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Deutliches "Nein" zur Verfassungsänderung in Italien, Premier kündigt Rücktritt an


05.12.16 16:27
Vontobel Asset Management

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die italienischen Wähler lehnten die geplanten Änderungen der Verfassung des Landes mit einer Mehrheit von 59 Prozent ab, so die Experten von Vontobel Asset Management.

Für Premierminister Matteo Renzi sei dies eine herbe Niederlage: In einer Pressekonferenz habe er angekündigt, dass er seinen Rücktritt einreichen werde. Die Europäische Zentralbank werde wahrscheinlich auf Nummer sicher gehen, was die Fortsetzung ihres Anleihenkaufprogramms anbelange.

Die Ergebnisse des Referendums hätten am Montagmorgen vorgelegen und ein klares Ergebnis gezeigt: 59 Prozent hätten für Nein gestimmt, 41 Prozent für Ja. Die Wahlbeteiligung sei enorm gewesen, denn etwa 70 Prozent der Stimmberechtigten seien zu den Wahlurnen gegangen. In diesem Fall hätten die Meinungsumfragen richtig gelegen. Daher dürfte in nächster Zeit nicht mit einer deutlichen negativen Reaktion des Marktes zu rechnen sein. Futures-Kontrakte auf den S&P 500 hätten um 0,2 Prozent nachgegeben, der Nikkei Index habe 0,8 Prozent verloren und der Hang Seng Index ebenfalls 0,8 Prozent. Der Euro habe jedoch Verluste erlitten, und der EUR/USD-Wechselkurs sei mit 1.0582 auf den tiefsten Stand seit 18 Monaten gefallen (Stand 8.30 Uhr, 5.12).

Nachdem Matteo Renzi heute sein Rücktrittsgesuch eingereicht habe, werde Staatspräsident Sergio Mattarella seinen Nachfolger ernennen. Aus dem amtierenden Mitte-Links-Bündnis werde wahrscheinlich eine Übergangsregierung gebildet. Eine ihrer Hauptaufgaben werde es sein, das neue Wahlgesetz umzusetzen. Vorgezogene Neuwahlen würden eher unwahrscheinlich scheinen, denn alle großen Parteien würden einen möglichen Sieg der Partei Movimento 5 Stelle (M5S) fürchten, die sowohl der EU als auch dem Euro skeptisch gegenüberstehe.

Das Ergebnis und die dadurch verursachte politische Instabilität würden die Rekapitalisierung der italienischen Banken erschweren. Zudem stelle dies Italiens Fähigkeit in Frage, sich von innen heraus zu reformieren und das Trendwachstum zu steigern, was jedoch eine wesentliche Voraussetzung für eine tragfähige Staatsverschuldung sei. Infolgedessen werde die Risikoprämie für Anlagen aus der Eurozone hoch bleiben.

Italienische Anleihen und Aktien (und insbesondere der Bankensektor), aber auch der Euro würden dabei im Mittelpunkt stehen. Bei sonst gleichen Bedingungen werde dies die Entschlossenheit der Europäischen Zentralbank (EZB) verstärken, auf Nummer sicher zu gehen. Die EZB dürfte am kommenden Donnerstag die Verlängerung ihres derzeitigen Anleihenkaufprogramms in Höhe von 80 Milliarden Euro pro Monat um weitere sechs Monate über März 2017 hinaus bekannt geben (oder einen etwas niedrigeren Monatsbetrag über einen längeren Zeitraum).

Dies sei zwar eine ernste Angelegenheit, die eine gewisse Ansteckungsgefahr berge und aufmerksam beobachtet werden müsse. Allerdings werde nach Ansicht der Experten das Nein zum Referendum in Italien den allgemeinen Trend zur Reflation nicht bremsen. Die Experten würden an ihrer neutralen Gewichtung in Aktien und einer deutlichen "Untergewichtung" in Staatsanleihen festhalten - um ein Engagement in "Peripherietiteln" aus der Eurozone zu vermeiden - und eine erhebliche Liquiditätsreserve beibehalten. Die deutliche "Übergewichtung" der Experten im US-Dollar bleibe bestehen. (05.12.2016/alc/a/a)