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EZB-Entscheidung: Ein Vorsichtiges Zurückrudern


04.02.22 10:15
Hamburg Commercial Bank

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auf der EZB-Sitzung wurde wie erwartet und trotz der hohen Inflation keine Zinserhöhung beschlossen, aber die Tür für eine Zinserhöhung noch in diesem Jahr ein Spalt weit aufgemacht, so Dr. Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank.

Die Notenbankchefin Christine Lagarde habe über die überraschend hohen Inflationszahlen im Dezember (5,0% YoY) und Januar (5,1% YoY) und darüber gesprochen, dass die EZB angesichts des veränderten Umfelds die März-Projektionen abwarten werde, um dann über den weiteren geldpolitischen Kurs zu entscheiden.

Forward Guidance: Lagarde habe auf der Forward Guidance beharrt, eine Art bedingtes Versprechen in Bezug auf die künftige Geldpolitik, die vorsehe, zunächst die Nettoankäufe von Anleihen zu beenden, bevor der Leitzins angehoben werde. Grundsätzlich halte die EZB an dem Plan fest, die Nettoankäufe in diesem Jahr noch nicht vollständig zurückzufahren (was bedeuten würde, dass es 2022 nicht zu einer Zinserhöhung komme), aber hier scheinen mittlerweile jederzeit Änderungen möglich. Die Prognose der Analysten: Zinsanhebung im Dezember 2022.

Risiken für eine länger anhaltende hohe Inflation seien gestiegen: Lagarde habe die einhellige Besorgnis der EZB-Mitglieder über den Schaden betont, den eine hohe Inflation "unseren Landsleuten" und "den am meisten gefährdeten Haushalten" zufüge. Einordnung: Damit gehe sie auf die Sorgen der Menschen ein und signalisiere letztlich, dass die EZB bereit sei, geldpolitisch gegenzusteuern, um die Inflation zu bekämpfen.

Prognosen: Mehr oder weniger klare Ankündigung, dass die März-Projektionen eine Änderung der Inflationsprognosen beinhalten würden, da die Inflationszahlen für Dezember und Januar "überraschend" hoch gewesen seien.

TLTROs: "Wir haben TLTRO überhaupt nicht diskutiert, es ist einer der Punkte auf der März-Sitzung oder später." (Lagarde) Einordnung: Daraus dürfe man schließen, dass dieses geldpolitische Instrument vorerst keine wichtige Rolle mehr spiele.

Fiskalunion/ Wachstums- und Stabilitätspakt: Sehr klare und politische Worte Lagardes zur Fiskalunion: "Wir sind an einer Fiskalunion interessiert, wenn Geldpolitik und Fiskalpolitik zusammenarbeiten, könnte das sehr effizient sein." Und: "Je mehr Fiskalunion es gibt, desto besser für die Währungsunion." Einordnung: Angesichts der Regierungskonstellation in Deutschland seien Fortschritte in diese Richtung nicht auszuschließen. (04.02.2022/alc/a/a)