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Dividendenzahler übertrumpfen erstklassige Anleihen
13.09.16 12:15
WisdomTree Europe
London (www.anleihencheck.de) - Wer auf der Suche nach Erträgen ist, weiß, dass Schwellenmärkte (Emerging Markets, EM) wieder eine gute Quelle sind, so die Experten von WisdomTree Europe.
Die sich verbessernden Unternehmensbilanzen, zur Stabilität neigende Rohstoff- und Devisenmärkte und schwindende Sorgen über China - dies seien Faktoren für einen attraktiven Ausblick für die Emerging Markets. Darüber hinaus würden die Aufkaufprogramme der Zentralbanken für erstklassige Anleihen aus Sicht der Experten den Anlegern die Renditen wegschnappen - es sei denn, Anleger würden erheblich mehr Laufzeit- und Ausfallrisiko hinnehmen. Daher sollten Erträge aus Aktien statt Anleihen die bevorzugte Strategie für Schwellenmärkte sein.
Eine einfache, jedoch wirksame Aktien-Strategie sei es, auf einen breit angelegten und umfassenden Korb von Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen zu setzen. Das bringe die Aussicht auf höhere Renditen bei einer niedrigeren Verschuldung als bei erstklassigen Anleihen.
Favorisiert werde beispielsweise der WisdomTree EM Equity Income UCITS ETF (DEM). Dies seien die Gründe: Potenzielle Dividendenrenditen (nächste zwölf Monate) würden mit einem Aufschlag auf die Rückzahlungsrenditen erstklassiger EM-Unternehmensanleihen insgesamt rentieren; der Verschuldungsgrad (Nettoschulden zu EBITDA) von Unternehmen (exklusive Finanzinstitute) sei niedriger als bei erstklassigen EM-Unternehmensanleihen insgesamt.
Zwei Faktoren würden den Renditeaufschlag und den Abschlag bei Anleihen erklären: Bei einer geringen Überschneidung der Konzernmütter, die Aktien und Anleihen begeben würden, würden die Experten schätzen, dass die im WisdomTree UCITS ETF (DEM) vertretenen Titel weniger als ein Drittel des Universums der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen darstellen würden. Staatsnahe Emittenten seien in den Schwellenmärkten überrepräsentiert, sie würden jedoch normalerweise keine Dividenden zahlen. Die Auswahl der Experten schließe alle ein, um die breiteste Basis neuer und alter Dividendenzahler zu erhalten. Die 30% der Aktien mit der höchsten Rendite würden Large-Cap-Energieunternehmen, Bergbauunternehmen und Banken bis hin zu Small-Cap-Konsumgüter- und Technologie-Unternehmen umfassen.
Wenn die extrem lockere Geldpolitik anhalte, wie die FED-Chefin Janet Yellen Ende August auf dem Gipfeltreffen in Jackson Hole bestätigt habe, dürfte sich der Renditerückgang bei erstklassigen Unternehmens- und Staatsanleihen in den Industrieländern (DM) ungebremst fortsetzen.
In diesem Rahmen hätten Zentralbanken wie die EZB, die Bank of Japan (BoJ) und jetzt auch die Bank of England (BoE) begonnen, den Anleihenmarkt für langlaufende Festverzinsliche unter Druck zu setzen. Sie würden besonders institutionelle Investoren belasten, die in Unternehmensanleihen investiert seien, die noch nicht bei den Null- bis Unter-Null-Renditen angekommen seien.
Um den Schaden für leistungsorientierte Pensionspläne und Lebensversicherungen zu begrenzen (die unter verstärkt sinkenden Einnahmen leiden würden), würden institutionelle Investoren gezwungen, mehr Risiken zu übernehmen. Etwa durch den Kauf von Industrieländer-Anleihen, die sich an der Grenze der Anlagewürdigkeit oder im Ramschbereich befänden oder durch den Kauf von risikoreicheren Staats- und Unternehmensanleihen aus den Schwellenmärkten. Nur so würden sie Renditen über Null erzielen, solange die QE-Programme der Zentralbanken andauern würden.
