Deka-EZB-Kompass: Wie viel Inflation ist genug?


07.03.17 13:15
DekaBank

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - In den ersten beiden Monaten dieses Jahres hat sich die Aufwärtsbewegung des Deka-EZB-Kompasses erheblich beschleunigt, so die Analysten der DekaBank.

Im Februar habe er ein Niveau von 45,8 Punkten erreicht und habe damit innerhalb eines halben Jahres über 20 Punkte aufgeholt. Sein Anstieg sei von allen Teilbereichen ausgegangen, am stärksten jedoch erneut von den Inflations- und Kostenindikatoren. Nach Erachten der Analysten seien diese infolge des wieder gestiegenen Ölpreises und damit einhergehender Basiseffekte derzeit jedoch etwas nach oben verzerrt. Die Analysten würden deshalb davon ausgehen, dass der EZB-Kompass mittelfristig wieder ein wenig nachgeben werde.

Die wieder höheren Werte des EZB-Kompasses würden die Frage aufwerfen, wann für die EZB der richtige Zeitpunkt gekommen sei, um mit einem Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik zu beginnen. Auf der Pressekonferenz am Donnerstag dürfte dieses Thema im Kontext mit den neuen makroökonomischen Projektionen des EZB-Mitarbeiterstabs diskutiert werden. Weiterhin optimistische Wachstumserwartungen und vor allem deutlich nach oben revidierte Vorhersagen für die Inflation würden auf den ersten Blick dafür sprechen, den monetären Stimulus schneller zu reduzieren. Hierüber scheine es im EZB-Rat jedoch sehr unterschiedliche Auffassungen zu geben.

So argumentiere Präsident Draghi, dass der Anstieg der Inflation nachhaltig und selbsttragend sein müsse, ehe die EZB an einen Ausstieg denken könne. Demgegenüber wäre Bundesbankpräsident Weidmann bereit, Verfehlungen des Inflationsziels nach unten auch für längere Zeit zu tolerieren. Die Analysten würden sich von der bevorstehenden Pressekonferenz etwas mehr Hinweise darauf erhoffen, von welchen Kriterien die EZB Zeitpunkt und Tempo einer Normalisierung ihrer Geldpolitik abhängig machen werde. (07.03.2017/alc/a/a)