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EZB: Dass eine Zinssenkung notwendig ist, wird von allen geteilt
02.12.24 09:45
Raiffeisen Bank International AG
Wien (www.anleihencheck.de) - Im November lag die HVPI-Schnellschätzung für den Euroraum bei 2,3% p.a. und damit leicht über unserer Schätzung von 2,2%, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Kerninflation habe hingegen wie von den Analysten erwartet bei 2,7% im Jahresvergleich gelegen. Auch die Energiepreise seien im Einklang mit den Erwartungen gewesen (-1,9%), aber wie schon im Oktober sei die größte Überraschung der Anstieg der Lebensmittelpreise gewesen, der mit 2,8% nur geringfügig niedriger ausgefallen sei als im Oktober (2,9% im Jahresvergleich). Der Anstieg der Lebensmittelpreise im Oktober (und das Ausbleiben einer Korrektur im November) bedeute zwar, dass die Lebensmittelinflation im Jahresvergleich fast das gesamte Jahr 2025 erhöht sein könnte, sei aber für die mittelfristigen Inflationsaussichten und damit für die geldpolitische Entscheidungsfindung nicht so wichtig (dasselbe gelte für die Energiepreise).
Viel wichtiger sei die Kerninflation, die auf den ersten Blick keine Anzeichen einer Abschwächung zu zeigen scheine. Betrachte man jedoch die kürzeren Momentum-Indikatoren, so scheine sich die Kerninflation, und insbesondere die Kerndienstleistungsinflation langsam, aber sicher zu verlangsamen. Während also die Inflation im Jahresvergleich eine negative Entwicklung aufweise, zeige ein Blick unter die Haube, dass sich die Inflation immer noch günstig entwickle und mittelfristig in Richtung 2% tendieren könnte.
Diese Woche würden in der Eurozone einige Datenveröffentlichungen aus der zweiten Reihe anstehen. Zusätzliche PMI-Indikatoren (bspw. Spanien, Italien) würden nach den enttäuschenden Schnellschätzungen für Deutschland, Frankreich und die Eurozone einen näheren Einblick hinsichtlich der aktuellen Stimmungslage erlauben. Bezüglich der neuerlichen Schätzung zum BIP-Wachstum im dritten Quartal erwarteten die Analysten eine erneute Bestätigung der initialen Schätzung von 0,4% p.q. Die Arbeitslosenquote im Oktober werde wie im September bei 6,3% erwartet - somit sollte sich weiterhin keine deutliche Abschwächung des soliden Arbeitsmarktes abzeichnen. Zu guter Letzt würden erste nationale Zahlen zur Industrieproduktion im Oktober Informationen zur Lage im Industriesektor zu Beginn des vierten Quartals enthalten.
In den USA werde der Fokus auf Daten zur aktuellen Situation am Arbeitsmarkt liegen. Diesbezüglich würden Zahlen zu den offenen Stellen im Oktober den Auftakt machen, während der Arbeitsmarktbericht für November das Wochenhighlight in Übersee markieren werde. Der Arbeitsmarktbericht für den Oktober sei überraschend schwach ausgefallen, was aber auch maßgeblich durch Einmaleffekte getrieben gewesen sei. So hätten die adversen Effekte der Hurrikane Helene und Milton sowie einiger Streiks (bspw. bei Boeing) auf den Zahlen zur Beschäftigung gelastet, welche lediglich einen mauen Zuwachs in Höhe von 12 Tsd. Stellen angezeigt hätten (September: 223 Tsd.).
Der negative Gesamteffekt der Hurrikane und Streiks werde mit etwa 100 Tsd. Stellen beziffert. Diese Stellen würden in die November-Zahl zur Beschäftigung einfließen, vor diesem Hintergrund sei auch die aktuelle Konsensschätzung in Höhe von 183 Tsd. Stellen zu sehen. Die Arbeitslosenquote, welche von den genannten Einmaleffekten nicht beeinflusst werde, habe im Oktober weiterhin bei 4,1% gelegen, auch der US-Arbeitsmarkt zeige sich also weiterhin erfreulich robust. Mit den ISM-Indikatoren für November stünden außerdem weitere Konjunkturfrühindikatoren für die USA zur Veröffentlichung an.