Die verzweifelte Jagd nach Rendite dehne sich auf risikoreichere EM-Schuldtitel aus. Dies zeige sich in der Stabilität der EM-Anleihen im letzten Jahr, selbst als die Rohstoffmärkte und EM-Devisen steil abgestürzt seien. EM-Aktien hätten infolge des Rückgangs der Energie- und Grundmetallpreise deutliche Verluste erlitten - 2015 bis heute habe der MSCI EM (USD) Index von der Spitze bis zum Tiefstand 34% eingebüßt. Der MSCI EM habe sich zwar in diesem Jahr deutlich erholt, liege aber seit 2015 immer noch 2,5% im Minus.
Ganz anders hätten sich erstklassige EM-Unternehmensanleihen entwickelt: Der Bloomberg EM USD Investment Grade Bond Index habe im selben Zeitraum 9% zugelegt. Die Fortsetzung des letztjährigen Ausverkaufs auf den Rohölmärkten bis Januar dieses Jahres habe die EM-Aktien erneut belastet, während sich die EM-Anleihen kaum bewegt hätten und die Renditen von auf USD lautenden Emissionen weiter abwärts tendieren würden.
Vor dem Hintergrund der künstlichen Unterstützung für erstklassige Anleihen hätten die erheblich abgewerteten Aktienkurse einen Renditeaufschlag geschaffen, wobei Aktien mit einer hohen Dividendenrendite die erstklassigen Anleihen übertrumpfen würden.
Der WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index, der die 30% EM-Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen umfasse, habe rund 5% Dividendenrendite erzielt (TTM). Das übertrumpfe die Rückzahlungsrendite des Bloomberg EM USD Investment Grade Corporate Bond Index um 2%. Diese Extra-Rendite seit 2010 sei ein deutlicher Unterschied zu der Zeit, als EM-Anleihen und -Aktien in ähnlicher Größenordnung auf Einbrüche der Rohstoffe während der Finanzkrise reagiert hätten. Sie sei eine Umkehr der Situation davor, als erstklassige Anleihen höher als Dividendenzahler rentiert hätten.
Bei EM-Anleihen würden nach wie vor zahlreiche Risiken bleiben, nicht zuletzt aufgrund der pessimistischen Einstellung von Ratingagenturen gegenüber chinesischen Emittenten von Unternehmensanleihen. Dort seien laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Schulden von Unternehmen (ohne Finanzinstitute) auf 163% des BIP gestiegen. Eine hohe Verschuldung habe im 2. Quartal 2016 für mehr Herabstufungen der Unternehmensanleihen durch Agenturen wie S&P, Moody's und Fitch geführt, das sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Anzahl der Ratingverbesserungen. Sie befänden sich auf dem Stand der Finanzkrise von 2008 bis 2009. Im 3. Quartal 2016 beginne sich dieser Trend umzukehren. Es gebe Anzeichen, dass Unternehmen begonnen hätten, ihre Bilanzen umzustrukturieren und die Schulden abzubauen.
Dies strapaziere zunächst die Aktien-Investoren. Einige sehr renommierte EM-Unternehmen hätten in diesem Jahr begonnen, ihre Aktionäre für die Rettung der Anleihegläubiger in die Pflicht zu nehmen. Durch die Ausgabe von Bezugsrechten sei der Aktienbesitz verwässert oder stark abgewertet worden, während ihr Beteiligungsbestand geschrumpft sei.
ArcelorMittal habe 2,7 Milliarden Anleihen in USD und EUR über eine Bezugsrechtemission von 3 Milliarden USD zurückgekauft und die Dividende gestrichen; Verkäufe von Konzernteilen und Kosteneinsparungen sollten den 16 Milliarden USD-Schuldenberg abbauen.
Vale SA, der brasilianische Eisenerzkonzern, habe dieses Jahr zweimal den Bondmarkt angezapft, um fällige Anleihen zu refinanzieren. Nachdem Vale SA für 2016 die Dividende gestrichen habe, würden die Brasilianer planen, 10 Milliarden USD aus dem Verkauf von Konzernteilen zu erlösen, um in den nächsten 18 Monaten die Schuldenlast von 27,5 Milliarden USD um rund ein Drittel zu verringern. Laut Konzernaussagen gebe es kein Geld für Expansion, nur für Schuldenabbau.
Allerdings seien Anleihen-Investoren nicht immun gegen Umstrukturierungen. Wenn die Schuldenlast die Aktieninvestoren zu sehr drücke, würden sich Wertberichtigungen auf Kupons und Hauptsumme sowie Umstrukturierungen negativ auf den Barwert der Anleihe auswirken.
