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Deutsche Staatsanleihen weiter fest


07.03.14 15:54
Weberbank

Berlin (www.anleihencheck.de) - Der Konflikt in der Ukraine hat die Märkte in den letzten Tagen ordentlich durchgeschüttelt, so die Analysten der Weberbank.

Aus dem zunächst lokal begrenzten Konflikt sei innerhalb kürzester Zeit plötzlich ein Thema globalen Ausmaßes erwachsen. Die Aktienmärkte hätten den von Russland dementierten Einmarsch auf der Krim mit deutlichen Abschlägen quittiert.

So habe beispielsweise der Deutsche Aktienindex DAX innerhalb des Montags knapp 3,5 Prozent Verlust verzeichnet, der russische Aktienindex RTX zwischenzeitlich über 13 Prozent. Die Russische Zentralbank habe sich mit einem deutlichen Abschwung des Rubels konfrontiert gesehen, in dessen Folge sie den Leitzins überraschend um 1,5 Prozent auf 7,0% Prozent angehoben habe.

Doch werde sich diese Krise deutlich auf die Weltwirtschaft auswirken? Die Analysten würden dies bezweifeln. Zu groß seien die Abhängigkeiten der beteiligten Parteien. So habe weder Russland ein Interesse daran, Störungen in den eigenen Öl- und Gaslieferungen nach Europa zu riskieren, die für zusammengenommen fast 70 Prozent des Außenbeitrages des russischen Bruttoinlandsproduktes stünden.

Noch könne es sich die kurz vor einer Staatsinsolvenz stehende Ukraine leisten, auf ihre Gasdurchleitungsgebühren zu verzichten. Europa wiederum könne kein Interesse daran haben, die gerade laufende Wirtschaftserholung durch gestörte Energieimporte zu gefährden. Und somit hätten die Börsen spürbar aufgeatmet, als Wladimir Putin sich nach den jüngsten Spekulationen relativ gemäßigt zu seinem weiteren Vorgehen geäußert habe.

Überhaupt gebe es derzeit genügend andere Themen, mit denen sich die Börsianer auseinandersetzen müssten: An erster Stelle stehe dabei die zukünftige Politik der Notenbanken.

Während die frisch gebackene Chefin der US-Notenbank Janet Yellen mit der Reduzierung ihres wirtschaftfördernden Anleihenaufkaufprogramms beschäftigt sei, würden die meisten Volkswirte von ihrem europäischen Pendant Mario Draghi zusätzliche expansive Maßnahmen erwarten. Entgegen vieler Erwartungen sei er diese in der gestrigen Pressekonferenz der Europäischen Zentralbank EZB jedoch schuldig geblieben.

Auch die Analysten würden weiterhin konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Kreditversorgung speziell klein- und mittelständischer Unternehmen in der Peripherie für notwendig halten. In den USA seien die Analysten ihrerseits damit beschäftigt herauszufinden, ob und wie stark die zuletzt schwächeren Konjunkturdaten vom extrem kalten Wetter beeinflusst gewesen seien. Die Analysten würden an ihrer Einschätzung einer sich weiter solide entwickelnden Volkswirtschaft festhalten.

Für die Aktienmärkte würden die Analysten die europäische Erholungsbewegung weiter als sehr interessantes Thema sehen. Dabei gelte es aber abzuwägen zwischen den Chancen, die europäische Aktien, und hier insbesondere diese aus der Peripherie bieten würden, und dem wieder sichtbar gewordenen defensiven Verhalten der US-Aktien. Denn wie schon öfter in der Vergangenheit hätten sich die US-Aktienmärkte in der jüngsten Stressphase wieder erstaunlich fest gezeigt. Eine gesunde Mischung aus europäischen Aktien und US-Papieren erscheine den Analysten damit immer noch angeraten.

Die Rentenmärkte hätten sich am gelassensten im Zusammenhang mit der Krimkrise gezeigt. So hätten weder die deutschen Staatsanleihen deutlich von der Flucht in "sichere Häfen" profitieren können, noch hätten Satellitenmärkte wie Schwellenländeranleihen oder Hochzinsanleihen unter Kursrückgängen gelitten. Ein ungewöhnliches Phänomen, das als Signal der Stärke dieser sonst sensibler reagierenden Anleihesegmente zu sehen sei.

Unabhängig von der Ukrainediskussion seien die Kurse deutscher Staatsanleihen jedoch zuletzt über wichtige Chartmarken getrieben worden, sodass taktische Positionen im längeren Laufzeitenbereich attraktiv erscheinen würden.

In der letzten Ausgabe ihrer Anlagestrategie hätten die Analysten auf die sich verbessernden fundamentalen Faktoren beim Thema Gold hingewiesen. So seien zuletzt wieder Zuflüsse in goldunterlegte Wertpapiere festzustellen gewesen. Zusätzlich habe der letzte Report des World Gold Council gezeigt, dass die globale Nachfrage nach Münzen, Barren und Schmuck auf ein neues Allzeithoch gestiegen sei.

In der Ukrainekrise habe sich nun gezeigt, dass Gold offensichtlich auch wieder stärker als "sicherer Hafen" wahrgenommen werde. So seien die Goldnotierungen in der allgemeinen Marktunruhe deutlich angestiegen. Die Analysten würden dieses als Bestätigung ihrer Einschätzung sehen, dass der Goldpreis seinen Boden gefunden haben könnte. (07.03.2014/alc/a/a)