Erweiterte Funktionen

EZB: Aktueller geldpolitischer Rahmen bleibt unverändert


23.01.20 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die erste zinspolitische Sitzung des EZB-Rats in diesem Jahr dürfte ganz im Zeichen der von der neuen Präsidentin Christine Lagarde angekündigten Überprüfung der EZB-Strategie ("strategic review") stehen, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dabei werde sich der geplante Austausch mit führenden Ökonomen, Mitgliedern von Parlamenten sowie Vertretern der Zivilgesellschaft zur künftigen Umsetzung des in den EU-Verträgen festgehaltenen Mandats zur Sicherung der Preisstabilität in der Eurozone vermutlich primär mit der Definition des Inflationsziels beschäftigen. Eine Abwendung vom bisherigen Ziel ("unter, aber nahe 2%") hin zu einem flexibleren Ansatz (z. B. definiert als Bandbreite um ein zentrales Teuerungsziel) könnte am Ende einen möglichen Kompromiss in dieser Frage darstellen. Daneben würden aber wohl auch der geldpolitische Instrumentenkasten der EZB ("forward guidance", Anleihekäufe, Zinssätze) sowie die Transparenz der Ratsentscheidungen einer Prüfung unterzogen.

Der beschriebene Prozess solle gemäß der EZB-Chefin bis Ende 2020 abgeschlossen sein. Was die aktuellen geldpolitischen Rahmenbedingungen angehe, sei in den kommenden Monaten mit Blick auf den jüngsten Anstieg der Inflationsrate im Dezember (von 1,0% auf 1,3% gg. Vj.) und die Stabilisierungstendenzen bei den Sentimentindikatoren weder bei den Leitzinssätzen noch bei den Anleihekäufen mit Änderungen zu rechnen.

An den Anleihemärkten dürften sich keine großen Bewegungen einstellen, da die "forward guidance" der EZB unverändert bleiben dürfte. Jedoch zeige die Erfahrung, dass bereits kleine Veränderungen bei der generellen Risikobewertung für die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone durch die Notenbank zu stärkeren Kursausschlägen führen würden. (23.01.2020/alc/a/a)