China habe kürzlich die Stahl- und Kohleindustrie zum Schuldenumbau gezwungen. Die Branche leide unter Überkapazität und Ineffizienz. Die Banken seien gezwungen worden, die Ausstattung der Kredite zu verbessern. Als Alternative zu dem, was eigentlich eine Wertberichtigung sei, könnten Regierungen Banken verpflichten, Darlehen in risikoreichere Unternehmensanleihen oder schlimmstenfalls in Aktienkapital umzuwandeln.
Das werfe folgende Frage auf: Wenn Anzeichen dafür sprechen würden, dass größere Unternehmen in Schwellenmärkten umgebaut würden, könnten EM-Dividendenzahler eine bessere Alternative für EM-Unternehmensanleihen bieten?
Viele Aktien mit hoher Dividendenrendite würden derzeit potenzielle Dividenden bieten, die einen Aufschlag auf die Rückzahlungsrenditen von erstklassigen Unternehmensanleihen darstellen würden. Beim Vergleich des Verschuldungsgrads und der Dividendenrendite von Aktien im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index mit Emittenten von auf USD lautenden Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Schwellenmärkten würden eine niedrigere Verschuldung (d.h. niedrigere Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA) und höhere Renditen (die Dividendenrendite für die nächsten zwölf Monate übersteige die Rückzahlungsrenditen) auffallen.
Die starke Präsenz von staatsnahen Unternehmen wie PEMEX (Mexiko), ECOPETROL (Kolumbien), ENAP (Chile), Codelco (Chile), PTT (Thailand) und CNOOC (China) würden das Bild beim Vergleich von Rendite- und Kreditkennzahlen zwischen EM-Aktien und EM-Anleihen verzerren. Weil sie große Emissionen verschiedenster Arten von Schuldtiteln begeben würden, hätten Anleihen von staatsnahen Unternehmen ein hohes Gewicht im Universum der EM-Unternehmensanleihen. Gleichzeitig würden viele von ihnen keine Aktien ausgeben und keine Dividenden zahlen, wodurch sie bei den EM-Aktien deutlich unterrepräsentiert seien. Aufgrund ihres eigenen Researchs schätzen die Experten von WisdomTree Europe, dass das Universum erstklassiger Unternehmensanleihen weniger als ein Drittel der Basiswerte des WisdomTree Emerging Markets Equity Income UCITS ETF darstellt.
Um die Asymmetrie zwischen Fremdkapital und Rendite gegenüber staatsnahen Unternehmen zu reduzieren und rein dem Privatsektor angehörende Emittenten einen größeren Anteil in den Universen der EM-Aktien und ebenso der EM-Anleihen zu geben, würden einfache Durchschnittswerte (statt nach Gewichtung bereinigte Durchschnittswerte) nach Meinung der Experten ein ausgewogeneres, weniger verzerrtes Abbild der Verschuldung und damit des übernommenen Ausfallrisikos und der Renditeerwartungen der Investoren bieten.
Die niedrigere Verschuldung und/oder der höhere Renditeaufschlag seien generell in den Sektoren ohne den Finanzsektor im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index zu beobachten. Bemerkenswert sei, dass die Verschuldung in den rohstofforientierten Sektoren wie Werkstoffe und Energie im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index mit einer Verschuldung in Höhe des 2,5fachen bzw. 1,6fachen EBITDA erheblich niedriger sei, als die Verschuldung der Emittenten von erstklassigen Unternehmensanleihen. Dort liege sie beim 3,8fachen bzw. fünffachen EBITDA.
IT-Aktien würden durchschnittlich 6% Dividendenrendite bieten; viele von ihnen hätten so liquide Bilanzen, dass die Zahlungsmittelbestände die Schulden übersteigen würden. Anlagen in IT (12,6%), zyklische Konsumgüter (5,4%), nicht-zyklische Konsumgüter (1,3%), Gesundheitswesen (0,3%) und Telekommunikation (13,1%) seien die treibenden Faktoren der "New Economy" in den Schwellenmärkten. Rund ein Drittel des WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index sei in diesen Sektoren engagiert. Damit sei er nicht lediglich ein tiefer gehendes Value/Rendite-Angebot im Vergleich zu erstklassigen EM-Unternehmensanleihen, sondern auch eine langfristig orientierte Wachstumsstrategie. Daher überrasche es nicht, dass Taiwan (23%) und China (21%) zusammen 44% der Basiswerte ausmachen würden.
