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EZB: Ende des Zinssenkungszyklus bei 2% im Juni 2025 erwartet


16.12.24 09:26
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Diese Woche kann mit der Veröffentlichung einiger Dezember-Stimmungsindikatoren auf beiden Seiten des Atlantiks aufwarten, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Im Mittelpunkt würden die PMI-Schnellschätzungen stehen. Im November sei der Dienstleistungs-PMI in der Eurozone erstmals seit Jahresanfang wieder unter die 50 Punkte-Marke gefallen (49,5 Punkte), was zusätzliche Sorgen hinsichtlich der konjunkturellen Lage im Währungsraum geschürt habe (immerhin liege der Industrie-PMI schon seit geraumer Zeit unter 50 Punkten). Die Analysten würden eine leichte weitere Abnahme des Dienstleistungs-PMI auf 49,1 Punkte erwarten, beim Industrie-PMI sei lediglich ein marginaler Rückgang von 45,2 auf 45,0 Punkte zu erwarten.

In den USA habe der Industrie-PMI zuletzt mit 49,7 Punkten ebenfalls auf rückläufigem Terrain gelegen, was die aktuelle globale Schwäche des Industriesektors verdeutlicht habe. Der US-Dienstleistungs-PMI habe hingegen mit 56,1 Punkten keinerlei Anzeichen von Schwäche gezeigt. Näheren Aufschluss hinsichtlich der Stimmungslage in Deutschland würden die ifo- und ZEW-Indikatoren liefern. Die Analysten würden hier Rückgänge auf breiter Front erwarten, lediglich die ifo-Zukunftserwartungen sollten ihrer Meinung nach etwas zulegen können.

Auch hinsichtlich des Konsumentenvertrauens in der Eurozone würden die Analysten einen Rückgang von -13,7 auf -14,5 Punkte erwarten. In den USA würden zudem einige interessante realwirtschaftliche Daten erscheinen. So würden Daten zur Industrieproduktion und zu den Einzelhandelsumsätzen im November weitere Informationen zur Wirtschaftsentwicklung im vierten Quartal enthalten. Der BIP-Nowcast der Atlanta Fed weise für das Jahresendquartal aktuell ein solides Wachstum von 3,3% (p.q., annualisiert) aus.

Die EZB sei den 25 Basispunkten treu geblieben und habe sich gegen eine größere Senkung der Leitzinsen entschieden. Der Inflationsausblick sei bestätigt worden, wenngleich der Wachstumsausblick nach unten revidiert worden sei. Eine Rezession sehe die EZB aber nicht, und so wolle man die Leitzinsen graduell auf ein neutrales Niveau führen. Dies solle nach Meinung der Analysten im ersten Halbjahr 2025 gelingen. Die Analysten würden nun davon ausgehen, dass die EZB am aktuellen Tempo festhalten werde. Man wolle mit Bedacht, aber dennoch stetig, einem neutralen Zinsniveau näherkommen. Präsidentin Lagarde habe eine Bandbreite zwischen 1,75% und 2,5% - bezogen auf den Einlagesatz - als Richtwert angegeben. Die überarbeitete Zinsmeinung der Analysten zeige ein Ende des Zinssenkungszyklus bei 2% im Juni 2025.

Rutsche die Eurozone in eine Rezession, könne die EZB auch darunter gehen. Bleibe die Disinflation bei den Dienstleistungspreisen aus, könne die EZB vorsichtiger agieren und bei gleichzeitig aufhellender Konjunktur den Zinssenkungszyklus auf höherem Niveau stoppen. Der Zinsmarkt preise aktuell einen ähnlichen EZB-Zinspfad, wie die Analysten ihn unterstellen würden. Die deutsche Bund-Renditekurve sei zuletzt aber auch stark durch Dynamiken der (Durations-)Risikoprämie geprägt gewesen. Die Analysten würden diesen Renditetreiber auch auf Sicht der nächsten Monate als dominant ansehen.

