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Droht der FED und der EZB dasselbe Schicksal wie der Bank of Japan?


02.04.19 08:30
La Financière de l´Echiquier

Paris (www.anleihencheck.de) - Der Schwenk der wichtigsten Zentralbanken auf einen moderateren Kurs ist zweifelsohne das große Thema dieses ersten Quartals, so Olivier de Berranger, Chief Investment Officer und Enguerrand Artaz, Fondsmanager von La Financière de L'Echiquier.

Hierzu scheine bisher jede Woche ihre eigenen Geschichten beizutragen.

Während die Debatte, ob eine ausgeprägte Umkehrung der US-Zinskurve ein zuverlässiger Hinweis auf eine kommende Rezession sei, in vollem Gange sei, habe die ehemalige FED-Vorsitzende Janet Yellen ihr Urteil bereits gefällt. Ihr zufolge sei die Umkehrung der Kurve kein Anzeichen für eine Rezession, sondern bilde eher das Erfordernis einer baldigen Senkung der Zinssätze durch die Zentralbank ab. Natürlich stelle diese Analyse nur eine Meinung dar, denn Janet Yellen sei nicht mehr an den Debatten der US-Notenbank FED beteiligt. Umso mehr handle es sich um eine Meinungsäußerung, da die jüngsten Prognosen der FED zeigen würden, dass zwar eine große Mehrheit ihrer Mitglieder für dieses Jahr die Beibehaltung des Status quo erwarte, jedoch kein Mitglied mit einer Zinssenkung rechne.

Dies könnte sich mit der Aufnahme eines neuen Mitglieds in den Offenmarktausschuss FOMC allerdings ändern. Donald Trump habe die Ernennung von Stephen Moore vorgeschlagen, einem seiner Berater während des Präsidentschaftswahlkampfs, der eine mehr als taubenhafte (akkommodierende) Haltung vertrete. Er gelte als ein erbitterter Gegner der Zinsanhebungen von 2018 und habe überdies erklärt, dass die FED ihre Zinssätze nun um 0,5 Prozentpunkte senken müsse. Während es noch vor einigen Monaten nur um die Anzahl der Zinsanhebungen durch die FED im Jahr 2019 gegangen sei, scheine sich heute die Frage zu stellen, ob sie ihre Zinssätze nicht sogar wieder senken werde.

Europa stehe dem in nichts nach. Auf einer Konferenz in Frankfurt habe EZB-Präsident Mario Draghi erklärt, dass die Europäische Zentralbank bereit sei, eine erste Zinsanhebung notfalls erneut zu verschieben. Dies sei nicht ganz neu, denn die EZB nehme immer mehr die Haltung der FED an, d.h. sie handle mit Blick auf die Konjunkturdaten. Interessanter sei die Aussage des Zentralbankchefs gewesen, dass die EZB das Erfordernis prüfen könnte, insbesondere für den Bankensektor Ausgleichsmaßnahmen für die unheilvollen Auswirkungen der Negativzinsen umzusetzen. Einem Bericht von Reuters zufolge prüfe die EZB verschiedene Optionen, insbesondere die Möglichkeit, den Banken einen Teil der sieben Milliarden Euro Zinsen, die sie an das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) zahlen würden, zurückzugeben. Dies liefe darauf hinaus, die Banken teilweise von der Zahlung eines Zinssatzes von 0,4 Prozent pro Jahr an die EZB auf einen Teil ihrer überschüssigen Liquidität zu befreien. Eine Maßnahme, die auf die Stützung der Rentabilität des Sektors abzielen würde, damit die Banken vermehrt Kredite vergeben und so die Konjunktur stützen würden.

Die Bank of Japan (BoJ) habe im Laufe der Woche ebenfalls einen sehr moderaten Ton angeschlagen. Auf ihrer Sitzung vom 20. März habe sich die Zentralbank besorgt gezeigt, die Verlangsamung in China und die Mehrwertsteuererhöhung könnten sich auf die Wirtschaft des Inselstaates und den Konsum auswirken. Sie habe daher geäußert, neue geldpolitische Lockerungsmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Die BoJ sei seit 2001 Vorreiter der unkonventionellen Geldpolitik und auch fast 20 Jahre später weiterhin in einer ultralockeren Geldpolitik verhaftet. Sei dieses Szenario ein Hinweis auf die Zukunft der EZB und der FED? Eine schwierige Frage, die jedoch nicht mehr ignoriert werden dürfe. (02.04.2019/alc/a/a)