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EU-Referendum: Folgen in der kurzen und langen Perspektive


27.06.16 11:24
BNY Mellon IM

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Die Entscheidung Großbritanniens, aus der Europäischen Union (EU) auszutreten, trifft unmittelbar die Finanzmärkte, so die Experten von BNY Mellon Investment Management.

Paul Lambert, Head of Currency, Insight Investment:

"Dieses historische Ergebnis wird sich mit hoher Wahrscheinlichkeit dauerhaft auf das Britische Pfund auswirken. Aus heutiger Sicht erwarten wir, dass das Pfund unter dieser Entscheidung leiden dürfte, denn die Beziehungen zu den wichtigsten Handelspartnern Großbritanniens dürften sich erschweren. Darüber hinaus wird es langfristig durch das veränderte Konsumverhalten negativ beeinflusst und zwar so lange, bis mehr Klarheit über die Folgen des Austritts herrscht."

Howard Cunningham, Fixed Income Portfolio Manager, Newton Investment Management:

"Die Entscheidung der Briten aus der EU auszuscheiden, dürfte sich eher unterstützend auf Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit auswirken, da sich die Aktivität verlangsamen und die Aussicht auf eine Zinsanhebung noch weiter ins Ungewisse verschieben dürfte. Die Zinsstrukturkurve könnte außerdem steiler werden, da Anleger eine größere Entschädigung für die langfristige Unsicherheit verlangen könnten. Allerdings dürften die Renditen insgesamt nicht zwingend höher ausfallen. Schließlich muss man im Hinterkopf behalten, dass die breite Masse an Investoren den Austritt vorerst negativ beurteilen wird und die in Pfund bewerteten Anteile eher abstoßen wird. Staatsanleihen dürften allerdings nicht an vorderster Front der Verkaufsliste stehen. Britischen Unternehmensanleihen hingegen stehen größere Unsicherheiten bevor, sodass letztendlich die Risikoprämien und Kreditaufschläge steigen dürften, insbesondere für Emittenten, die in Großbritannien beheimatet sind."

"Die Renditen für auf Euro lautende Anleihen sind bereits niedrig. Im Vergleich dazu könnten die Renditen für Unternehmensanleihen in Pfund attraktiver erscheinen. Dies müsste insbesondere dann gelten, sofern die Europäische Zentralbank Eingriffe vermeidet, die sich negativ auf die Liquidität der Unternehmensanleihen in Euro auswirken."

Paul Hatfield, Chief Investment Officer, Alcentra:

"Wir sind überzeugt, dass der kurzfristige Einfluss auf Großbritanniens Wirtschaft negativ sein wird. Die Unsicherheit dürfte Investmententscheidungen und Ausgaben hinauszögern. Langfristig ist es möglich, dass Großbritannien mit der EU wieder ein gutes Ergebnis aushandeln wird. Sie haben allerdings bislang nicht verlauten lassen, wie und auf welcher Basis. Die anderen EU-Länder könnten derweil den Briten nach dem Brexit-Entscheid das Leben erschweren - teilweise aus Kränkung, teilweise um andere Länder davon abzuhalten, das Gleiche zu tun."

Mark Bogar, European Smaller Companies Manager, The Boston Company Asset Management:

"Das Folgerisiko für weitere Staaten ist nun ein wichtiger Faktor und wir müssen über potenzielle Auswirkungen nachdenken: zum Beispiel, dass andere Länder auch über ihre EU-Mitgliedschaft abstimmen. Wenn dies zu einer Auseinanderentwicklung der EU führt, dürfte die wirtschaftliche Aktivität kurzfristig erheblich darunter leiden. Langfristig dürften es die Länder meistern und wieder miteinander handeln. Allerdings könnte es bis zu drei Jahren dauern. In der Zwischenzeit dürften die Konjunktur und das Wirtschaftswachstum in den europäischen Ländern die Auswirkung spüren. Meiner Meinung nach dürfte die Eurozone in dieser Zeit wieder eine Rezession erleben." (Ausgabe vom 24.06.2016) (27.06.2016/alc/a/a)