Divergente Inflationsentwicklung in der Eurozone


28.11.16 10:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Neue Woche, neue Daten: In der Eurozone steht dabei unter anderem der Arbeitsmarkt im Mittelpunkt (Donnerstag), so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Entsprechende Vorlaufindikatoren, vor allem aus dem Verarbeitenden Gewerbe, seien dabei zuletzt durchaus konstruktiv gewesen, sodass die Analysten im Oktober von einem Rückgang der Arbeitslosenquote von 10,0% auf 9,9% ausgehen würden. Das Paradebeispiel für eine gute Arbeitsmarkterholung bleibe dabei wohl Deutschland (Mittwoch). Im November dürfte die Arbeitslosenquote mit 6,0% auf dem niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung verbleiben und die Zahl der Arbeitslosen saisonbereinigt um weitere 7.000 sinken. Auch die Aussichten würden günstig bleiben.

So habe sich das ifo Beschäftigungsbarometer im Oktober nahezu auf Rekordhoch befunden. Der straffe Arbeitsmarkt und die anhaltend hohe Beschäftigungsnachfrage dürfte in den kommenden Monaten wieder Druck auf das Lohnwachstum ausüben. Schrittweise baue sich hier mittlerweile Druck für die Konsumentenpreise auf. Sowohl die jüngsten PMIs als auch die ifo Erhebung hätten deutlich gemacht, dass Unternehmen planen würden, ihre Preise zu erhöhen.

Tatsächlich würden die Analysten nach einer von ihnen erwarteten stagnierenden Jahresrate von 0,8% im November (Dienstag) in den kommenden Monaten mit einem Anziehen der deutschen Inflation rechnen, aber bisher davon ausgehen, dass die Teuerung ihr Hoch aufgrund von Basiseffekten im 1. Quartal unter 2% auspräge. Inwiefern sich derzeit zugrundeliegender Preisdruck aufbaue, sollte aber fortan genau beobachtet werden. Vor allem in Frankreich (Novemberprognose: 0,5% gg. Vj., Mittwoch) und Italien (Oktober: -0,1% gg. Vj.) lasse sich dagegen weiter kaum Preisdruck ausmachen.

Die zunehmenden Divergenzen seitens der Preisentwicklung in der Eurozone (Novemberprognose: 0,5% gg. Vj.; Mittwoch) stelle die EZB vor große Herausforderungen. Die Analysten würden damit rechnen, dass die Währungshüter zunächst expansiv bleiben und das Anleihekaufprogramm um weitere sechs Monate bis September 2017 verlängern würden. Während die nächste Notenbanksitzung erst am 8. Dezember stattfinde, dürften Marktteilnehmer die in der kommenden Woche anstehenden Reden von Notenbankchef Mario Draghi vor dem EU-Parlament am Montag und in Madrid am Mittwoch bereits genauestens nach diesem Thema abklopfen.

Um den weiteren Kurs der Geldpolitik gehe es im weiteren Sinne in der kommenden Woche auch in den USA. Die US-Notenbank habe zuletzt hervorgehoben, dass es lediglich einiger weniger weiterer konjunktureller Stabilisierungsanzeichen (im O-Ton "some further evidence") bedürfe, um den Leitzins zu erhöhen. Mit Blick auf das Ziel der FED - eine Inflation im Bereich von 2% bei gleichzeitig möglichst hohem Beschäftigungsstand - spiele die Entwicklung des Arbeitsmarktes entsprechend eine zentrale Rolle.

Die am Freitag zur Veröffentlichung anstehenden Novemberdaten zu den neugeschaffenen Stellen dürften folglich genau unter die Lupe genommen werden. Die Analysten würden damit rechnen, dass zuletzt 179.000 neue Jobs geschaffen worden seien und die Dynamik des Stellenaufbaus damit seit Oktober zugenommen habe (Oktober: 161.000). Die Arbeitslosenquote sollte bei niedrigen 4,9% verharren.

Ein positives Signal dürfte zudem seitens der privaten Verbraucher kommen. Im Nachgang der Präsidentschaftswahlen sollte sich die Unsicherheit reduziert haben und sich das Verbrauchervertrauen mit 102,1 Punkten im November wieder deutlich stabilisiert haben (Dienstag). Daher dürfte es für die Notenbank ein Leichtes sein, im Dezember eine Erhöhung der FED Funds Rate um 25 BP zu begründen. 2017 würden die Analysten dann mit zwei weiteren Zinsschritten rechnen.

Am Mittwoch schließlich würden sich die Vertreter der OPEC-Länder treffen, um über eine Kürzung der Förderquoten zu beraten. Gleichzeitig werde darum gerungen, auch Nicht-OPEC-Mitglieder wie Russland in eine mögliche Vereinbarung einzubinden. Ob aber ein formeller Beschluss gefasst werden könne, der alle Interessen berücksichtige, sei derzeit noch nicht absehbar. (28.11.2016/alc/a/a)