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Durchaus Möglichkeiten im Anleihesegment 2020 - Aber Garantie gibt es nicht


22.01.20 10:30
Wolfgang Steubing AG

Frankfurt am Main (www.anleihencheck.de) - Üblicherweise gibt es an den Finanzmärkten keine Garantie, so das Asset Management Team der Steubing AG.

So sei es auch 2019 gewesen, als die angekündigten Zinserhöhungen, die natürlich schon überall eingepreist worden seien, dann doch nicht gekommen seien. Die Zinssenkungen der USA hätten auf den internationalen (und damit letztendlich auch auf den deutschen) Anleihemarkt drastischere Auswirkungen als die Zinsentscheidungen der EZB. Was bleibe den Investoren, die Anleihen als Anlageklasse in ihrem Portfolio haben müssten, für Möglichkeiten Rendite zu erwirtschaften?

Einerseits würden sie vermehrt Staatsanleihen von stark wachsenden außereuropäischen Volkswirtschaften kaufen. Zinssenkungen der USA kämen den Emerging Markets zugute. Würden die Zinsen in Amerika steigen, würden Anleger ihr Kapital aus den Schwellenländern in die USA umschichten. Umgekehrt gelte dies genauso.

Die Analysten der Wolfgang Steubing AG stellen sich die Frage, ob also der Bondmarkt gar nicht darnieder liege und ob wir alle nur internationaler denken und azyklisch zur US-Zinskurve in Schwellenländer investieren sollten? Leider sei dem natürlich nicht so. Im vergangenen Jahr seien mehrere lateinamerikanische Länder, wie z.B. Argentinien unter die Räder gekommen. Aufgrund der politischen Umbrüche hätten viele Investoren ihr Geld doch in sichere Häfen umgeleitet. Die Staatsanleihen seien mittlerweile so gut wie illiquide. Anleger, die nicht schnell genug reagiert hätten, würden heute im Sumpf dieser Papiere festsitzen und drohen unterzugehen.

Andererseits kennen wir ja alle die japanische Plattitüde: Die Übersetzung des Wortes Krise heißt im Japanischen Chance, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. 2014 hätten risikoaffine Anleger eine Umschuldung der Ukraine mittragen müssen und seien von hohen Verlusten ausgegangen. Im Jahr 2019 hätten sich die übriggebliebenen Bondbesitzer über zweistellige Kursgewinne freuen können. Zusammengefasst: Mutige und Aufmerksame könnten sich durchaus auch im internationalen Anleihemarkt gewinnbringend positionieren.

Anderseits gebe es auch noch den Bereich der Hochzinsanleihen - hier in Deutschland, die als Begriff in Verruf geratenen Mittelstandsanleihen. Machen wir kein Marketingsprech und reden hier von KMU-Anleihen als Hochzinsanleihen, so die Analysten der Wolfgang Steubing AG. Auch hier erlebe man durchaus in den letzten beiden Jahren eine Renaissance. Es habe nur noch marginale Ausfälle von Anleihen gegeben, deren Röcheln und Rasseln in den Hinterzimmern der Börsen schon seit Jahren eher an den Sensenmann als an das blühende Leben erinnert hätten (wer habe eigentlich noch an Golfino geglaubt?).

Aber Vorsicht: Unternehmensanleihen mit Investmentgrade würden sich kaum lohnen. Dementsprechend würden aktive Anleger vermehrt auf Papiere mit einem BB-Rating zurückgreifen. Noch würden Papiere mit CCC-Rating gemieden. Hier müsse die "Gier" nach Rendite normaler Anleger auch weiterhin aufhören. Wer von seinem mühsam Ersparten in Anleihen investiere, sollte die Prospekte lesen - zumindest die Kapitel, die Jedem direkt ins Auge fallen würden, wie z.B. die Abschnitte, die auf die zukünftigen Unternehmensrisiken hinweisen würden. Dann würden CCC-geratete Anleihen hoffentlich auch weiterhin keine Rolle spielen. Es gebe durchaus Möglichkeiten im Anleihesegment 2020 - aber wie immer im Leben: Eine Garantie gebe es nicht. (22.01.2020/alc/a/a)