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Diese Woche: Spannungsfeld Inflation vs. Wachstumshoffnungen
01.03.21 10:45
Union Investment
Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In der Berichtswoche waren die Aktienmärkte zwischen Inflationssorgen und Wachstumshoffnungen hin- und hergerissen, so die Experten von Union Investment.
Zunächst hätten die Börsen auf gute US-Wirtschaftsdaten und positive Nachrichten im Rahmen der Corona-Impfstoffe mit Zugewinnen reagiert. Der Dow Jones Industrial Average habe einen Rekordstand erreicht. Dann hätten die Belastungen aus den anhaltenden Inflationssorgen aber die Oberhand gewonnen. An den Staatsanleihenmärkten sei es zu Kursrückgängen gekommen. Die Renditen seien weiter angestiegen, zehnjährige US-Papiere hätten sich zeitweise mit 1,55 Prozent verzinst. Kommentare seitens der US-Notenbank FED und auch der Europäischen Zentralbank hätten ein Fortbestehen der anhaltend lockeren Geldpolitik bestätigt, dies sei aber an den Märkten auf keine entsprechend positive Resonanz gestoßen.
Es gehe wieder aufwärts - und das deutlicher als gedacht. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Februar um 2,1 auf 92,4 Punkte gestiegen. Ursächlich sei vor allem der zunehmende Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe gewesen. Aber auch in den Sektoren Dienstleistungen und Handel hätten sich erste Verbesserungen gezeigt. Überraschend komme das nicht: Beide Bereiche seien aufgrund des Lockdowns im Vormonat stark eingebrochen. Die Aussichten auf eine Lockerung bis zum Sommer hätten nun zumindest die Erwartungen auf bessere Geschäfte erhöht.
Der Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe, vor allem in der Automobilindustrie, habe auch nicht durch die Furcht vor einer Unterbrechung der Lieferketten aufgrund der verschärften Grenzkontrollen gebrochen werden können. Aktuelle Zahlen würden zeigen, dass die Angst weitgehend unbegründet sei. Die Produktion laufe kraftvoll weiter. Der Zustand der Industrie sei ungeachtet der Corona-Einschränkungen äußerst robust. Die Auftragsbücher seien für die kommenden sechs Monate gut gefüllt. Im Anschluss sollte sich die Lage durch die Massenimpfungen und die Lockerung der Einschränkungsmaßnahmen weiter verbessern. Diese Perspektive sollte sich auch an den Kapitalmärkten niederschlagen. Besonders zyklischen Unternehmen dürften die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie in den kommenden Wochen in die Karten spielen.
Bei der Inflationsdynamik würden die Experten aktuell eine deutliche Diskrepanz zwischen den USA und dem Euroraum sehen. In den USA hätten die Konsumentenpreise im Januar 2021 nur geringfügig angezogen. Ganz anders sei der Jahresauftakt hingegen im Euroraum verlaufen. Hier sei die Inflationsrate zu Jahresbeginn förmlich in die Höhe geschnellt und von minus 0,3 Prozent im Dezember auf plus 0,9 Prozent im Januar gesprungen.
Ein genauerer Blick zeige aber, dass der Januar-Wert nicht überinterpretiert werden sollte und kein Grund sei, von einem moderaten Inflationsbild, insbesondere in Europa, abzurücken. Zum einen stecke eine Reihe von länderspezifischen Ursachen hinter der kräftigen Kehrtwende bei der Inflation. In Deutschland sei Ende 2020 die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer ausgelaufen. Gleichzeitig sei in Deutschland zu Jahresbeginn 2021 eine CO2-Abgabe von 25 Euro pro Tonne eingeführt worden. Zum anderen seien die Inflationsdaten für den Januar die ersten Monatswerte unter Verwendung des aktualisierten Wägungsschemas des HVPI-Warenkorbs.
Darüber hinaus sei der Bereich Dienstleistungen maßgeblich für den jüngsten Inflationssprung im Euroraum verantwortlich gewesen. Kurzzeitig werde die Inflation zwar medienwirksame Marken überspringen. Mittelfristig würden aber weiterhin die Gründe für eine moderate Inflation dominieren.
