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EM-Anleihen im Mai überwiegend schwächer


12.06.13 16:56
Raiffeisen Capital Management

Wien (www.anleihencheck.de) - Für die Emerging Markets (EM) war der Mai abermals von Kursverlusten geprägt - der MSCI EM Aktienindex gab um rund 3% nach, so die Experten von Raiffeisen Capital Management (RCM) in ihrem aktuellen "emreport".

Wieder aufkeimende Sorgen hinsichtlich des chinesischen Wirtschaftswachstums hätten die Kurse ebenso wie Spekulationen über ein vorzeitiges Ende bzw. eine Reduzierung der Anleihekäufe der US-Notenbank belastet. Selbst in Ländern wie Thailand oder den Philippinen, in denen die Aktienkurse bisher nahezu unbeeindruckt auf immer neue Rekordstände geklettert seien, hätten Kursrückgänge eingesetzt; internationale Investoren hätten Kapital aus diesen Märkten abgezogen. Rohstoffe und Rohstoffexporteure seien wie schon in den Vormonaten teilweise stark unter Druck geblieben. Gegen den Trend hätten einige osteuropäische Aktienmärkte jedoch zulegen können (vor allem Polen und Ungarn) und auch chinesische Festlandsaktien hätten den Mai mit einem deutlichen Kursplus beendet.

Global gesehen hätten sich die EM-Aktienmärkte im Mai abermals schwächer als die entwickelten Märkte entwickelt. Dieser anhaltende Trend deute neben den fallenden Rohstoffpreisen, den Konjunktur-Vorlaufindikatoren in vielen Staaten sowie der Entwicklung des Welthandels zunehmend auf einen neuerlich drohenden deflationären Schub für die Weltwirtschaft hin. Dazu könnte auch die extreme geldpolitische Weichenstellung der japanischen Notenbank (BoJ) vom April beitragen. Denn mit den von der BoJ angekündigten Maßnahmen könnte Japan seine seit langem bestehende Deflation in den kommenden Quartalen in die ganze Welt exportieren - zweifellos ein "Exportgut", an dem niemand Gefallen finden würde.

Die Äußerungen aus der US-Notenbank dürften denn auch in erster Linie Stimmungstests gewesen sein, um zu sondieren, wie die Finanzmärkte auf einen solchen Politikwechsel reagieren könnten. Die Marktreaktion dürfte für die Notenbanker wenig ermutigend ausgefallen sein, signalisiere sie doch, dass Aktien- und Rentenmärkte in den USA (und zunehmend weltweit) inzwischen geradezu abhängig zu sein scheinen von immer neuen Liquiditätsspritzen. Da die US-Notenbank steigende oder zumindest stabile Aktienkurse mehr oder minder explizit als eines der Ziele ihrer Politik sehe, scheine eine weitere Ausweitung der bereits beispiellos lockeren Geldpolitik gegenwärtig fast genauso wahrscheinlich zu sein wie ein allmähliches Zurückführen der Anleihekäufe. Ein Ende der extrem lockeren Geldpolitik dürfte in jedem Fall wohl noch in weiter Ferne liegen.

Für die Emerging Markets könnte sich die unterdurchschnittliche relative Wertentwicklung gegenüber den entwickelten Märkten damit zunächst auch weiter fortsetzen. Vor allem bei einer kräftigen und nachhaltigen Erholung der Weltwirtschaft dürfte sich dieser Trend jedoch ziemlich schnell umkehren - und die Schwellenländer könnten dann wieder deutlich stärker abschneiden. Noch gebe es allerdings keine handfesten Anzeichen für einen solchen Wirtschaftsaufschwung, auch wenn viele Analysten für die USA, China und Europa konjunkturelle Belebungen für das zweite Halbjahr 2013 bzw. das erste Halbjahr 2014 prognostizieren würden.

Bei Emerging Markets-Anleihen würden sich die Warnzeichen mehren und zumindest für die kommenden Monate dürften die Risiken nach unten höher sein als die Chancen nach oben - vor allem bei Anleihen in Lokalwährungen. Hier könnten bei einigen EM-Währungen deutlichere Korrekturen gegenüber USD und Euro anstehen. (Ausgabe Juni 2013) (12.06.2013/alc/a/a)