Der Renditeaufschlag vs. den Verschuldungsabschlag der WisdomTree-EM-Titel mit hoher Dividendenrendite sei zwangsläufige Folge der Screening- und Auswahlmethode. Sie schaffe ein Universum von Dividendenzahlern, in dem die Betonung sowohl auf hohen Renditen als auch in der vollständigen Einbeziehung liege: Dem Screening nach den Top-30% der Titel mit den höchsten Dividendenrenditen, die in den letzten zwölf Monaten oder länger Bardividenden ausgeschüttet hätten. Dadurch reduziere sich das Engagement in etablierten Multis, die in traditionellen Sektoren mit hohen Dividendenzahlungen vertreten seien, wie Banken, Energiekonzerne und Versorger. Dagegen würden Titel aus den reifer werdenden Technologien, dem Gesundheitswesen und Konsumgütersektor ebenso aufgenommen wie Mid- und Small-Cap-Aktien.
Das Screening der Experten nach Emittenten erstklassiger Unternehmensanleihen in Schwellenmärkten zeige, dass die Basiswerte der WisdomTree Emerging Markets Equity Income Strategie eine ausgezeichnete Liste von Dividendenzahlern enthalte: Weniger als ein Drittel des Gewichts entfalle auf Unternehmen, deren Schuldtitel im Universum der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen enthalten seien, sodass sich die Indexbestandteile zu ihrem größeren Teil (nämlich zu zwei Dritteln) von dem Universum der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen unterscheiden würden.
Der große Abschlag auf die Unternehmen mit hoher Dividendenrendite im Vergleich zu EM-Unternehmensanleihen lasse vermuten, dass viele Titel mit hoher Dividendenrendite derzeit ein besseres Renditeangebot vorweisen würden. Eine auf Dividenden ausgerichtete Strategie, in der Titel mit hoher Dividendenrendite und umfassender Einbeziehung in einem einzigen ETF versammelt seien, biete Anlegern einen zielgerichteten Ansatz, um maximale Wertsteigerung aus Schwellenmärkten zu erzielen. (13.09.2016/alc/a/a)
Die sich verbessernden Unternehmensbilanzen, zur Stabilität neigende Rohstoff- und Devisenmärkte und schwindende Sorgen über China - dies seien Faktoren für einen attraktiven Ausblick für die Emerging Markets. Darüber hinaus würden die Aufkaufprogramme der Zentralbanken für erstklassige Anleihen aus Sicht der Experten den Anlegern die Renditen wegschnappen - es sei denn, Anleger würden erheblich mehr Laufzeit- und Ausfallrisiko hinnehmen. Daher sollten Erträge aus Aktien statt Anleihen die bevorzugte Strategie für Schwellenmärkte sein.
Eine einfache, jedoch wirksame Aktien-Strategie sei es, auf einen breit angelegten und umfassenden Korb von Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen zu setzen. Das bringe die Aussicht auf höhere Renditen bei einer niedrigeren Verschuldung als bei erstklassigen Anleihen.
Favorisiert werde beispielsweise der WisdomTree EM Equity Income UCITS ETF (DEM). Dies seien die Gründe: Potenzielle Dividendenrenditen (nächste zwölf Monate) würden mit einem Aufschlag auf die Rückzahlungsrenditen erstklassiger EM-Unternehmensanleihen insgesamt rentieren; der Verschuldungsgrad (Nettoschulden zu EBITDA) von Unternehmen (exklusive Finanzinstitute) sei niedriger als bei erstklassigen EM-Unternehmensanleihen insgesamt.
Zwei Faktoren würden den Renditeaufschlag und den Abschlag bei Anleihen erklären: Bei einer geringen Überschneidung der Konzernmütter, die Aktien und Anleihen begeben würden, würden die Experten schätzen, dass die im WisdomTree UCITS ETF (DEM) vertretenen Titel weniger als ein Drittel des Universums der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen darstellen würden. Staatsnahe Emittenten seien in den Schwellenmärkten überrepräsentiert, sie würden jedoch normalerweise keine Dividenden zahlen. Die Auswahl der Experten schließe alle ein, um die breiteste Basis neuer und alter Dividendenzahler zu erhalten. Die 30% der Aktien mit der höchsten Rendite würden Large-Cap-Energieunternehmen, Bergbauunternehmen und Banken bis hin zu Small-Cap-Konsumgüter- und Technologie-Unternehmen umfassen.
