EWU-Inflationsrate dürfte 2018 auf 1,7% anziehen


11.12.17 09:45
Postbank Research

Bonn (www.anleihencheck.de) - Der seit dem Jahr 2014 anhaltende Konjunkturaufschwung in der Eurozone hat sich im laufenden Jahr mit einem Anstieg des BIP-Wachstums von 1,8% auf voraussichtlich 2,3% deutlich beschleunigt, so die Analysten von Postbank Research.

Nicht zuletzt dank eines stetigen Rückgangs der Arbeitslosenquote von 9,6% auf 8,8% im bisherigen Jahresverlauf sollte der private Verbrauch mit einem Plus von 1,9% gegenüber dem Vorjahr erneut wichtigster Wachstumstreiber gewesen sein. Unterstützung sei auch seitens der Investitionen gekommen, die sich mittlerweile trotz Brexit-Sorgen und politischer Unsicherheit in Europa mit einem Plus von voraussichtlich 4,0% zum konjunkturellen Zugpferd entwickelt hätten. Die höhere Dynamik in diesem Jahr gehe aber insbesondere auf den Außenhandel zurück, der angesichts deutlich gestiegener Ausfuhren 0,2 Prozentpunkte zum BIP-Wachstum beigetragen haben sollte - nachdem er im Vorjahr noch rund das Doppelte hiervon subtrahiert habe. Trotz eines moderateren Zuwachses beim Staatskonsum (+1,1%) deute kurz vor dem Jahreswechsel alles darauf hin, dass das EWU-BIP-Wachstum 2017 auf einer äußerst breiten Basis gestanden habe.

Grundlegende Risiken für die EWU-Konjunktur - beispielsweise ein unkontrollierter Brexit oder die Verschuldungsproblematik im Euroraum - hätten zwar auch 2018 weiter Bestand, dürften aber nach Erachten der Analysten die Dynamik nicht wesentlich belasten. Als Absicherung sei hier insbesondere die inzwischen sehr breite Basis des Aufschwungs im Euroraum zu sehen. Sie würden mit einem schwungvollen Jahresstart rechnen, bevor die Dynamik in der zweiten Jahreshälfte etwas nachlassen dürfte, ohne jedoch ernsthafte Sorgen zu bereiten. Im Gesamtjahr 2018 sollten Investitionen und privater Verbrauch - auch dank des anhaltend niedrigen Zinsniveaus - ihr Wachstumstempo annähernd halten können.

Gleiches gelte für den Staatskonsum. Hingegen würden die Analysten - auch aufgrund der zwischenzeitlich erfolgten Euro-Aufwertung - mit einem etwas schwächeren, gleichwohl immer noch soliden Anstieg der Ausfuhren rechnen. Da aber zugleich die Importdynamik ebenfalls etwas nachlassen sollte, sei im kommenden Jahr immer noch mit einem leicht positiven Außenbeitrag in Höhe von 0,1 Prozentpunkten zu rechnen. In der Summe würden sie für 2018 einen abermals kräftigen Zuwachs des BIPs im Euroraum um 2,2% gegenüber dem Vorjahr erwarten.

Die EWU-Inflationsrate sei dank ölpreisbedingter Basiseffekte in diesem Jahr massiv von 0,2% auf 1,5% gestiegen. Der anhaltende Konjunkturaufschwung sowie Anzeichen einer anziehenden Lohndynamik sollten sich im kommenden Jahr sukzessive in einer höheren Kerninflationsrate widerspiegeln. Vor diesem Hintergrund dürfte die Inflationsrate 2018 auf 1,7% anziehen. (Perspektiven 2018) (11.12.2017/alc/a/a)