Zwei Wochen vor der nächsten EZB-Sitzung würden sich immer mehr Mitglieder des EZB-Rates äußern. Die Vielzahl der jüngsten Stellungnahmen erwecke den Eindruck, dass noch einige Diskussionen anstünden, um eine gemeinsame Basis zu finden. Dass eine Zinssenkung notwendig sei, werde von allen geteilt. Die Wirtschaft habe bisher noch keine - nicht einmal eine moderate - Expansion eingeleitet, und die Einschätzung, dass die Inflation im nächsten Jahr nachhaltig das Ziel erreichen werde, sei durch die jüngsten Daten nicht in Frage gestellt worden. Wie seien also die beiden Lager zu verstehen? Das hawkische Lager plädiere für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und betone vor allem die hohe Dienstleistungspreisinflation und das Risiko, dass disinflationäre Kräfte wie Energie und Kerngüter nicht mehr lange disinflationär bleiben könnten.
EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel habe in einer kürzlich gehaltenen Rede sehr deutlich ihre Präferenz für diesen schrittweisen Ansatz zum Ausdruck gebracht. Das dovische Lager plädiere für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte und betone, dass das Inflationsziel früher als erwartet erreicht werden könnte, was ein schnelleres Ende der restriktiven Geldpolitik ermöglichen würde. Der Italiener Panetta sei ein klarer Befürworter und der Franzose Villeroy neige höchstwahrscheinlich auch zu dieser Option. EZB-Chefökonom Lane sehe die Inflationsrisiken wahrscheinlich eher nach unten als nach oben geneigt. EZB-Präsidentin Lagarde halte sich bedeckt.
Die Inflationsdaten vom November beinhalteten kein richtungsweisendes Signal. Daher werde es knapp werden und die Märkte könnten weiter rasch zwischen den Optionen wechseln. Derzeit bevorzuge der Markt eine Senkung um 25 Basispunkte - was auch die Prognose widerspiegle. An den europäischen Zinsmärkten hätten die Renditen ihren Abwärtstrend in der vergangenen Woche fortgesetzt. Die Abwärtsdynamik sei bei längerfristigen Laufzeiten und Bund-Renditen stärker ausgeprägt gewesen als bei den Swap-Sätzen, sodass die Bund-Kurve abgeflacht sei und die Swap-Spreads gestiegen seien. (Ausgabe vom 29.11.2024) (02.12.2024/alc/a/a)
Die Kerninflation habe hingegen wie von den Analysten erwartet bei 2,7% im Jahresvergleich gelegen. Auch die Energiepreise seien im Einklang mit den Erwartungen gewesen (-1,9%), aber wie schon im Oktober sei die größte Überraschung der Anstieg der Lebensmittelpreise gewesen, der mit 2,8% nur geringfügig niedriger ausgefallen sei als im Oktober (2,9% im Jahresvergleich). Der Anstieg der Lebensmittelpreise im Oktober (und das Ausbleiben einer Korrektur im November) bedeute zwar, dass die Lebensmittelinflation im Jahresvergleich fast das gesamte Jahr 2025 erhöht sein könnte, sei aber für die mittelfristigen Inflationsaussichten und damit für die geldpolitische Entscheidungsfindung nicht so wichtig (dasselbe gelte für die Energiepreise).
Viel wichtiger sei die Kerninflation, die auf den ersten Blick keine Anzeichen einer Abschwächung zu zeigen scheine. Betrachte man jedoch die kürzeren Momentum-Indikatoren, so scheine sich die Kerninflation, und insbesondere die Kerndienstleistungsinflation langsam, aber sicher zu verlangsamen. Während also die Inflation im Jahresvergleich eine negative Entwicklung aufweise, zeige ein Blick unter die Haube, dass sich die Inflation immer noch günstig entwickle und mittelfristig in Richtung 2% tendieren könnte.
