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EZB-Entscheidung: Langsameres Tempo
28.10.22 11:35
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die EZB hat die Leitzinsen zum zweiten Mal in Folge um 75 Basispunkte angehoben, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Damit liege der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,0% und der Einlagezinssatz bei 1,5%. Gleichzeitig habe die EZB die Bedingungen für die TLTRO III-Operationen geändert: Die Verzinsung werde ab dem 23. November 2022 an den Durchschnitt der Leitzinsen gekoppelt sein, was zum Nachteil der Banken ist und ihnen einen Anreiz gebe, die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Keine Entscheidung sei hinsichtlich der quantitativen Straffung (Verringerung des EZB-Anleiheportfolios) getroffen worden. Eine diesbezügliche Ankündigung sei nach der Dezember-Sitzung zu erwarten. Weitere Zinserhöhungen seien angekündigt worden, doch werde sich das Tempo bei diesen Erhöhungen höchstwahrscheinlich verlangsamen. Die Analysten würden davon ausgehen, dass im März 2023 der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,0% liegen werde.
Die Ankündigungen im Einzelnen:
Zu den Leitzinsen: Der Hauptrefinanzierungssatz sei um 75 Basispunkte auf 2,00% und der Satz für die Einlagefazilität um 75 Basispunkte auf 1,5% angehoben worden. Über weitere Zinserhöhungen werde auf Basis der jeweils vorliegenden Daten "von Sitzung zu Sitzung" entschieden.
Dabei werde man sich laut Notenbankchefin Christine Lagarde von drei Faktoren leiten lassen:
Den Inflationsaussichten unter Berücksichtigung der Rezessionswahrscheinlichkeit,
den Maßnahmen, die die EZB bisher ergriffen habe,
der Transmissionsverzögerung der Geldpolitik bzw. der Tatsache, dass sich geldpolitische Impulse nicht sofort auf die Inflation auswirken würden.
Einordnung: Insbesondere der zweite und dritte Punkt würden eher "dovish" klingen und betonen, dass die EZB bereits viel getan habe (u.a. Zinserhöhungen um 200 Basispunkte in diesem Jahr) und dass es eine Verzögerung bei der Übertragung des geldpolitischen Impulses gebe. Das spreche dafür, dass die EZB auch bereit sei, bald eine Pause bei den Zinserhöhungen einzulegen.
Zur quantitativen Straffung: "Wir haben heute nicht darüber gesprochen", aber man werde auf der Dezember-Sitzung darüber sprechen, wie das APP-Portfolio reduziert werden könne.
Einordnung: Beim PEPP-Programm (Anleihebestand: knapp 1,7 Billionen Euro) sei keine Bestandsreduzierung vor Ende 2024 zu erwarten. Es gehe ausschließlich um die Anleihen aus dem APP-Programm (Anleihebestand: 2,6 Billionen Euro). Es sei herauszuhören gewesen, dass die Reduktion auch im Hinblick auf die Anleihemarktturbulenzen in Großbritannien eher vorsichtig vorgenommen werden solle.
Zu den Änderungen bei den TLTRO III-Geschäften: Ab dem 23. November würden die Banken, die in der Vergangenheit an TLTRO III-Geschäften teilgenommen hätten, einen höheren Zins als bisher zahlen, der an die Entwicklung der Leitzinsen gekoppelt sei. Gleichzeitig seien drei neue Termine (23.11.22/ 25.01.23/ 22.02.23) angekündigt worden, an denen die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückgezahlt werden könnten.
Einordnung: Die Maßnahme sei ein Anreiz für die Banken, die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückzuzahlen, sodass die Bilanz der EZB durch diese Maßnahmen relativ zeitnah sinken dürfte. Gleichzeitig habe Lagarde gesagt, dass man mit dieser Maßnahme auch dazu beitrage, dass die in den vergangenen Wochen stärker in den Fokus gerückte Knappheit von Sicherheiten an den Geldmärkten bekämpft werde, da mit der Rückzahlung von TLTRO III-Krediten hinterlegte Sicherheiten wieder frei würden. Hier gebe es allerdings auch die Meinung, dass der Abzug von Liquidität Spannungen an den Geldmärkten verschärfen könnte.
Zu den Wachstumsprognosen: Die nächsten Wachstumsprojektionen würden auf der Dezember-Sitzung veröffentlicht. Auf die Frage nach möglichen Änderungen habe Lagarde auf das bisherige Abwärtsszenario hingewiesen (BIP Eurozone 2023: -0,9% statt des Basis-Szenarios von +0,9%) und offen in die Runde der Reporter gefragt, ob man sich vielleicht schon in diesem Abwärtsszenario befinde.
Einordnung: Es sei wohl davon auszugehen, dass im Dezember die Wachstumsprognosen herunterrevidiert und die Inflationsprognosen heraufrevidiert werden müssten.
Zum TPI (Transmission Protection Instrument): "Wir haben das überhaupt nicht diskutiert", habe Frau Lagarde gesagt, um sinngemäß hinzuzufügen: Um den TPI auszulösen, müsste die EZB sich eine Reihe von Indikatoren ansehen, Spreads, Renditen und einige andere Indikatoren, und dann werde entschieden, welche Länder für das TPI ggf. infrage kämen.
