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Deutliche geldpolitische Straffung in Sicht


29.04.22 11:07
BlueBay Asset Management

London (www.anleihencheck.de) - Die US-Notenbank dürfte den Leitzins kommende Woche um 50 Basispunkte anheben, so Mark Dowding, Chief Investment Officer bei BlueBay Asset Management.

Einiges deute darauf hin, dass im Juni ein ähnlich großer Schritt folgen werde. Wie es danach weitergehe, sei unklar: Der Inflationsdruck könnte abnehmen und die Wahrscheinlichkeit einer Wachstumsverlangsamung steigen.

Eine Rezession in den USA 2023 sei möglich. Die Experten würden aber davon ausgehen, dass sich die FED dieses Risikos bewusst sei. Letztlich werde ein solches Szenario wahrscheinlicher, wenn die US-Währungshüter die Zinsen über den neutralen Zinssatz hinaus anheben müssten. Dieser liege nach Einschätzung der Entscheidungsträger bei etwa 2,5 Prozent. Ob ein solcher Schritt nötig sei, werde von der Inflationsentwicklung abhängen.

Es gebe gute Gründe für die Annahme, dass der Preisanstieg bis Ende dieses Jahres wieder unter 4 Prozent liegen und eine sinkende Tendenz aufweisen werde. Dies würde FED-Chef Powell und seinen Kollegen ein gemäßigteres Vorgehen ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund dürfte der Höchststand der US-Anleiherenditen vorerst hinter uns liegen, so Mark Dowding. Relativ gesehen halte er jedoch festverzinsliche Wertpapiere aus dem Euroraum für interessanter und habe dort die Duration erhöht.

Während sich die US-Wirtschaft robust zeige, sei ein Großteil Europas aufgrund des Energiepreis-Schocks möglicherweise bereits in eine Rezession geraten. Die Europäische Zentralbank sei entschlossen, ihre Geldpolitik zu straffen. Sie könnte die Ankäufe von Vermögenswerten im Juni beenden und bereits im Juli die Zinsen anheben. Die Hoffnungen auf ein wirtschaftlich starkes Jahr hätten sich allerdings zerschlagen. Zwar würden sich die Währungshüter gezwungen sehen, auf die überschießende Inflation zu reagieren. Die Experten würden es aber für unwahrscheinlich halten, dass die Zinsen im kommenden Jahr deutlich über 0 Prozent steigen würden, wenn der Preisdruck nachlasse.

Der weitere Weg bleibe ungewiss. Anleger sollten daher Vorsicht walten lassen. Die Zentralbanken stünden vor einer deutlichen Straffung der Geldpolitik. Das dürfte zu einer Verschärfung der finanziellen Bedingungen führen. Die Experten hätten den Eindruck: Viele Marktteilnehmer hätten noch nicht erkannt, dass die FED nicht ihr Freund sei. (29.04.2022/alc/a/a)