Wenn die extrem lockere Geldpolitik anhalte, wie die FED-Chefin Janet Yellen Ende August auf dem Gipfeltreffen in Jackson Hole bestätigt habe, dürfte sich der Renditerückgang bei erstklassigen Unternehmens- und Staatsanleihen in den Industrieländern (DM) ungebremst fortsetzen.
In diesem Rahmen hätten Zentralbanken wie die EZB, die Bank of Japan (BoJ) und jetzt auch die Bank of England (BoE) begonnen, den Anleihenmarkt für langlaufende Festverzinsliche unter Druck zu setzen. Sie würden besonders institutionelle Investoren belasten, die in Unternehmensanleihen investiert seien, die noch nicht bei den Null- bis Unter-Null-Renditen angekommen seien.
Um den Schaden für leistungsorientierte Pensionspläne und Lebensversicherungen zu begrenzen (die unter verstärkt sinkenden Einnahmen leiden würden), würden institutionelle Investoren gezwungen, mehr Risiken zu übernehmen. Etwa durch den Kauf von Industrieländer-Anleihen, die sich an der Grenze der Anlagewürdigkeit oder im Ramschbereich befänden oder durch den Kauf von risikoreicheren Staats- und Unternehmensanleihen aus den Schwellenmärkten. Nur so würden sie Renditen über Null erzielen, solange die QE-Programme der Zentralbanken andauern würden.
Die verzweifelte Jagd nach Rendite dehne sich auf risikoreichere EM-Schuldtitel aus. Dies zeige sich in der Stabilität der EM-Anleihen im letzten Jahr, selbst als die Rohstoffmärkte und EM-Devisen steil abgestürzt seien. EM-Aktien hätten infolge des Rückgangs der Energie- und Grundmetallpreise deutliche Verluste erlitten - 2015 bis heute habe der MSCI EM (USD) Index von der Spitze bis zum Tiefstand 34% eingebüßt. Der MSCI EM habe sich zwar in diesem Jahr deutlich erholt, liege aber seit 2015 immer noch 2,5% im Minus.
Ganz anders hätten sich erstklassige EM-Unternehmensanleihen entwickelt: Der Bloomberg EM USD Investment Grade Bond Index habe im selben Zeitraum 9% zugelegt. Die Fortsetzung des letztjährigen Ausverkaufs auf den Rohölmärkten bis Januar dieses Jahres habe die EM-Aktien erneut belastet, während sich die EM-Anleihen kaum bewegt hätten und die Renditen von auf USD lautenden Emissionen weiter abwärts tendieren würden.
Vor dem Hintergrund der künstlichen Unterstützung für erstklassige Anleihen hätten die erheblich abgewerteten Aktienkurse einen Renditeaufschlag geschaffen, wobei Aktien mit einer hohen Dividendenrendite die erstklassigen Anleihen übertrumpfen würden.
Der WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index, der die 30% EM-Aktien mit den höchsten Dividendenrenditen umfasse, habe rund 5% Dividendenrendite erzielt (TTM). Das übertrumpfe die Rückzahlungsrendite des Bloomberg EM USD Investment Grade Corporate Bond Index um 2%. Diese Extra-Rendite seit 2010 sei ein deutlicher Unterschied zu der Zeit, als EM-Anleihen und -Aktien in ähnlicher Größenordnung auf Einbrüche der Rohstoffe während der Finanzkrise reagiert hätten. Sie sei eine Umkehr der Situation davor, als erstklassige Anleihen höher als Dividendenzahler rentiert hätten.
