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EZB: Die Börse wartet auf eine Zinssenkung am 11. April.


05.04.24 15:02
BNP Paribas

Paris (www.anleihencheck.de) - Fühlt sich ein bisschen an wie Weihnachten im Frühling. Bescherung bei Sonnenschein. Wenn es denn überhaupt ein "Geschenk" gibt. Sollte es aber eigentlich, denn die Wirtschaft schwächelt, und die Inflation hat sich deutlich abgekühlt, so die Analysten der BNP Paribas in ihrer aktuellen Ausgabe von "Märkte & Zertifikate weekly".

Am 11. April treffe sich die Europäische Zentralbank zum Zinsentscheid. Würden die Banker die Zinsen im Euroraum senken? Das sei derzeit die alles entscheidende Frage. Wie gesagt, eigentlich gäbe es dafür genug Gründe. Die Inflation, Hauptanlass für die Anhebung der Zinsen vor zwei Jahren, habe im März im Euroraum bei 2,4 Prozent gelegen. Das sei ziemlich nahe an der Zielmarke von 2 Prozent. Und bei der Wirtschaftsentwicklung rechne die EU in diesem Jahr nur noch mit 0,9 Prozent Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt. Die Eurozone würde damit das Schlusslicht hinter den USA und China, den anderen großen Wirtschaftsblöcken, bilden. Also runter mit den Zinsen und Wachstum rauf. Die BNP Paribas befürchte nur, dass das mit der Senkung am 11. April nichts werde. Die EZB sei nicht gerade bekannt für ein mutiges und forsches Auftreten. Sie warte gern und schaue Richtung USA.

Als die Inflation 2022 so richtig Fahrt aufgenommen habe, habe zuerst die US-Notenbank die Zinsen angehoben, das sei im März gewesen. Die EZB sei erst im Juli 2022 gefolgt, da habe die FED schon zur vierten Zinserhöhung angesetzt. In Europa brauche man halt immer etwas länger, da werde gerne diskutiert. Das habe wahrscheinlich damit zu tun, dass die 20 Euromitglie der unterschiedliche Interessen verfolgen würden. Die müssten erst in Einklang gebracht werden - das dauere und sei leider oft ein Nachteil. Die USA seien bei der Inflationsbekämpfung insgesamt erfolgreicher gewesen, ihre Wirtschaft laufe derzeit deutlich besser.

Was passiere also bei der EZB-Sitzung am 11. April? Wisse niemand, wahrscheinlich nicht viel, und erst recht keine Zinssenkung. EZB-Präsidentin Christine Lagarde habe schon angedeutet, dass man erst im Juni eine Entscheidung treffen werde, früher nicht. Schade, das werde am Ende wertvolle Wachstumspunkte kosten. Aber zum Glück würden wenigstens die Börsianer einen Schritt vorausdenken. Für sie sei der Juni als Zinssenkungstermin gesetzt. Ein Grund, warum derzeit europäische Aktien recht gut laufen würden, sogar besser als amerikanische. Der EURO STOXX 50 notiere so hoch wie zuletzt 1999. Das sei lange her. Aber am Ende hätten die Amerikaner immer noch die Nase vorn, der S&P 500 liege auf Allzeithoch. 1999 habe er bei rund 1.500 Punkten notiert, heute bei deutlich über 5.000 Zählern. Die USA seien einfach schneller als die Europäer. Daran werde sich wohl leider auch am 11. April kaum etwas ändern. (05.04.2024/alc/a/a)