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Droht eine Stagflation?
23.03.22 10:52
StarCapital
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Das Jahr 2022 hat an den Börsen mit heftigen Turbulenzen begonnen, so Dr. Manfred Schlumberger, Leiter Portfoliomanagement bei StarCapital.
Erst habe die US-Notenbank in einem Anflug von Konvertiteneifer die Märkte mit der Ankündigung einer Serie von Zinserhöhungen und Anleiheverkäufen wegen der grob unterschätzten Inflationsgefahr geschockt. Dann habe Putin am 24. Februar seine Armee in die Ukraine einmarschieren lassen. Der Westen habe mit harten Wirtschaftssanktionen reagiert. Energie- und Rohstoffpreise seien von teilweise schon stark erhöhten Niveaus aus explodiert. Jetzt habe auch der Dümmste erkennen müssen, dass die Inflation gekommen sei, um hartnäckig zu bleiben.
Vor dem Einmarsch in die Ukraine habe man erwarten können, dass im Sommerhalbjahr mit der Aufhebung der Corona-Beschränkungen ein "kleiner Wirtschaftsboom" beginnen würde. Der dürfte jetzt viel bescheidener ausfallen. Komme stattdessen eine Rezession oder zumindest eine Stagnation, begleitet von hohen Inflationsraten auf die Industrieländer des Westens zu? Und wie gehe es an den Aktienmärkten weiter, die sich zumindest von ihren Tiefständen schon wieder kräftig erholt hätten?
Zu Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine hätten Militärexperten geglaubt, dass die Ukraine nach maximal drei Wochen besiegt sei: Welch ein Irrtum! Jetzt versuche Putin, die Hauptstadt Kiew zu umzingeln und auszuhungern und so viel Landgewinn wie möglich an der Schwarzmeerküste zu erzielen. Erst wenn er glaube, sich gesichtswahrend als Sieger darstellen zu können, dürfte er zu Friedensverhandlungen bereit sein - natürlich zu seinen Bedingungen! Einen Frieden, egal zu welchen Bedingungen, würden die Kapitalmärkte mit weiteren Kurssteigerungen "feiern".
Ziehe sich der Krieg aber noch viele Monate hin, werde der Druck auf Europa und insbesondere Deutschland massiv zunehmen, ein Verbot von russischen Öl- und Gaseinfuhren zu erlassen. Doch dann sei es mit einem "Frieren für den Frieden" im nächsten Winter nicht getan. Zwei Drittel des Gasverbrauchs würden in Deutschland auf die Industrie entfallen. Ein Ausfall könne noch auf längere Sicht nicht ausgeglichen werden und die Preise würden weiter drastisch steigen. In diesem Fall wäre eine Rezession in Deutschland unausweichlich.
Vor dem Hintergrund, dass Deutschland in diesem Jahr vermutlich mehr als eine Million Flüchtlinge aufnehmen müsse, käme dies einer Katastrophe gleich. Der Schaden für Putin dürfte sich in Grenzen halten. Dank der dann erheblich weiter steigenden Weltmarktpreise dürfte es ihm gelingen, zumindest einen Großteil seines Öls und Gas zu Discountpreisen an Länder wie China und Indien loszuschlagen, ohne große finanzielle Einbußen erleiden zu müssen.
Komme es nicht zu diesem Extremszenario, werde das Wachstum der Weltwirtschaft und insbesondere in Europa dennoch 1 bis 1,5% niedriger ausfallen als noch Anfang des Jahres prognostiziert. Gleichzeitig komme die Inflation trotz der entlastenden Basiseffekte aus dem Vorjahr nicht zurück. Die Energie- und Rohstoffpreise würden auf hohem Niveau bleiben und der sich noch verstärkende Trend zur Deglobalisierung lasse die Inflationsraten vorläufig nicht nennenswert sinken. Ein Stagflationsszenario mit bescheidenem Wachstum und hoher Inflation werde somit immer wahrscheinlicher. (23.03.2022/alc/a/a)
Erst habe die US-Notenbank in einem Anflug von Konvertiteneifer die Märkte mit der Ankündigung einer Serie von Zinserhöhungen und Anleiheverkäufen wegen der grob unterschätzten Inflationsgefahr geschockt. Dann habe Putin am 24. Februar seine Armee in die Ukraine einmarschieren lassen. Der Westen habe mit harten Wirtschaftssanktionen reagiert. Energie- und Rohstoffpreise seien von teilweise schon stark erhöhten Niveaus aus explodiert. Jetzt habe auch der Dümmste erkennen müssen, dass die Inflation gekommen sei, um hartnäckig zu bleiben.
Vor dem Einmarsch in die Ukraine habe man erwarten können, dass im Sommerhalbjahr mit der Aufhebung der Corona-Beschränkungen ein "kleiner Wirtschaftsboom" beginnen würde. Der dürfte jetzt viel bescheidener ausfallen. Komme stattdessen eine Rezession oder zumindest eine Stagnation, begleitet von hohen Inflationsraten auf die Industrieländer des Westens zu? Und wie gehe es an den Aktienmärkten weiter, die sich zumindest von ihren Tiefständen schon wieder kräftig erholt hätten?
Ziehe sich der Krieg aber noch viele Monate hin, werde der Druck auf Europa und insbesondere Deutschland massiv zunehmen, ein Verbot von russischen Öl- und Gaseinfuhren zu erlassen. Doch dann sei es mit einem "Frieren für den Frieden" im nächsten Winter nicht getan. Zwei Drittel des Gasverbrauchs würden in Deutschland auf die Industrie entfallen. Ein Ausfall könne noch auf längere Sicht nicht ausgeglichen werden und die Preise würden weiter drastisch steigen. In diesem Fall wäre eine Rezession in Deutschland unausweichlich.
Vor dem Hintergrund, dass Deutschland in diesem Jahr vermutlich mehr als eine Million Flüchtlinge aufnehmen müsse, käme dies einer Katastrophe gleich. Der Schaden für Putin dürfte sich in Grenzen halten. Dank der dann erheblich weiter steigenden Weltmarktpreise dürfte es ihm gelingen, zumindest einen Großteil seines Öls und Gas zu Discountpreisen an Länder wie China und Indien loszuschlagen, ohne große finanzielle Einbußen erleiden zu müssen.
Komme es nicht zu diesem Extremszenario, werde das Wachstum der Weltwirtschaft und insbesondere in Europa dennoch 1 bis 1,5% niedriger ausfallen als noch Anfang des Jahres prognostiziert. Gleichzeitig komme die Inflation trotz der entlastenden Basiseffekte aus dem Vorjahr nicht zurück. Die Energie- und Rohstoffpreise würden auf hohem Niveau bleiben und der sich noch verstärkende Trend zur Deglobalisierung lasse die Inflationsraten vorläufig nicht nennenswert sinken. Ein Stagflationsszenario mit bescheidenem Wachstum und hoher Inflation werde somit immer wahrscheinlicher. (23.03.2022/alc/a/a)


