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Däumchen drehen bei der EZB - die Zentralbank könnte und sollte mehr tun


05.03.19 11:00
Aberdeen Standard Investment

London (www.anleihencheck.de) - Paul Diggle, Senior Economist bei Aberdeen Standard Investments kommentiert im Vorfeld der EZB-Sitzung am kommenden Donnerstag die abwartende Zinspolitik der Europäischen Zentralbank.

Diesen Donnerstag werde die EZB voraussichtlich ihre Wachstums- und Inflationsprognosen erneut senken und auf ein erneuertes Liquiditätsprogramm für Geschäftsbanken hinweisen. Man habe bereits Schwierigkeiten, mit der wirtschaftlichen Realität Schritt zu halten.

Die EZB stütze sich derzeit auf eine Reihe von Wachstums- und Inflationsprognosen, die weit über dem Marktkonsens, über den Erwartungen der Europäischen Kommission und sicherlich deutlich über den eigenen Prognosen der Experten lägen. Dementsprechend hätten die Investoren die Erwartungen an einen Zinsanstieg bis Mitte 2020 bereits gesenkt.

Die EZB sollte über einige wenige, schrittweise erfolgende Prognoserückstufungen hinausgehen. Sie könnten ihre Prognosen überarbeiten und die Möglichkeit einer Zinserhöhung im Laufe dieses Jahres effektiv nutzen.

Ein solcher Schritt würde nicht gerade eine Wende für Europas Schicksal bedeuten. Aber es würde den Markt überraschen und ein Signal senden, dass die EZB nicht immer die Letzte sei, welche die wirtschaftliche Realität akzeptiere.

Leider werde Mario Draghi nichts dergleichen tun, aus Angst, seinem Nachfolger, der später in diesem Jahr die Leitung übernehme, die Hände zu binden. Europa sei ein Ort der Protokolle, aber hier den Pragmatismus an erste Stelle zu setzen, wäre für alle besser. Draghis Nachfolger werde die Forward Guidance in jedem Fall ändern müssen. Dies jetzt zu tun, würde den Handlungsspielraum seines Nachfolgers erweitern, um schneller auf die Herausforderungen Europas reagieren zu können.

Mario Draghi könnte durchaus eine Erneuerung des TLTRO-Programms (Targeted Longer-Term Refinancing Operation) ankündigen, das kostengünstige, langfristige Finanzierungen für Geschäftsbanken bereitstelle. Aber wir werden wahrscheinlich Monate auf die Details warten müssen, und er wird höchstwahrscheinlich nur signalisieren, dass sie auf dem Weg sind, so die Experten von Aberdeen Standard Investments.

Niemand habe eine Lösung für den schwierigen Zustand der italienischen Banken und ein klares Verständnis für ihre Abhängigkeit von der Finanzierung durch die EZB. Eine Verlängerung des Programms sei also die einzige Schlussfolgerung, die in diesem Stadium gezogen werden könne. Aber der Weiterbestand der italienischen Banken und die Stimulierung einer wirtschaftlichen Erholung seien verschiedene Dinge. Die Erneuerung des TLTRO sorge für ersteres, aber nicht letzteres.

Die EZB habe erneut Schwierigkeiten, rechtzeitig auf die wirtschaftliche Realität zu reagieren. Wir waren schon einmal an diesem Punkt und es hat nicht gut geendet, so die Experten von Aberdeen Standard Investments. (05.03.2019/alc/a/a)