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EZB-Bankenumfrage: Kreditvergabe an Unternehmen wird restriktiver


16.04.25 09:15
Nord LB

Hannover (www.anleihencheck.de) - Gestern hat das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) die aktuellen Ergebnisse seiner monatlichen Umfrage unter Finanzmarktexperten veröffentlicht, so die Analysten der NORD/LB in ihrer aktuellen Ausgabe von "NORD/LB am Morgen".

Die Konjunkturstimmung sei durch Trumps Zollchaos im April regelrecht eingebrochen. Die ZEW-Konjunkturerwartungen für Deutschland seien von +51,6 auf -14,0 Punkte abgestürzt - dies sei mit einer Ausnahme (Angriff Russlands auf die Ukraine) der stärkste je gemessene Rückgang. Damit sei die Euphorie des Vormonats durch die neue Fiskalpolitik erstmal wieder verflogen, die Unsicherheit der Handelspolitik überstrahle derzeit alles. Selbst die zwischenzeitlich verkündete "Zollpause" habe nicht zur Beruhigung beigetragen. Zum einen bestünden viele Zollerhöhungen fort, zum anderen habe Trump mit seinem erratischen Kurs viel Vertrauen zerstört. Für eine Stimmungsaufhellung brauche es mehr als taktische Volten, vor allem belastbare Signale für einen konstruktiveren Kurs der US-Politik. Für Deutschland sei der Aufschwung in diesem Umfeld wohl endgültig aufs nächste Jahr verschoben.

In diesem Umfeld verwundere es nicht, dass der aktuelle Bank Lending Survey (BLS) der Europäischen Zentralbank (EZB) eine leichte Verschärfung der Vergabestandards für Unternehmenskredite zeige. Auch für das zweite Quartal sei laut BLS mit einer weiteren Restriktion zu rechnen. Als Ursache nenne die EZB gestiegene konjunkturelle Risiken. Erwähnenswert sei überdies die Tatsache, dass Unternehmen im ersten Quartal (trotz weiter fallender Zinsen) etwas weniger Kredite nachgefragt hätten. Für das zweite Quartal würden die Banken aber eine leicht zunehmende Nachfrage bei Firmenkrediten erwarten.

Tagesausblick: Aus Großbritannien würden heute neue Inflationsdaten erwartet, die Aufschluss darüber geben könnten, wie groß der Spielraum der Bank of England für geldpolitische Lockerungen tatsächlich sei.

In den USA würden vor allem die Einzelhandelsumsätze in den Fokus rücken - sie würden neue Hinweise zur Konsumdynamik liefern und könnten geldpolitisch Impulse setzen. Außerdem werde der NAHB-Index die Stimmung zum privaten Immobilienmarkt einfangen, welcher sich voraussichtlich noch weiter abschwächen dürfte. Unternehmensseitig würden unter anderem Sartorius (Göttingen) und ASML ihre Quartalszahlen vorlegen - mit entsprechendem Interesse von der Investorenseite.

Renditen 10-jähriger US-Treasuries hätten am Dienstag ihre Erholungsrally (wenn auch verlangsamt) weiter fortsetzen können. Nach der turbulenten letzten Woche hätten sicherlich die Äußerungen des amerikanischen Finanzministers Scott Bessent geholfen. Bessent habe in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg Spekulationen über einen Abverkauf von Treasury-Beständen anderer Staaten zurückgewiesen. Das US-Ministerium habe laut Bessent Instrumente, um (falls notwendig) gegen mögliche Verwerfungen am Bondmarkt vorzugehen. (16.04.2025/alc/a/a)