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ESG-Faktoren sind unverzichtbar für die Analyse von Unternehmensanleihen


18.03.24 10:38
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - ESG-Faktoren können einen großen Einfluss darauf haben, welche Cashflows ein Unternehmen erwirtschaftet, welchen Zugang zu den Kapitalmärkten es hat, was seine Fremdfinanzierung kostet und somit wie es um seine Kreditqualität als Emittent einer Anleihe bestellt ist bzw. mit welcher Wahrscheinlichkeit das Unternehmen seinen Schuldverpflichtungen nicht nachkommen kann, so Larissa Joubert und Sara Farias de Carvalho Martins, Buy-Side Fixed-Income ESG-Analystinnen bei DPAM (Degroof Petercam Asset Management).

Wer die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens bewerten wolle, sollte daher ESG-Faktoren bei seiner Kreditanalyse berücksichtigen.

Dass sich extreme Wetterereignisse häufen würden, unterstreiche die Bedeutung eines angemessenen Klimarisikomanagements. Klimarisiken könnten zu hohen finanziellen und wirtschaftlichen Verlusten führen. Sie könnten Folgewirkungen auf Versicherungsprämien auslösen, die Cashflow-Generierung beeinträchtigen und damit die Fähigkeit der Emittenten zur Rückzahlung von Schulden beeinflussen würden. Drohende negative Auswirkungen des Klimawandels angemessen abzumildern und sich an sie anzupassen, bleibe daher ein Schlüsselfaktor für langfristigen Erfolg.

Ausdruck finde die Bedeutung der ESG-Faktoren in zunehmender Regulierung: Sie schaffe ein Bewusstsein für Fragen wie Biodiversität und Umweltschutz, Dekarbonisierung und Treibhausgasemissionen, Wasser- und Lieferkettenmanagement, Menschenrechte und Unternehmensführung. Die weltweite Verpflichtung zu einer Net-Zero-Wirtschaft bis Mitte des Jahrhunderts zwinge Emittenten in CO2-intensiven Sektoren, ihre Investitionen in grüne Technologien zu erhöhen, um die Temperaturziele des Pariser Abkommens zu erreichen.

Im vergangenen Jahr sei das ESG-Umfeld aus regulatorischen Anforderungen, Berichtsstandards und Rating-Methoden deutlich komplexer geworden. Zudem würden immer mehr Anbieter von Nachhaltigkeitsdaten auf den Markt drängen. Entscheidend sei es in diesem Umfeld, die ESG-Strategie eines Unternehmens vollständig in die fundamentale Kreditanalyse einzubeziehen, wenn man Unternehmensanleihen beurteile. Kredit- und ESG-Analysten müssten dabei kontinuierlich zusammenarbeiten.

Zur ESG-Bewertung von Emittenten sollte man die von den Unternehmen veröffentlichten oder zur Verfügung gestellten Informationen sowie die von externen Anbietern (z. B. Sustainalytics, MSCI, Glass Lewis, CDP, TruCost, Bloomberg usw.) veröffentlichten Untersuchungen, Daten oder Bewertungen/Ratings kritisch analysieren. Über die vergangene Leistung der Unternehmen hinaus gehe es dabei um zukünftige Bestrebungen, die in den ESG-Strategien zum Ausdruck kämen. Auf diese Weise entstehe ein objektives Urteil über das ESG-Risikoprofil, das sich auch auf die geschäftliche und finanzielle Analyse auswirken könne. (18.03.2024/alc/a/a)