Bei EM-Anleihen würden nach wie vor zahlreiche Risiken bleiben, nicht zuletzt aufgrund der pessimistischen Einstellung von Ratingagenturen gegenüber chinesischen Emittenten von Unternehmensanleihen. Dort seien laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich die Schulden von Unternehmen (ohne Finanzinstitute) auf 163% des BIP gestiegen. Eine hohe Verschuldung habe im 2. Quartal 2016 für mehr Herabstufungen der Unternehmensanleihen durch Agenturen wie S&P, Moody's und Fitch geführt, das sowohl absolut als auch im Verhältnis zur Anzahl der Ratingverbesserungen. Sie befänden sich auf dem Stand der Finanzkrise von 2008 bis 2009. Im 3. Quartal 2016 beginne sich dieser Trend umzukehren. Es gebe Anzeichen, dass Unternehmen begonnen hätten, ihre Bilanzen umzustrukturieren und die Schulden abzubauen.
ArcelorMittal habe 2,7 Milliarden Anleihen in USD und EUR über eine Bezugsrechtemission von 3 Milliarden USD zurückgekauft und die Dividende gestrichen; Verkäufe von Konzernteilen und Kosteneinsparungen sollten den 16 Milliarden USD-Schuldenberg abbauen.
Vale SA, der brasilianische Eisenerzkonzern, habe dieses Jahr zweimal den Bondmarkt angezapft, um fällige Anleihen zu refinanzieren. Nachdem Vale SA für 2016 die Dividende gestrichen habe, würden die Brasilianer planen, 10 Milliarden USD aus dem Verkauf von Konzernteilen zu erlösen, um in den nächsten 18 Monaten die Schuldenlast von 27,5 Milliarden USD um rund ein Drittel zu verringern. Laut Konzernaussagen gebe es kein Geld für Expansion, nur für Schuldenabbau.
Allerdings seien Anleihen-Investoren nicht immun gegen Umstrukturierungen. Wenn die Schuldenlast die Aktieninvestoren zu sehr drücke, würden sich Wertberichtigungen auf Kupons und Hauptsumme sowie Umstrukturierungen negativ auf den Barwert der Anleihe auswirken.
China habe kürzlich die Stahl- und Kohleindustrie zum Schuldenumbau gezwungen. Die Branche leide unter Überkapazität und Ineffizienz. Die Banken seien gezwungen worden, die Ausstattung der Kredite zu verbessern. Als Alternative zu dem, was eigentlich eine Wertberichtigung sei, könnten Regierungen Banken verpflichten, Darlehen in risikoreichere Unternehmensanleihen oder schlimmstenfalls in Aktienkapital umzuwandeln.
Das werfe folgende Frage auf: Wenn Anzeichen dafür sprechen würden, dass größere Unternehmen in Schwellenmärkten umgebaut würden, könnten EM-Dividendenzahler eine bessere Alternative für EM-Unternehmensanleihen bieten?
Viele Aktien mit hoher Dividendenrendite würden derzeit potenzielle Dividenden bieten, die einen Aufschlag auf die Rückzahlungsrenditen von erstklassigen Unternehmensanleihen darstellen würden. Beim Vergleich des Verschuldungsgrads und der Dividendenrendite von Aktien im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index mit Emittenten von auf USD lautenden Investment-Grade-Unternehmensanleihen aus Schwellenmärkten würden eine niedrigere Verschuldung (d.h. niedrigere Verschuldung im Verhältnis zum EBITDA) und höhere Renditen (die Dividendenrendite für die nächsten zwölf Monate übersteige die Rückzahlungsrenditen) auffallen.
Die starke Präsenz von staatsnahen Unternehmen wie PEMEX (Mexiko), ECOPETROL (Kolumbien), ENAP (Chile), Codelco (Chile), PTT (Thailand) und CNOOC (China) würden das Bild beim Vergleich von Rendite- und Kreditkennzahlen zwischen EM-Aktien und EM-Anleihen verzerren. Weil sie große Emissionen verschiedenster Arten von Schuldtiteln begeben würden, hätten Anleihen von staatsnahen Unternehmen ein hohes Gewicht im Universum der EM-Unternehmensanleihen. Gleichzeitig würden viele von ihnen keine Aktien ausgeben und keine Dividenden zahlen, wodurch sie bei den EM-Aktien deutlich unterrepräsentiert seien. Aufgrund ihres eigenen Researchs schätzen die Experten von WisdomTree Europe, dass das Universum erstklassiger Unternehmensanleihen weniger als ein Drittel der Basiswerte des WisdomTree Emerging Markets Equity Income UCITS ETF darstellt.