Für 2021 spreche, sowohl für die USA als auch für den Euroraum, abseits einiger technischen Besonderheiten, wenig für einen starken unterliegenden Inflationsanstieg. Durch die Pandemie sei der Auslastungsgrad in vielen Sektoren stark gesunken. Die erhöhte Arbeitslosigkeit spreche zudem für absehbar niedrige Lohnsteigerungen. Auch würden die Experten davon ausgehen, dass sich die erhöhte Sparquote auf kurze Sicht nicht vehement in den Konsum fließen werde, sondern sich angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit über die künftige Erholung nur sukzessive abbaue.
Obwohl die fundamentalen Faktoren kaum auf eine hohe Preisdynamik schließen lassen würden, dürfte die Inflation im Euroraum in diesem Jahr zumindest für einige Zeit (auf Monatssicht) die Zwei-Prozent-Schallmauer durchbrechen. In den USA werde voraussichtlich für kurze Zeit sogar die Drei-Prozent-Marke übertroffen. Die Notenbanken FED und EZB dürften aber durch den vorübergehenden Preisanstieg hindurchschauen und keine unmittelbare Notwendigkeit zu einer Reaktion erkennen lassen.
Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe in der Berichtswoche in einem mit großem Interesse erwarteten Rede vor dem Bankenausschuss des Senats die lockere Geldpolitik der Notenbank bestätigt. Am Null-Zins und den monatlichen Anleiheankäufen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar werde festgehalten. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde laut Powell stark vom Tempo des Impfverlaufs gegen Corona abhängen.
Die Lage am Arbeitsmarkt werde in der FED mit Blick auf die ungünstige Entwicklung in den unteren Einkommensschichten derzeit mit Sorge betrachtet. Bestätigt worden sei die Flexibilisierung des Inflationsziels (um die zwei Prozent), die im Rahmen der jüngsten Preisanstiege und der damit einhergehenden erhöhten Inflationserwartungen etwas Druck von der FED bezüglich Gegenmaßnahmen nehme. Wichtig für die Anleger sei die Bestätigung gewesen, dass die FED einen Wechsel ihrer lockeren Geldpolitik mit einem entsprechenden Vorlauf zeitlichen kommunizieren werde.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich in Berichtswoche zum jüngsten Renditeanstieg am Rentenmarkt gemeldet. EZB-Präsidentin Lagarde habe auf eine genaue Beobachtung der Entwicklung der Staatsanleiherenditen durch die Zentralbank hingewiesen. Mit dem Anstieg der Renditen, auch die Realrenditen (Nominalrendite abzüglich Inflation) würden Befürchtungen hinsichtlich einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen einhergehen. Dadurch würden die Maßnahmen der Zentralbank zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung konterkariert.
Die Stellungnahme der EZB werde als starke Intervention gewertet und könnte als Auftakt für umfangreichere Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP gelten. Damit stelle sich unter den Marktteilnehmern die Frage, ob die EZB künftig zu einer stärkeren Kontrolle beziehungsweise Steuerung der Zinsstrukturkurve übergehen könne. Dies sei beispielsweise in Japan durch die BoJ in der Vergangenheit der Fall gewesen.
Mit Blick auf weitere wichtige Wirtschaftsindikatoren habe sich in den USA der vielbeachtete Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter (Durable Goods) im Januar mit plus 3,4 Prozent überraschend stark gezeigt. Die bei Bloomberg gelistete durchschnittliche Erwartung habe bei 1,1 Prozent gelegen. Somit scheine die US-Wirtschaft Fahrt aufzunehmen. Auch die Neubauverkäufe hätten sich im Januar mit 923.000 Einheiten über den Erwartungen gezeigt. Der Arbeitsmarkt habe sich mit 730.000 Neuanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in der Vorwoche ebenfalls in besserer Verfassung als erwartet präsentiert, wenngleich die absolute Zahl immer noch sehr wenig Entspannung verspreche. (Ausgabe vom 26.02.2021) (01.03.2021/alc/a/a)
Zunächst hätten die Börsen auf gute US-Wirtschaftsdaten und positive Nachrichten im Rahmen der Corona-Impfstoffe mit Zugewinnen reagiert. Der Dow Jones Industrial Average habe einen Rekordstand erreicht. Dann hätten die Belastungen aus den anhaltenden Inflationssorgen aber die Oberhand gewonnen. An den Staatsanleihenmärkten sei es zu Kursrückgängen gekommen. Die Renditen seien weiter angestiegen, zehnjährige US-Papiere hätten sich zeitweise mit 1,55 Prozent verzinst. Kommentare seitens der US-Notenbank FED und auch der Europäischen Zentralbank hätten ein Fortbestehen der anhaltend lockeren Geldpolitik bestätigt, dies sei aber an den Märkten auf keine entsprechend positive Resonanz gestoßen.