Einordnung: Das TPI bleibe politisch umstritten und es wäre für die EZB wohl das Beste, wenn es gar nicht eingesetzt werden müsste. Derzeit sei in dieser Hinsicht keine Zuspitzung der Lage an den Kapitalmärkten zu beobachten. (28.10.2022/alc/a/a)
Damit liege der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,0% und der Einlagezinssatz bei 1,5%. Gleichzeitig habe die EZB die Bedingungen für die TLTRO III-Operationen geändert: Die Verzinsung werde ab dem 23. November 2022 an den Durchschnitt der Leitzinsen gekoppelt sein, was zum Nachteil der Banken ist und ihnen einen Anreiz gebe, die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückzuzahlen. Keine Entscheidung sei hinsichtlich der quantitativen Straffung (Verringerung des EZB-Anleiheportfolios) getroffen worden. Eine diesbezügliche Ankündigung sei nach der Dezember-Sitzung zu erwarten. Weitere Zinserhöhungen seien angekündigt worden, doch werde sich das Tempo bei diesen Erhöhungen höchstwahrscheinlich verlangsamen. Die Analysten würden davon ausgehen, dass im März 2023 der Hauptrefinanzierungssatz bei 3,0% liegen werde.
Die Ankündigungen im Einzelnen:
Zu den Leitzinsen: Der Hauptrefinanzierungssatz sei um 75 Basispunkte auf 2,00% und der Satz für die Einlagefazilität um 75 Basispunkte auf 1,5% angehoben worden. Über weitere Zinserhöhungen werde auf Basis der jeweils vorliegenden Daten "von Sitzung zu Sitzung" entschieden.
Dabei werde man sich laut Notenbankchefin Christine Lagarde von drei Faktoren leiten lassen:
Den Inflationsaussichten unter Berücksichtigung der Rezessionswahrscheinlichkeit,
den Maßnahmen, die die EZB bisher ergriffen habe,
der Transmissionsverzögerung der Geldpolitik bzw. der Tatsache, dass sich geldpolitische Impulse nicht sofort auf die Inflation auswirken würden.
Einordnung: Insbesondere der zweite und dritte Punkt würden eher "dovish" klingen und betonen, dass die EZB bereits viel getan habe (u.a. Zinserhöhungen um 200 Basispunkte in diesem Jahr) und dass es eine Verzögerung bei der Übertragung des geldpolitischen Impulses gebe. Das spreche dafür, dass die EZB auch bereit sei, bald eine Pause bei den Zinserhöhungen einzulegen.
Einordnung: Beim PEPP-Programm (Anleihebestand: knapp 1,7 Billionen Euro) sei keine Bestandsreduzierung vor Ende 2024 zu erwarten. Es gehe ausschließlich um die Anleihen aus dem APP-Programm (Anleihebestand: 2,6 Billionen Euro). Es sei herauszuhören gewesen, dass die Reduktion auch im Hinblick auf die Anleihemarktturbulenzen in Großbritannien eher vorsichtig vorgenommen werden solle.
Zu den Änderungen bei den TLTRO III-Geschäften: Ab dem 23. November würden die Banken, die in der Vergangenheit an TLTRO III-Geschäften teilgenommen hätten, einen höheren Zins als bisher zahlen, der an die Entwicklung der Leitzinsen gekoppelt sei. Gleichzeitig seien drei neue Termine (23.11.22/ 25.01.23/ 22.02.23) angekündigt worden, an denen die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückgezahlt werden könnten.
Einordnung: Die Maßnahme sei ein Anreiz für die Banken, die TLTRO III-Kredite vorzeitig zurückzuzahlen, sodass die Bilanz der EZB durch diese Maßnahmen relativ zeitnah sinken dürfte. Gleichzeitig habe Lagarde gesagt, dass man mit dieser Maßnahme auch dazu beitrage, dass die in den vergangenen Wochen stärker in den Fokus gerückte Knappheit von Sicherheiten an den Geldmärkten bekämpft werde, da mit der Rückzahlung von TLTRO III-Krediten hinterlegte Sicherheiten wieder frei würden. Hier gebe es allerdings auch die Meinung, dass der Abzug von Liquidität Spannungen an den Geldmärkten verschärfen könnte.
Zu den Wachstumsprognosen: Die nächsten Wachstumsprojektionen würden auf der Dezember-Sitzung veröffentlicht. Auf die Frage nach möglichen Änderungen habe Lagarde auf das bisherige Abwärtsszenario hingewiesen (BIP Eurozone 2023: -0,9% statt des Basis-Szenarios von +0,9%) und offen in die Runde der Reporter gefragt, ob man sich vielleicht schon in diesem Abwärtsszenario befinde.
Einordnung: Es sei wohl davon auszugehen, dass im Dezember die Wachstumsprognosen herunterrevidiert und die Inflationsprognosen heraufrevidiert werden müssten.
Zum TPI (Transmission Protection Instrument): "Wir haben das überhaupt nicht diskutiert", habe Frau Lagarde gesagt, um sinngemäß hinzuzufügen: Um den TPI auszulösen, müsste die EZB sich eine Reihe von Indikatoren ansehen, Spreads, Renditen und einige andere Indikatoren, und dann werde entschieden, welche Länder für das TPI ggf. infrage kämen.
Einordnung: Das TPI bleibe politisch umstritten und es wäre für die EZB wohl das Beste, wenn es gar nicht eingesetzt werden müsste. Derzeit sei in dieser Hinsicht keine Zuspitzung der Lage an den Kapitalmärkten zu beobachten. (28.10.2022/alc/a/a)


