Erweiterte Funktionen

Credits im zweiten Halbjahr: Konjunktur und Bilanzen sprechen für Unternehmensanleihen


02.07.24 10:45
Degroof Petercam

Brüssel (www.anleihencheck.de) - Wohin bewegen sich die Renditeaufschläge bei Unternehmensanleihen im zweiten Halbjahr 2024? Diese und ähnliche Fragen beantworten die Degroof Petercam Asset Management (DPAM)-Experten, Sam Vereecke, CIO Fixed Income, und Bernard Lalière, Head of Credit.

Das hänge zum einen von der Gesamtwirtschaft ab. Seit Oktober letzten Jahres hätten die europäischen Märkte für Unternehmensanleihen von der Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung profitiert. Diese Belebung werde durch die Normalisierung der Inflation unterstützt, die den Zentralbanken weitere Zinssenkungen erleichtern sollte.

Ein schwaches, aber sich verbesserndes Wachstum in Verbindung mit dem Zögern der Zentralbanken bei der geldpolitischen Lockerung sei für den Markt für Unternehmensanleihen ideal. In den Unternehmen löse das Wachstum keine Euphorie aus, sondern gemahne an Vorsicht: Die Stärkung der Bilanzen stehe gegenüber ehrgeizigen Fusionen und Übernahmen oder Aktienrückkäufen im Vordergrund. Die vierteljährliche Umfrage der EZB zur Kreditvergabe der Banken im Euroraum spiegele diese Situation gut wider: Im ersten Quartal seien die Kreditstandards leicht verschärft worden, jedoch mit rückläufiger Tendenz, während die Kreditnachfrage von Unternehmen deutlich zurückgegangen sei. Für Letzteres hätten die Banken das allgemeine Zinsniveau, die geopolitische Unsicherheit und das niedrige Niveau der Anlageinvestitionen als Gründe genannt.

Zum zweiten sei auf die Unternehmensbilanzen zu achten. Da die Lockerung der Geldpolitik nur langsam vorangehe, gebe es noch keine Möglichkeiten für eine Neuverschuldung zu attraktiven Kosten. Die Folge: Die Kreditqualität der meisten Unternehmen verbessere sich, wie die jüngst veröffentlichten Rating-Änderungen zeigen würden. Derzeit gebe es mehr Herauf- als Herabstufungen. Auch seien die Moody's-Erwartungen niedrigerer Ausfallraten (2,8% im Mai 2025 im Vergleich zu 3,7% im April 2024) nicht überraschend.

Darüber hinaus würden die Kreditmärkte von der starken Nachfrage sowohl im Investment-Grade- als auch im High-Yield-Bereich profitieren. Die Verengung der Renditespreads habe sich seit Ende Oktober 2023 bis heute unvermindert fortgesetzt. Bessere Aussichten seien bereits eingepreist; am wahrscheinlichsten scheine jetzt ein längerer Zeitraum mit Kreditspreads um den langfristigen Durchschnitt, insbesondere im Investment-Grade-Bereich.

Was bedeute dies für die Kreditpositionierung? Bei Investment-Grade-Anleihen würden die Experten von DPAM eine übergewichtete Position beibehalten. Auf dem Markt für Hochzinsanleihen würden die Bewertungen zwar weniger Spielraum für Fehler bieten, aber vor dem Hintergrund eines sich stabilisierenden Wirtschaftswachstums immer noch eine lohnende Spreadeinengung. Darüber hinaus hätten sich Hochzinsanleihen als gute Alternative zu Aktien erwiesen, wenn die Marktschwankungen zunähmen. (02.07.2024/alc/a/a)