Es gehe wieder aufwärts - und das deutlicher als gedacht. Der ifo-Geschäftsklimaindex sei im Februar um 2,1 auf 92,4 Punkte gestiegen. Ursächlich sei vor allem der zunehmende Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe gewesen. Aber auch in den Sektoren Dienstleistungen und Handel hätten sich erste Verbesserungen gezeigt. Überraschend komme das nicht: Beide Bereiche seien aufgrund des Lockdowns im Vormonat stark eingebrochen. Die Aussichten auf eine Lockerung bis zum Sommer hätten nun zumindest die Erwartungen auf bessere Geschäfte erhöht.
Der Optimismus im Verarbeitenden Gewerbe, vor allem in der Automobilindustrie, habe auch nicht durch die Furcht vor einer Unterbrechung der Lieferketten aufgrund der verschärften Grenzkontrollen gebrochen werden können. Aktuelle Zahlen würden zeigen, dass die Angst weitgehend unbegründet sei. Die Produktion laufe kraftvoll weiter. Der Zustand der Industrie sei ungeachtet der Corona-Einschränkungen äußerst robust. Die Auftragsbücher seien für die kommenden sechs Monate gut gefüllt. Im Anschluss sollte sich die Lage durch die Massenimpfungen und die Lockerung der Einschränkungsmaßnahmen weiter verbessern. Diese Perspektive sollte sich auch an den Kapitalmärkten niederschlagen. Besonders zyklischen Unternehmen dürften die Erfolge im Kampf gegen die Pandemie in den kommenden Wochen in die Karten spielen.
Bei der Inflationsdynamik würden die Experten aktuell eine deutliche Diskrepanz zwischen den USA und dem Euroraum sehen. In den USA hätten die Konsumentenpreise im Januar 2021 nur geringfügig angezogen. Ganz anders sei der Jahresauftakt hingegen im Euroraum verlaufen. Hier sei die Inflationsrate zu Jahresbeginn förmlich in die Höhe geschnellt und von minus 0,3 Prozent im Dezember auf plus 0,9 Prozent im Januar gesprungen.
Ein genauerer Blick zeige aber, dass der Januar-Wert nicht überinterpretiert werden sollte und kein Grund sei, von einem moderaten Inflationsbild, insbesondere in Europa, abzurücken. Zum einen stecke eine Reihe von länderspezifischen Ursachen hinter der kräftigen Kehrtwende bei der Inflation. In Deutschland sei Ende 2020 die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer ausgelaufen. Gleichzeitig sei in Deutschland zu Jahresbeginn 2021 eine CO2-Abgabe von 25 Euro pro Tonne eingeführt worden. Zum anderen seien die Inflationsdaten für den Januar die ersten Monatswerte unter Verwendung des aktualisierten Wägungsschemas des HVPI-Warenkorbs.
Für 2021 spreche, sowohl für die USA als auch für den Euroraum, abseits einiger technischen Besonderheiten, wenig für einen starken unterliegenden Inflationsanstieg. Durch die Pandemie sei der Auslastungsgrad in vielen Sektoren stark gesunken. Die erhöhte Arbeitslosigkeit spreche zudem für absehbar niedrige Lohnsteigerungen. Auch würden die Experten davon ausgehen, dass sich die erhöhte Sparquote auf kurze Sicht nicht vehement in den Konsum fließen werde, sondern sich angesichts der weiterhin hohen Unsicherheit über die künftige Erholung nur sukzessive abbaue.
