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EZB: Alle Optionen offen - Entscheidung vertagt


27.04.18 10:00
Deutsche Bank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Kaum einen Marktteilnehmer dürfte es großartig überrascht haben, dass die EZB ihren Leitzins auf dem Rekordtief von 0 Prozent und den Einlagenzins bei -0,4 Prozent belassen würde, so die Analysten der Deutschen Bank.

Auch habe es keine Änderung der geldpolitischen Linie gegeben und selbst das formale Statement der Zentralbank habe Wort für Wort dem Communiqué vom März entsprochen. Anders ausgedrückt: Das Anleihekaufprogramm laufe wie geplant auf einem Niveau von 30 Milliarden Euro pro Monat zunächst bis September 2018 weiter. Tatsächlich habe EZB-Präsident Mario Draghi in der Pressekonferenz bemerkt, dass nach einigen Quartalen überdurchschnittlichen Wachstums eine gewisse Normalisierung - auch aufgrund von Wettereinflüssen, Streiks und [dem frühen] Osterfest - erwartet worden sei. Teilweise seien die Rückgänge bei einzelnen Wirtschaftsindikatoren aber dennoch in ihrer Größenordnung überraschend gewesen. Trotzdem bleibe es dabei, dass der Aufschwung langfristig breit und ausbalanciert, das Lohnwachstum positiv sei, so Draghi.

Und was die Risiken angehe, habe der EZB-Chef unter anderem auch auf die globalen Probleme verwiesen, möglicherweise bedingt durch einen sich ausweitenden Handelskonflikt zwischen den USA und China. Was die Inflationsentwicklung angehe, habe sich Draghi zuversichtlich gezeigt, in den kommenden Jahren das gesetzte Ziel zu erreichen. Der für einige Beobachter vielleicht erstaunlichste Satz in der Pressekonferenz möge die Bemerkung Draghis gewesen sein, der Rat habe die Geldpolitik (in Hinblick auf die Juni-Sitzung) nicht diskutiert. Am Ende der Pressekonferenz sei jedenfalls der Eindruck geblieben, dass sich die EZB alle Optionen offenlasse. Und dass die während der vergangenen Wochen immer wieder einmal aufgeflammte Erwartung unter Investoren, die EZB würde im Verlauf dieses Jahres die Anleihekäufe möglicherweise schneller als gedacht beenden, sich offenbar nicht erfüllen werde.

Obgleich der Wechselkurs des Euro nicht Gegenstand der EZB-Ratssitzung gewesen sei, sei die Reaktion der Gemeinschaftswährung beachtlich gewesen. Vor allem das letzte Aufbäumen des Euro von rund 55 Stellen während der Pressekonferenz, bevor jener die Untergrenze seiner wochenlang gültigen Konsolidierungszone bei 1,2150/55 endgültig durchbrochen habe. Am Ende des Tages habe die Gemeinschaftswährung nicht weit vor ihrer letzten Bastion bei 1,2070 gestanden, nach deren Unterlaufen sich ein kurzfristiger Abwärtstrend mit Untergrenzen zunächst bei 1,2030 und 1,1935 ankündigen würde. (27.04.2018/alc/a/a)