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EZB: Ende der Netto-Anleihekäufe im Sommer?


21.02.22 08:15
Raiffeisen Bank International AG

Wien (www.anleihencheck.de) - Bis zur nächsten Zinssitzung im März wird die EZB den aktuellen und für die kommenden Monate in Aussicht gestellten Instrumenteneinsatz überprüfen, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).

Die Analysten der RBI hätten den im Januar signalisierten Richtungsschwenk der EZB dazu genutzt, um ihr Prognosebild zur EZB-Geldpolitik sowie den Zinsmärkten zu überprüfen. Die Analysten der RBI würden nun davon ausgehen, dass die Netto-Anleihekäufe der EZB rascher, genauer gesagt im Sommer, ein Ende finden würden. Dies sollte es der EZB ermöglichen, im Lichte inflationärer Risiken eine erste Zinsanhebung von 25 BP im September 2022 durchzuführen und mit Ende des Jahres - zweite Zinsanhebung von 25 BP im Dezember - das Ende der Negativzinspolitik zu beschließen.

Die Liquiditätsbedingungen sähen die Analysten der RBI aber in näherer Zukunft alles andere als knapp - die Überschussliquidität bleibe bestehen. So würden die Analysten der RBI erwarten, dass daran festgehalten werde, die Anleihebestände der EZB für eine lange Phase - bis Ende 2024 - zu reinvestieren. Des Weiteren würden die Analysten Anschlussfinanzierungen für die auslaufenden längerfristigen Refinanzierungen als sehr wahrscheinlich erachten. Vor diesem Hintergrund bleibe die Geldmarktkurve zwischen dem Einlage- und Hauptrefinanzierungssatz verankert. In Summe würden die Analysten der RBI den von ihnen erwarteten geldpolitischen Ausblick als stufenweisen Ausstieg aus der Krisenpolitik charakterisieren.

Die Neubewertung der EZB-Geldpolitik habe weitgehende Implikationen für den Zinsmarkt. Die substanziellen Renditebewegungen seit Jahresanfang würden dies widerspiegeln, auch wenn sich zuletzt der Renditeaufwärtsdruck auch aufgrund zunehmender geopolitischer Risiken gemildert habe. Das Prognosebild der Analysten der RBI habe sich wie folgt verändert. Einerseits führe die früher als erwartete Zinsnormalisierung dazu, dass die Analysten ihre Renditeprognosen vor allem im kurzen bis mittleren Laufzeitensegment deutlich nach oben anpassen würden. Die 2-jährige Bund-Rendite könnte bis Jahresende das negative Terrain hinter sich lassen.

Andererseits sähen die Analysten der RBI weiterhin ein starkes Kommitment der EZB, insbesondere auf Sicht der nächsten Quartale, von einem Bilanzabbau Abstand zu halten, was sich in historisch flachen Renditekurven widerspiegele. Die 10-jährige Bund-Rendite sollte nach Einschätzung der Analysten der RBI aufgrund der steigenden kurzfristigen Renditen noch etwas Luft nach oben haben. Unklarheit darüber, welches Leitzinsniveau die EZB langfristig anstrebe, werde aber ebenso den Zinsmarkt prägen. Folge dem Ende der Negativzinspolitik eine weitere Zinsnormalisierung, würden die Analysten der RBI 2023 eine Fortsetzung steigender Renditen entlang der Bund-Kurve erwarten. (Ausgabe vom 18.02.2022) (21.02.2022/alc/a/a)