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Das Dilemma der Notenbanken
23.12.21 08:30
Raiffeisen Centrobank
Wien (www.anleihencheck.de) - Die Inflation in den USA steigt weiter, so die Analysten der Raiffeisen Centrobank.
Die Verbraucherpreise hätten um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angezogen, wie das US-Arbeitsministerium mitgeteilt habe. Das sei der höchste Wert seit Juni 1982. Ökonomen hätten mit einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Im Oktober seien die Verbraucherpreise der weltgrößten Volkswirtschaft noch um 6,2 Prozent gestiegen. Damit halte sich die US-Inflation nun schon seit einem halben Jahr jenseits der Fünf-Prozent-Marke.
Auch die amerikanischen Notenbanker dürften mit Argusaugen auf die jüngste Preisentwicklung blicken. Denn schließlich stehe in dieser Woche die vielleicht wichtigste Tagung des Federal Reserve Boards (FED) seit Jahren an. Die meisten Marktbeobachter würden davon ausgehen, dass die US-Notenbank ihren geldpolitischen Straffungskurs beschleunigen werde. Zur Erinnerung: Anfang November hätten die Währungshüter entschieden, ihre monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren, - also in das sogenannte "Tapering" einzusteigen.
Ursprünglich habe die FED monatlich für 80 Mrd. Dollar Staatsanleihen und für 40 Mrd. Dollar Hypothekenanleihen aufgekauft. Es sei beschlossen worden, diese Käufe ab November Monat für Monat um zehn Mrd. beziehungsweise fünf Mrd. Dollar zu stutzen. Experten würden davon ausgehen, dass die Beträge nun verdoppelt würden. Auf dieser Basis würde nur noch bis März 2022 frisches Notenbankgeld in den Markt fließen. Zudem würden Volkswirte davon ausgehen, dass in den USA im kommenden Jahr zwei Mal die Zinsen angehoben würden.
Auch in Europa sei eine Verlangsamung der Anleihekäufe möglich. Im März kommenden Jahres laufe das Notfall-Wertpapierkaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) aus. Im Rahmen dessen würden seit April 2021 rund 80 Mrd. Euro an Assets aufgekauft. Marktteilnehmer seien gespannt, inwieweit die Europäische Zentralbank (EZB), das im März 2022 auslaufende PEPP durch Käufe im Rahmen des "normalen" Asset Purchase Programmes (APP) ersetzen werde. Aufschluss darüber werde die EZB-Sitzung bringen, die ebenfalls in dieser Woche, am Donnerstag, stattfinden werde.
Zinserhöhungen dürften dabei jedoch noch kein Thema sein, zumal die Corona-Variante Omikron und ihre offenbar deutlich höhere Übertragbarkeit an den Finanzmärkten weltweit zu neuer Verunsicherung geführt habe. Da ein Ende der Pandemie nicht in Sicht sei, dürfte insbesondere die EZB vorerst auf Sicht fahren. Sollte sich die Konjunktur wegen neuer Corona-Beschränkungen wieder eintrüben, könnte das zudem den Preisauftrieb etwas mildern - und damit den Handlungsdruck von den Notenbanken nehmen. (Ausgabe vom 17.12.2021) (23.12.2021/alc/a/a)
Die Verbraucherpreise hätten um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat angezogen, wie das US-Arbeitsministerium mitgeteilt habe. Das sei der höchste Wert seit Juni 1982. Ökonomen hätten mit einem Anstieg von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet. Im Oktober seien die Verbraucherpreise der weltgrößten Volkswirtschaft noch um 6,2 Prozent gestiegen. Damit halte sich die US-Inflation nun schon seit einem halben Jahr jenseits der Fünf-Prozent-Marke.
Ursprünglich habe die FED monatlich für 80 Mrd. Dollar Staatsanleihen und für 40 Mrd. Dollar Hypothekenanleihen aufgekauft. Es sei beschlossen worden, diese Käufe ab November Monat für Monat um zehn Mrd. beziehungsweise fünf Mrd. Dollar zu stutzen. Experten würden davon ausgehen, dass die Beträge nun verdoppelt würden. Auf dieser Basis würde nur noch bis März 2022 frisches Notenbankgeld in den Markt fließen. Zudem würden Volkswirte davon ausgehen, dass in den USA im kommenden Jahr zwei Mal die Zinsen angehoben würden.
Auch in Europa sei eine Verlangsamung der Anleihekäufe möglich. Im März kommenden Jahres laufe das Notfall-Wertpapierkaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) aus. Im Rahmen dessen würden seit April 2021 rund 80 Mrd. Euro an Assets aufgekauft. Marktteilnehmer seien gespannt, inwieweit die Europäische Zentralbank (EZB), das im März 2022 auslaufende PEPP durch Käufe im Rahmen des "normalen" Asset Purchase Programmes (APP) ersetzen werde. Aufschluss darüber werde die EZB-Sitzung bringen, die ebenfalls in dieser Woche, am Donnerstag, stattfinden werde.
Zinserhöhungen dürften dabei jedoch noch kein Thema sein, zumal die Corona-Variante Omikron und ihre offenbar deutlich höhere Übertragbarkeit an den Finanzmärkten weltweit zu neuer Verunsicherung geführt habe. Da ein Ende der Pandemie nicht in Sicht sei, dürfte insbesondere die EZB vorerst auf Sicht fahren. Sollte sich die Konjunktur wegen neuer Corona-Beschränkungen wieder eintrüben, könnte das zudem den Preisauftrieb etwas mildern - und damit den Handlungsdruck von den Notenbanken nehmen. (Ausgabe vom 17.12.2021) (23.12.2021/alc/a/a)


