Kryptoassets seien der EZB ein Dorn im Auge, nicht zuletzt weil man diese Assets als eine Bedrohung für die monetäre Souveränität erachte. Abgesehen davon sei eine kluge Regulierung der Kryptofinanzwelt jedoch unbedingt notwendig und grundsätzlich zu begrüßen. (16.12.2022/alc/a/a)
In Anlehnung an die Diskussion über die FED, bei der viele Investoren über einen Wendepunkt im Zinserhöhungszyklus spekuliert hätten (Stichwort: Pivot), habe Lagarde gesagt: "Das ist kein Wendepunkt für die EZB". Außerdem habe Lagarde gesagt, dass die Markterwartung einer Endrate von 3,0% nicht ausreichen würde, um die Inflation mittelfristig auf das angestrebte Niveau von 2% zu senken, sprich: Die Markterwartung sei falsch.
Der Hauptgrund für diese hawkishe Tonlage scheine zu sein, dass die EZB im Januar und Februar mit einem erneuten Anstieg der Inflation rechne, der auf höhere Energiepreise für die privaten Haushalte zurückzuführen sei, und dass sie befürchte, dass sich die Inflationserwartungen verfestigen könnten. Die Analysten würden nunmehr erwarten, dass der Hauptrefinanzierungssatz bis 3,75% steigen werde.
Die Ankündigungen im Einzelnen:
Zu den Leitzinsen: Der Hauptrefinanzierungssatz sei um 50 Basispunkte auf 2,50% und der Satz für die Einlagefazilität um 50 Basispunkte auf 2,0% angehoben worden. Für Februar sei bereits ein weiterer Zinsschritt von 50 Basispunkten angekündigt worden, aber - in einem gewissen Widerspruch dazu - man entscheide weiterhin von Sitzung zu Sitzung. Die Entscheidung sei nicht einstimmig gewesen.
Drei Kernaussagen: 1) weitere signifikante Zinserhöhungen würden folgen 2) diese würden in gleichmäßigem Tempo erfolgen (unterstrichen durch die Ankündigung, dass im Februar ein weiterer Schritt von 50 Basispunkte folgen könnte) 3) Beibehaltung der Zinssätze auf einem restriktiven Niveau für eine längere Zeit.
Einordnung: Der EZB kämpfe um ihre Glaubwürdigkeit und nehme lieber das Risiko in Kauf, den Bogen zu überspannen (die Rezession zu vertiefen) als Gefahr zu laufen, dass sich die Inflation verfestige.
Einordnung: Die Inflationsprojektionen würden den von der EZB identifizierten Handlungsdruck unterstreichen.
Zum Asset Purchase Programm (APP): Die EZB werde Anfang März 2023 damit beginnen, das APP-Portfolio um 15 Mrd. Euro pro Monat zu reduzieren (Hälfte der monatlich fällig werdenden Anleihen). Nach Juni werde das "anschließende Tempo im Laufe der Zeit festgelegt werden". Weitere technische Einzelheiten würden auf der Sitzung am 2. Februar bekannt gegeben.
Einordnung: Vorsichtiger Start beim Abbau des APP-Portfolios, Liquiditätsengpässe an den Geldmärkten sollten vermieden werden.
Zur kurzfristigen Inflationsentwicklung: Die EZB scheine davon auszugehen, dass die Inflation im Dezember etwas niedriger, im Januar und Februar aber wieder höher ausfallen werde, da viele Versorgungsverträge mit privaten Haushalten über den Jahreswechsel geändert würden.
Einordnung: Die deutsche Energiepreisbremse bedeute immer noch höhere Preise als der Durchschnitt der älteren Verträge, während in Frankreich die Energieversorger die Preise bis 2023 um 15% anheben dürften, nachdem sie in diesem Jahr nur um 4% steigen durften. Möglicherweise sei der absehbare Wiederanstieg der Inflation Anfang des Jahres der Hauptgrund für die hawkishe Sprache der EZB. Man wolle sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass die Zügel voreilige wieder locker gelassen worden seien.
Zu Kryptoassets: "Kryptoassets müssen auf globaler Basis reguliert werden". "MICA (die europäische Verordnung für Kryptoassets) ist ein Durchbruch" und Lagarde hoffe auf MICA II.
Einordnung: Kryptoassets seien der EZB ein Dorn im Auge, nicht zuletzt weil man diese Assets als eine Bedrohung für die monetäre Souveränität erachte. Abgesehen davon sei eine kluge Regulierung der Kryptofinanzwelt jedoch unbedingt notwendig und grundsätzlich zu begrüßen. (16.12.2022/alc/a/a)