Diese Woche würden in der Eurozone einige Datenveröffentlichungen aus der zweiten Reihe anstehen. Zusätzliche PMI-Indikatoren (bspw. Spanien, Italien) würden nach den enttäuschenden Schnellschätzungen für Deutschland, Frankreich und die Eurozone einen näheren Einblick hinsichtlich der aktuellen Stimmungslage erlauben. Bezüglich der neuerlichen Schätzung zum BIP-Wachstum im dritten Quartal erwarteten die Analysten eine erneute Bestätigung der initialen Schätzung von 0,4% p.q. Die Arbeitslosenquote im Oktober werde wie im September bei 6,3% erwartet - somit sollte sich weiterhin keine deutliche Abschwächung des soliden Arbeitsmarktes abzeichnen. Zu guter Letzt würden erste nationale Zahlen zur Industrieproduktion im Oktober Informationen zur Lage im Industriesektor zu Beginn des vierten Quartals enthalten.
Der negative Gesamteffekt der Hurrikane und Streiks werde mit etwa 100 Tsd. Stellen beziffert. Diese Stellen würden in die November-Zahl zur Beschäftigung einfließen, vor diesem Hintergrund sei auch die aktuelle Konsensschätzung in Höhe von 183 Tsd. Stellen zu sehen. Die Arbeitslosenquote, welche von den genannten Einmaleffekten nicht beeinflusst werde, habe im Oktober weiterhin bei 4,1% gelegen, auch der US-Arbeitsmarkt zeige sich also weiterhin erfreulich robust. Mit den ISM-Indikatoren für November stünden außerdem weitere Konjunkturfrühindikatoren für die USA zur Veröffentlichung an.
Zwei Wochen vor der nächsten EZB-Sitzung würden sich immer mehr Mitglieder des EZB-Rates äußern. Die Vielzahl der jüngsten Stellungnahmen erwecke den Eindruck, dass noch einige Diskussionen anstünden, um eine gemeinsame Basis zu finden. Dass eine Zinssenkung notwendig sei, werde von allen geteilt. Die Wirtschaft habe bisher noch keine - nicht einmal eine moderate - Expansion eingeleitet, und die Einschätzung, dass die Inflation im nächsten Jahr nachhaltig das Ziel erreichen werde, sei durch die jüngsten Daten nicht in Frage gestellt worden. Wie seien also die beiden Lager zu verstehen? Das hawkische Lager plädiere für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte und betone vor allem die hohe Dienstleistungspreisinflation und das Risiko, dass disinflationäre Kräfte wie Energie und Kerngüter nicht mehr lange disinflationär bleiben könnten.
EZB-Direktoriumsmitglied Schnabel habe in einer kürzlich gehaltenen Rede sehr deutlich ihre Präferenz für diesen schrittweisen Ansatz zum Ausdruck gebracht. Das dovische Lager plädiere für eine Zinssenkung um 50 Basispunkte und betone, dass das Inflationsziel früher als erwartet erreicht werden könnte, was ein schnelleres Ende der restriktiven Geldpolitik ermöglichen würde. Der Italiener Panetta sei ein klarer Befürworter und der Franzose Villeroy neige höchstwahrscheinlich auch zu dieser Option. EZB-Chefökonom Lane sehe die Inflationsrisiken wahrscheinlich eher nach unten als nach oben geneigt. EZB-Präsidentin Lagarde halte sich bedeckt.
Die Inflationsdaten vom November beinhalteten kein richtungsweisendes Signal. Daher werde es knapp werden und die Märkte könnten weiter rasch zwischen den Optionen wechseln. Derzeit bevorzuge der Markt eine Senkung um 25 Basispunkte - was auch die Prognose widerspiegle. An den europäischen Zinsmärkten hätten die Renditen ihren Abwärtstrend in der vergangenen Woche fortgesetzt. Die Abwärtsdynamik sei bei längerfristigen Laufzeiten und Bund-Renditen stärker ausgeprägt gewesen als bei den Swap-Sätzen, sodass die Bund-Kurve abgeflacht sei und die Swap-Spreads gestiegen seien. (Ausgabe vom 29.11.2024) (02.12.2024/alc/a/a)


