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Deflation - drohen Europa japanische Verhältnisse?
15.04.13 13:51
AXA Investment Managers
Köln (www.anleihencheck.de) - Die Anleiherenditen der europäischen Kernländer sind im vergangenen Jahr auf unter 2 Prozent gefallen und die Inflationsrate ist rückläufig. Das Wachstum ist schwach, die Haushaltspolitik restriktiv und die Geldpolitik zu straff. Zugleich ist die Währung zu stark und die Wirtschaft durch starre Strukturen gekennzeichnet. Deflation ist eine reale Gefahr für Europa. Könnte Europa eine vergleichbar milde Deflation erleben wie Japan, fragt sich Chris Iggo, CIO Fixed Income bei AXA Investment Managers.
Die Situation in Europa unterscheide sich insofern von der japanischen, als dass der europäische Anleihenmarkt stark fragmentiert sei. Innerhalb dieses Währungsraums gebe es nur wenige Länder, die dem japanischen Modell mit hohem inländischen Sparvermögen und starkem sozialen Zusammenhalt nahekommen würden. Das gelte möglicherweise nur für Deutschland und vielleicht Italien. Für Länder wie Spanien, die von Außenfinanzierung abhängen würden, sei Deflation keine wirkliche Alternative.
Ein Merkmal der Eurokrise sei die Rückführung von Investments aus anderen Ländern der Eurozone. Das sei eine Gefahr für jene Schuldnerländer, deren Mittel nicht reichen würden, um ihre eigenen Haushaltsdefizite zu finanzieren. Daher seien die schwächsten Kandidaten auf dem Höhepunkt der Krise auf ausländische Rettungspakete angewiesen gewesen. Die übrigen Wackelkandidaten würden sich seitdem mithilfe einer Kombination aus strikter Ausgabenkontrolle und der Aussicht auf weitere Rettungsaktionen bzw. einen geldpolitischen Kurswechsel der EZB gerade mal über Wasser halten.
Die Märkte wissen sehr wohl, wie nötig Risikozuschläge auf europäische Staatsanleihen sind, so die Experten von AXA Investment Managers. Setze Deflation ein, ohne dass diese Prämien gleichzeitig sinken würden, werde sich die Schuldendynamik verschärfen. Spanien zahle 3 bis 4 Prozent Zinsen auf seine Schulden. Das sei mehr als die aktuelle Teuerungsrate. Mit einer weiteren Schrumpfung der Wirtschaftsleistung des Landes würde auch die Inflation zurückgehen. Italiens Inflationsrate liege bei 1,8 Prozent und sei weiter rückläufig. Die Anleiherenditen des Landes würden demgegenüber bei 3 bis 4 Prozent liegen. Die Kombination aus verfehlten Haushaltszielen und Aufwärtskorrekturen der Schuldenstandsprognosen würde die Situation nur verschärfen.
Deflation lasse sich nur dann nutzen, wenn das inländische Sparvermögen groß und anpassungsfähig genug sei, um den Staatshaushalt zu finanzieren. Zugleich müsse der Regierung dazu ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. Dabei dürfe man allerdings nicht vergessen, dass Deflation kein Rezept für Haushaltsstabilität sei, denn die realen Schuldenkosten würden weiter steigen. Japan habe schließlich erkannt, dass es so nicht ewig weitergehen könne. Doch nur wenige europäische Länder hätten genug Zeit, um sich aus eigener Kraft aus ihrem haushaltspolitischen Schlamassel zu befreien.
Japan setze jetzt auf eine massive Reflation. Die Bank of Japan solle in etwa das 1,6-Fache der in den kommenden Jahren voraussichtlich begebenen japanischen Staatsanleihen aufkaufen. Das Land wolle Inflation in Höhe von 2 Prozent generieren. Für Anleger mit nominal niedrigverzinslichen Anleihen sei das katastrophal, denn die voraussichtlichen Realrenditen würden einbrechen.
Der Markt habe darauf bereits mit einem Abverkauf japanischer Staatsanleihen reagiert; potenzielle Investoren in japanische Werte würden an andere Anleihemärkte wechseln. Sofern die Inflationsaussichten steigen würden, würden auch die Renditen auf japanische Staatsanleihen steigen. Spreche die Realwirtschaft darauf an, dann werde auch der Unternehmenssektor wieder Kredite aufnehmen und die Credit-Spreads würden sich ausweiten. Kurz: Inflation nutze dem Schuldner, nicht dem Gläubiger. (15.04.2013/alc/a/a)
Die Situation in Europa unterscheide sich insofern von der japanischen, als dass der europäische Anleihenmarkt stark fragmentiert sei. Innerhalb dieses Währungsraums gebe es nur wenige Länder, die dem japanischen Modell mit hohem inländischen Sparvermögen und starkem sozialen Zusammenhalt nahekommen würden. Das gelte möglicherweise nur für Deutschland und vielleicht Italien. Für Länder wie Spanien, die von Außenfinanzierung abhängen würden, sei Deflation keine wirkliche Alternative.
Ein Merkmal der Eurokrise sei die Rückführung von Investments aus anderen Ländern der Eurozone. Das sei eine Gefahr für jene Schuldnerländer, deren Mittel nicht reichen würden, um ihre eigenen Haushaltsdefizite zu finanzieren. Daher seien die schwächsten Kandidaten auf dem Höhepunkt der Krise auf ausländische Rettungspakete angewiesen gewesen. Die übrigen Wackelkandidaten würden sich seitdem mithilfe einer Kombination aus strikter Ausgabenkontrolle und der Aussicht auf weitere Rettungsaktionen bzw. einen geldpolitischen Kurswechsel der EZB gerade mal über Wasser halten.
Deflation lasse sich nur dann nutzen, wenn das inländische Sparvermögen groß und anpassungsfähig genug sei, um den Staatshaushalt zu finanzieren. Zugleich müsse der Regierung dazu ausreichend Zeit zur Verfügung stehen. Dabei dürfe man allerdings nicht vergessen, dass Deflation kein Rezept für Haushaltsstabilität sei, denn die realen Schuldenkosten würden weiter steigen. Japan habe schließlich erkannt, dass es so nicht ewig weitergehen könne. Doch nur wenige europäische Länder hätten genug Zeit, um sich aus eigener Kraft aus ihrem haushaltspolitischen Schlamassel zu befreien.
Japan setze jetzt auf eine massive Reflation. Die Bank of Japan solle in etwa das 1,6-Fache der in den kommenden Jahren voraussichtlich begebenen japanischen Staatsanleihen aufkaufen. Das Land wolle Inflation in Höhe von 2 Prozent generieren. Für Anleger mit nominal niedrigverzinslichen Anleihen sei das katastrophal, denn die voraussichtlichen Realrenditen würden einbrechen.
Der Markt habe darauf bereits mit einem Abverkauf japanischer Staatsanleihen reagiert; potenzielle Investoren in japanische Werte würden an andere Anleihemärkte wechseln. Sofern die Inflationsaussichten steigen würden, würden auch die Renditen auf japanische Staatsanleihen steigen. Spreche die Realwirtschaft darauf an, dann werde auch der Unternehmenssektor wieder Kredite aufnehmen und die Credit-Spreads würden sich ausweiten. Kurz: Inflation nutze dem Schuldner, nicht dem Gläubiger. (15.04.2013/alc/a/a)


