Deutsche Inflation: Perspektivisch bei gut 1,5% gg. Vj.


30.05.17 08:30
HSBC Trinkaus & Burkhardt

Düsseldorf (www.anleihencheck.de) - Die deutsche Inflation betrug im April 2,0% in der Jahresrate, so die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt.

Dies habe sowohl für die Erhebung auf nationaler Basis als auch für den für europäische Zwecke berechneten Harmonisierten Verbraucherpreisindex für Deutschland (HVPI) gegolten. Seit Ende April hätten sich die Ölpreise (Brent in EUR) um gut 7% im Monatsvergleich verbilligt. Bei einem Verharren auf dem aktuellen Niveau ergäbe sich "lediglich" ein Anstieg der Ölpreise um knapp 20% im laufenden Jahr. Der Preisauftrieb durch die Ölpreise dürfte damit niedriger ausfallen als zu Jahresanfang gedacht. Für den Mai würden die Analysten aufgrund der Ölpreisentwicklung Monatsrückgänge bei der Inflation um je 0,1% erwarten, womit die Jahresraten auf 1,6% bzw. 1,5% (HVPI) zurückfallen sollten.

Das Touchieren bzw. Überschreiten der Jahresinflationsrate von 2% werde nach Erachten der Analysten daher nicht von Dauer sein. Vielmehr sollte sich die Inflationsrate bei weiterhin moderatem Lohndruck "lediglich" auf gut 1,5% im Jahresdurchschnitt zubewegen.

Die US-Notenbank berücksichtige beim Blick auf ihr Inflationsziel von 2% nicht den Anstieg der Konsumentenpreise, die schon Niveaus um die 2% Marke aufweisen würden, sondern die Veränderung des Deflators des privaten Verbrauchs, wo die Raten etwas niedrigerer seien. Im Mai 2017 sollte der Deflator des privaten Verbrauchs in der Jahresrate auf 1,6% zurückgehen (April: 1,8%) und sich die entsprechende Kernrate auf 1,5% (April: 1,6%) abschwächen. Für 2017 und 2018 würden die Analysten diese Kernrate bei 1,6% bzw. 1,8% sehen. Trotz der kontinuierlichen Festigung des US-Arbeitsmarkts sollte die FED daher an ihrem Kurs der nur moderaten Leitzinserhöhungen unbeirrt festhalten.

Der Euro habe gestern unterhalb von 1,12 USD verharrt. Zwar habe gestern der EZB-Chef Mario Draghi einerseits betont, dass mehr Dynamik in der Wirtschaft über die Zeit eine gesunde Rückkehr zu höheren Zinsen begünstige. Der Aufschwung verstärke sich quer durch die Bereiche und Länder und die Abwärtsrisiken seien zurückgegangen. Andererseits sei von ihm aber auch bekräftigt worden, dass die außerordentliche Unterstützung durch die Geldpolitik weiter notwendig sei. Ein schnelles Ende der Assetkäufe der Währungshüter zeichne sich damit weiterhin nicht ab. Die Analysten würden "lediglich" erwarten, dass die EZB in der zweiten Jahreshälfte 2017 eine weitere Reduzierung ihrer Anleihekäufe von derzeit 60 Mrd. EUR auf 40 Mrd. EUR zum Jahresstart 2018 beschließen dürfte. (30.05.2017/alc/a/a)