Obwohl die fundamentalen Faktoren kaum auf eine hohe Preisdynamik schließen lassen würden, dürfte die Inflation im Euroraum in diesem Jahr zumindest für einige Zeit (auf Monatssicht) die Zwei-Prozent-Schallmauer durchbrechen. In den USA werde voraussichtlich für kurze Zeit sogar die Drei-Prozent-Marke übertroffen. Die Notenbanken FED und EZB dürften aber durch den vorübergehenden Preisanstieg hindurchschauen und keine unmittelbare Notwendigkeit zu einer Reaktion erkennen lassen.
Der FED-Vorsitzende Jerome Powell habe in der Berichtswoche in einem mit großem Interesse erwarteten Rede vor dem Bankenausschuss des Senats die lockere Geldpolitik der Notenbank bestätigt. Am Null-Zins und den monatlichen Anleiheankäufen in Höhe von 120 Milliarden US-Dollar werde festgehalten. Die weitere wirtschaftliche Entwicklung werde laut Powell stark vom Tempo des Impfverlaufs gegen Corona abhängen.
Die Lage am Arbeitsmarkt werde in der FED mit Blick auf die ungünstige Entwicklung in den unteren Einkommensschichten derzeit mit Sorge betrachtet. Bestätigt worden sei die Flexibilisierung des Inflationsziels (um die zwei Prozent), die im Rahmen der jüngsten Preisanstiege und der damit einhergehenden erhöhten Inflationserwartungen etwas Druck von der FED bezüglich Gegenmaßnahmen nehme. Wichtig für die Anleger sei die Bestätigung gewesen, dass die FED einen Wechsel ihrer lockeren Geldpolitik mit einem entsprechenden Vorlauf zeitlichen kommunizieren werde.
Auch die Europäische Zentralbank (EZB) habe sich in Berichtswoche zum jüngsten Renditeanstieg am Rentenmarkt gemeldet. EZB-Präsidentin Lagarde habe auf eine genaue Beobachtung der Entwicklung der Staatsanleiherenditen durch die Zentralbank hingewiesen. Mit dem Anstieg der Renditen, auch die Realrenditen (Nominalrendite abzüglich Inflation) würden Befürchtungen hinsichtlich einer Verschlechterung der Finanzierungsbedingungen einhergehen. Dadurch würden die Maßnahmen der Zentralbank zur Unterstützung der wirtschaftlichen Erholung konterkariert.
Die Stellungnahme der EZB werde als starke Intervention gewertet und könnte als Auftakt für umfangreichere Anleiheankäufe im Rahmen des PEPP gelten. Damit stelle sich unter den Marktteilnehmern die Frage, ob die EZB künftig zu einer stärkeren Kontrolle beziehungsweise Steuerung der Zinsstrukturkurve übergehen könne. Dies sei beispielsweise in Japan durch die BoJ in der Vergangenheit der Fall gewesen.
Mit Blick auf weitere wichtige Wirtschaftsindikatoren habe sich in den USA der vielbeachtete Auftragseingang für langlebige Wirtschaftsgüter (Durable Goods) im Januar mit plus 3,4 Prozent überraschend stark gezeigt. Die bei Bloomberg gelistete durchschnittliche Erwartung habe bei 1,1 Prozent gelegen. Somit scheine die US-Wirtschaft Fahrt aufzunehmen. Auch die Neubauverkäufe hätten sich im Januar mit 923.000 Einheiten über den Erwartungen gezeigt. Der Arbeitsmarkt habe sich mit 730.000 Neuanträgen auf Arbeitslosenunterstützung in der Vorwoche ebenfalls in besserer Verfassung als erwartet präsentiert, wenngleich die absolute Zahl immer noch sehr wenig Entspannung verspreche. (Ausgabe vom 26.02.2021) (01.03.2021/alc/a/a)
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| Kurs | Vortag | Veränderung | Datum/Zeit | |
| 2,70 % | 1,90 % | 0,80 % | +42,11% | 22.04./22:00 |
| ISIN | WKN | Jahreshoch | Jahrestief | |
| 2,70 % | 1,80 % | |||


