Erweiterte Funktionen

Disruptive Kräfte verändern den Finanzmarkt


08.04.19 13:45
T. Rowe Price

Baltimore (www.anleihencheck.de) - Obwohl sich die Finanzmärkte von den Kursstürzen Ende des vergangenen Jahres erholt haben, bleiben das Investmentumfeld und die Marktaussichten für Anleger ungewiss, so die Experten von T. Rowe Price.

Viele Bedenken aus 2018 seien heute gleichermaßen präsent. David Giroux, Chief Investment Officer of Equity and Multi-Asset und Mark Vaselkiv, Chief Investment Officer of Fixed Income - beide bei T. Rowe Price - würden gemeinsam die Entwicklungen, jeweils mit Blick auf ihren Bereich bewerten.

"Vergangenes Jahr war geprägt von einem starken Gewinn- und BIP-Wachstum, angetrieben von Steuersenkungen und fiskalischen Stimuli", analysiere David Giroux. "Wir sind allerdings bereits zum Jahreswechsel von einem langsameren Wachstum im Jahr 2019 ausgegangen. Durch die Markterholung sind Aktien heute etwas zu hoch bewertet. Zu einem solch späten Zeitpunkt des Konjunkturzyklus müssten die Bewertungen eigentlich niedriger sein."

Eine Veränderung zum Vorjahr sehe David Giroux bei der Amerikanischen Zentralbank (FED). Diese erwecke den Anschein die restriktive Geldpolitik zu verlangsamen. Mark Vaselkiv ergänze, dass sich als Folge die Anleihen-Spreads verringert hätten. Insgesamt seien Anleihen zwar angemessen bewertet, deutliche Unterschiede gäbe es allerdings zwischen verschiedenen Ländern, da die globalen Kreditzyklen sehr wenig synchronisiert abliefen. Während die USA und Kanada in der Expansionsphase seien, befänden sich China und Brasilien bereits in der Reparatur-Phase. Während Übergewichtung in erstgenannter Phase Risiken berge, eigne sich letztgenannte für langfristige Investitionen.

Risiken würden häufig Chancen bürgen - zum Beispiel säkulare Risiken. Dabei handele es sich um disruptive Veränderungen wie wettbewerbsbedingte Faktoren, technologische Entwicklungen, verändertes Konsumentenverhalten oder Regulatorien, die strukturell und langfristig angelegt seien. Laut Giroux seien 31 Prozent der Unternehmen des amerikanischen Aktienmarktes von säkularen Risiken betroffen. Vor zwei Jahren seien es noch ungefähr 20 Prozent gewesen.

"Der bedeutsamste Faktor für säkulare Veränderungen ist Amazon. Disruptive Kräfte wirken sich insbesondere auf den traditionellen Einzelhandel, Malls und Lebensmittelhändler, aber auch durch AWS - Amazons cloudbasierte Plattform - auf Technologiekonzerne wie IBM aus. Ein anderes Beispiel ist das Fracking, welches offshore-Ölkonzerne wie Exxon und Chevron unter Druck setzt", sage Giroux.

Möglichkeiten, solche säkularen Risiken zu überstehen, seien zwar vorhanden, die Chancen stünden aber schlecht. Ein Unternehmen, das es geschafft habe, sei Microsoft. Vor wenigen Jahren habe es noch als säkularer Verlierer gegolten. Heute sei es die Nummer zwei in Cloud Computing und konkurriere mit Amazon. Entscheidender seien jene Sektoren, die von den Entwicklungen profitieren würden. Beispielsweise Versorgungsunternehmen, die durch erneuerbare Energien Wachstum generieren und zeitgleich Kosten senken könnten. Auch Industriekonzerne und Teile der Informationsdienste seien weniger betroffen.

Erhöhe sich der Einfluss säkularer Risiken, habe dies auch Einfluss auf Investoren. Die Anzahl der attraktiven Sektoren schrumpfe. Entsprechend auf die Risiken zu reagieren, sei daher elementar. Schwierig werde dies, wenn altbekannte Methoden an Effektivität verlieren würden - zum Beispiel das Prinzip der Mean Reversion. Schwächele ein Unternehmen wegen zyklischer Marktbewegungen, könne es darauf reagieren. Das Management könne ausgetauscht werden, Aktien könnten zurückgekauft werden. Schwieriger werde es, wenn Unternehmen disruptiven Entwicklungen unterlägen. Wichtig sei es daher, betroffene Unternehmen zu identifizieren. Während säkulare Risiken passives Investieren herausfordern würden, könnten sie aktiven Investoren Rückenwind geben.

Auch der Anleihenmarkt werde von säkularen Risiken beeinflusst. Bei der Auswahl sollten daher Unternehmen im Fokus stehen, die von den Entwicklungen profitieren und über ausreichend Cash Flow verfügen würden. Besonders fehlende Liquidität sei häufig für Unternehmen mit einer Bonität unterhalb Investment-Grade ein Problem, analysiere Mark Vaselkiv. Als die FED Ende vergangenen Jahres ihre Meinung gegenüber Zinserhöhungen angepasst habe, seien im gesamten Fixed Income Bereich erhebliche Abflüsse aus Bankkrediten zu beobachten gewesen. "Das machte fast sämtliche Gewinne des letzten Jahres zunichte", meine Vaselkiv.

Durch eine stark angewachsene Unternehmensverschuldung und Regulatorien habe sich der Handlungsspielraum an der Wall Street stark reduziert. In Folge der fehlenden Liquidität würden Unsicherheiten und Volatilität im Fixed Income-Bereich steigen. "Dennoch bietet auch der Anleihenmarkt nach wie vor attraktive Opportunitäten. Wenn kurzfristige Investoren aussteigen und sich die Spreads weiten, bieten sich geeignete Einstiegszeitpunkte für langfristige Investoren", schließe Vaselkiv. (08.04.2019/alc/a/a)