Mit dem Start der zweiten Amtszeit Donald Trumps, der Wahl zum Deutschen Bundestag und dem beschleunigten Bilanzabbau der EZB deuteten im ersten Quartal einige Faktoren in Richtung höherer (Durations-)Risikoprämien. Volatilität und ein kurzfristiges Überschießen des mittelfristigen fundamentalen Pfads könnten nach Meinung der Analysten daraus resultieren. Auf die mittlere Frist würden die Analysten an ihrer Meinung festhalten, dass sich die 10-jährige Bund-Rendite Ende 2025 nahe am aktuellen Niveau befinden könnte, bei jedoch gleichzeitig niedrigeren Renditen kürzerer Laufzeiten.

Im Gegensatz zur EZB habe sich die SNB den Erwartungen widersetzt und ihren Leitzinssatz um 50 BP anstatt um die erwarteten 25 BP reduziert. Die niedrige Inflation und anhaltende Deflationsrisiken hätten die Schweizer Notenbank dazu bewogen, in dieser Sitzung lieber deutlicher zu reagieren, als in Gefahr zu laufen, im derzeitigen Umfeld eine zu restriktive Geldpolitik zu fahren. Mit der Unsicherheit rund um eine Trump-Präsidentschaft und der Frankenstärke bleibe der Abwärtsdruck für die Schweizer Inflation hoch. EUR/CHF habe am 13. Dezember 2024 etwas höher notiert. Doch neben der globalen Unsicherheit bleibe das Zinsdifferential zur EZB ein Abwärtsrisiko für das Währungspaar. Die Analysten hätten nach der Sitzung ihre Prognose für den Schweizer Leitzins angepasst und würden nun schon das Erreichen von 0,0% im Juni 2025 erwarten, und somit noch zwei weitere Senkungen um je 25 BP im nächsten Jahr.

Diese Woche gehe es weiter mit der Fed. Die Analysten würden eine Zinssenkung um 25 BP erwarten. Dies bilde auch gleichzeitig den Konsensus unter Analysten und am Finanzmarkt. Im Vorfeld sei die Möglichkeit konstanter Leitzinsen diskutiert worden. Ein robuster Arbeitsmarkt und erneut steigende Inflationsdynamiken hätten dazu beigetragen. Die letzten Datenpunkte hätten wenig klare Signale geliefert. Beschäftigungszahlen hätten im November etwas mehr zulegen können als erwartet, die Werte seien aber von positiven Einmaleffekten verzerrt gewesen.

Die Arbeitslosenrate sei gleichzeitig leicht auf 4,2% angestiegen. Die Verbraucherpreisinflation habe diesmal nicht über, sondern genau bei den Erwartungen gelegen. Die zugrundeliegende Inflationsdynamik sei aber nach wie vor etwas erhöht gewesen. Und auch die für diese Woche angesetzten PCE-Inflationszahlen sollten nichts daran ändern. Nowcasts würden aktuell für die Kern- und die Gesamtrate auf monatliche Wachstumsraten in Höhe von 0,3% hindeuten, was jährliche Wachstumsraten von 3% beziehungsweise 2,6% impliziere. Eine vorerst hawkish kommunizierte Zinssenkung gelte demnach als wahrscheinlich. Von besonderem Interesse würden die neuen Prognosen des Offenmarktausschusses sein. Zuletzt hätten diese ein Ausmaß an Leitzinssenkungen von 100 BP im Jahr 2025 gezeigt. Die Analysten würden ein früheres Ende des Zyklus nach 75 BP an Zinssenkungen im Jahr 2025 erwarten.

Am Zinsmarkt preise man aktuell nur noch 50 BP für das nächste Jahr. Folgend könnte es diese Woche zu einer dovishen Marktüberraschung kommen. Klar sei, dass sich die Fed wohl zufrieden mit der Situation am Arbeitsmarkt und der Konjunktur im weiteren Sinne zeigen werde. Abwärtsrisiken, die man noch im September betont habe, hätten sich nicht bewahrheitet. Bei der Inflation könnte man erhöhte Unsicherheit betonen, an der Meinung eines intakten Disinflationsprozesses aber wohl weiter festhalten. Der Zinssenkungszyklus gehe weiter, und man bleibe datengetrieben! (Ausgabe vom 13.12.2024) (16.12.2024/alc/a/a)