Um die Asymmetrie zwischen Fremdkapital und Rendite gegenüber staatsnahen Unternehmen zu reduzieren und rein dem Privatsektor angehörende Emittenten einen größeren Anteil in den Universen der EM-Aktien und ebenso der EM-Anleihen zu geben, würden einfache Durchschnittswerte (statt nach Gewichtung bereinigte Durchschnittswerte) nach Meinung der Experten ein ausgewogeneres, weniger verzerrtes Abbild der Verschuldung und damit des übernommenen Ausfallrisikos und der Renditeerwartungen der Investoren bieten.
Die niedrigere Verschuldung und/oder der höhere Renditeaufschlag seien generell in den Sektoren ohne den Finanzsektor im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index zu beobachten. Bemerkenswert sei, dass die Verschuldung in den rohstofforientierten Sektoren wie Werkstoffe und Energie im WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index mit einer Verschuldung in Höhe des 2,5fachen bzw. 1,6fachen EBITDA erheblich niedriger sei, als die Verschuldung der Emittenten von erstklassigen Unternehmensanleihen. Dort liege sie beim 3,8fachen bzw. fünffachen EBITDA.
IT-Aktien würden durchschnittlich 6% Dividendenrendite bieten; viele von ihnen hätten so liquide Bilanzen, dass die Zahlungsmittelbestände die Schulden übersteigen würden. Anlagen in IT (12,6%), zyklische Konsumgüter (5,4%), nicht-zyklische Konsumgüter (1,3%), Gesundheitswesen (0,3%) und Telekommunikation (13,1%) seien die treibenden Faktoren der "New Economy" in den Schwellenmärkten. Rund ein Drittel des WisdomTree Emerging Markets Equity Income Index sei in diesen Sektoren engagiert. Damit sei er nicht lediglich ein tiefer gehendes Value/Rendite-Angebot im Vergleich zu erstklassigen EM-Unternehmensanleihen, sondern auch eine langfristig orientierte Wachstumsstrategie. Daher überrasche es nicht, dass Taiwan (23%) und China (21%) zusammen 44% der Basiswerte ausmachen würden.
Der Renditeaufschlag vs. den Verschuldungsabschlag der WisdomTree-EM-Titel mit hoher Dividendenrendite sei zwangsläufige Folge der Screening- und Auswahlmethode. Sie schaffe ein Universum von Dividendenzahlern, in dem die Betonung sowohl auf hohen Renditen als auch in der vollständigen Einbeziehung liege: Dem Screening nach den Top-30% der Titel mit den höchsten Dividendenrenditen, die in den letzten zwölf Monaten oder länger Bardividenden ausgeschüttet hätten. Dadurch reduziere sich das Engagement in etablierten Multis, die in traditionellen Sektoren mit hohen Dividendenzahlungen vertreten seien, wie Banken, Energiekonzerne und Versorger. Dagegen würden Titel aus den reifer werdenden Technologien, dem Gesundheitswesen und Konsumgütersektor ebenso aufgenommen wie Mid- und Small-Cap-Aktien.
Das Screening der Experten nach Emittenten erstklassiger Unternehmensanleihen in Schwellenmärkten zeige, dass die Basiswerte der WisdomTree Emerging Markets Equity Income Strategie eine ausgezeichnete Liste von Dividendenzahlern enthalte: Weniger als ein Drittel des Gewichts entfalle auf Unternehmen, deren Schuldtitel im Universum der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen enthalten seien, sodass sich die Indexbestandteile zu ihrem größeren Teil (nämlich zu zwei Dritteln) von dem Universum der erstklassigen EM-Unternehmensanleihen unterscheiden würden.
Der große Abschlag auf die Unternehmen mit hoher Dividendenrendite im Vergleich zu EM-Unternehmensanleihen lasse vermuten, dass viele Titel mit hoher Dividendenrendite derzeit ein besseres Renditeangebot vorweisen würden. Eine auf Dividenden ausgerichtete Strategie, in der Titel mit hoher Dividendenrendite und umfassender Einbeziehung in einem einzigen ETF versammelt seien, biete Anlegern einen zielgerichteten Ansatz, um maximale Wertsteigerung aus Schwellenmärkten zu erzielen. (13.09.2016/alc/a/a)


