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Corona-Fund statt Corona-Bonds
03.04.20 09:15
Hamburg Commercial Bank
Hamburg (www.anleihencheck.de) - Auf politischer Ebene ist das Auflegen europäischer Corona-Bonds am Widerstand aus Deutschland und der Niederlande wohl zum Scheitern verurteilt, auch wenn hierzulande zahlreiche Ökonomen diese Idee unterstützen, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Andererseits sei eine Art von Vergemeinschaftung der Belastungen aus der Corona-Krise nahezu unausweichlich, denn kaum ein anderes Land in der Eurozone habe ähnliche fiskalpolitische Spielräume. Vor kurzem habe man sich noch gefragt, ob Deutschland jemals die "Schwarze Null" aufgeben könnte. Doch innerhalb kürzester Zeit klotze die Bundesregierung mit dem weltweit größten Fiskalpaket gemessen am Anteil vom Wirtschaftswachstum.
Man solle sich nur fragen, wie ein Konsens in dieser Notsituation erreicht werden könne. Frankreich scheine sich da für einen Corona-Fund im Rahmen oder auch ergänzend zum EU-Budget stark zu machen, wie die "Financial Times" berichte.
Die EU-Kommission selbst plane eine Pan-Europäische Arbeitslosenrückversicherung. Mit einem Rahmen von 80 bis 100 Mrd. Euro wolle man steigenden Arbeitslosenzahlen irgendwie Herr werden, wofür sich insbesondere Spanien stark mache. Kurzfristig werde man sich am ehesten auf eine Regelung einigen, welche auf das ESM-Regelwerk basiere.
In der Zwischenzeit verlasse man sich auf die EZB, die mittels OMT (Outright Monetary Transactions) für länderspezifische Anleihekäufe bereitstehe. Die Renditen italienischer Staatsanleihen (BTP) hätten sich nach den letzten Turbulenzen nunmehr um das Niveau von 1,5% für 10-Jährige eingependelt, während der Renditespread zur Bundesanleihe versuche, sich wieder unter der 2% Marke zu etablieren.
Auf amerikanischer Seite sorge der rasante Anstieg der corona-bedingten Todesfälle selbst beim vorher über-optimistischen Präsidenten für einen radikalen Umschwung. Zum Start in den April hätten die USA mit 884 neuen Opfern an einem einzigen Tag weltweit einen traurigen Rekord errungen. Jetzt komme selbst Donald Trump nicht drum herum, für eine deutliche längere Phase der Restriktionen zu plädieren oder diese gar auszubauen, indem der Inlands-Flugverkehr lahmgelegt werde. Eine steigende Mehrheit rechne damit, dass die Beschränkungen frühestens im Juni wieder aufgehoben werden könnten.
Damit scheine nun auch die 17-prozentige Erholung von den Tiefständen am 19. März an der Wall Street, Stichwort "bear market rally", beendet zu sein. Denn kurz unter seinem 21-Tage-Durchschnitt habe der S&P 500-Index den 1. April mit einer Kurslücke von ca. 3,5% geöffnet und den Tag schließlich mit ca. 4,5% im Minus beendet. Die Veröffentlichung der ISM-Einkaufmanagerindices im Verarbeitenden Gewerbe habe für den März noch einen erstaunlich moderaten Rückfall von 50,1 auf 49,1 gebracht. Aber dies habe keineswegs für Entspannung gesorgt, denn es sei gleich klar gewesen, dass der Zeitpunkt dieser Umfrage einfach vor der eklatanten Verschärfung der Corona-Epidemie in den Vereinigten Staaten gelegen habe. Der deutlichere Abschwung in der Unterkategorie der Neuaufträge auf einen Wert von 42,2 gebe da schon ein realistischeres Bild ab. Allerdings dürfte damit noch lange nicht Schluss sein, wenn man die wesentlich zeitnähere Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung zu Rate ziehe, die ja schon in der Woche bis zum 21. März auf das Zehnfache des vorher üblichen Wertes explodiert sei.
Nachdem die 10-Jahresrenditen der US-Treasuries Mitte März noch bis auf ein Niveau von 1,28% angezogen hätten, habe sich das Zinsniveau inzwischen wieder auf ca. 0,60% halbiert. Dass die FED ihre täglichen Anleihekäufe von 75 auf 60 Mrd. USD reduziert habe, falle da gar nicht ins Gewicht, nachdem in nur drei Wochen bereits knapp 1.000 Mrd. USD angehäuft worden seien.
Ganz im Gegenteil versuche die Federal Reserve, der immer noch knappen Liquidität im Dollar mit der einer neuen Repo-Fazilität für alle Zentralbanken und internationale Institutionen beizukommen. Treasury-Anleihen müssten nicht mehr in manchmal illiquiden Märkten verkauft werden. Dies möge preislich etwas teurer sein als in der FX-Swap-Fazilität, aber diese permanente Linie sei ja ohnehin auf einen begrenzten Kreis an Zentralbanken begrenzt. Voraussetzung zur Inanspruchnahme sei ein Depotkonto bei der Federal Reserve Bank von New York und ein Bestand an US-Treasury-Bonds (UST) als Sicherheit. Zusätzlich habe die FED ergänzende Regeln der Verschuldungsquote für UST-bestände erleichtert, sodass die Banken erheblich mehr Kapazität für Repo-Geschäfte erhalten würden. (Ausgabe vom 02.04.2020) (03.04.2020/alc/a/a)
Andererseits sei eine Art von Vergemeinschaftung der Belastungen aus der Corona-Krise nahezu unausweichlich, denn kaum ein anderes Land in der Eurozone habe ähnliche fiskalpolitische Spielräume. Vor kurzem habe man sich noch gefragt, ob Deutschland jemals die "Schwarze Null" aufgeben könnte. Doch innerhalb kürzester Zeit klotze die Bundesregierung mit dem weltweit größten Fiskalpaket gemessen am Anteil vom Wirtschaftswachstum.
Man solle sich nur fragen, wie ein Konsens in dieser Notsituation erreicht werden könne. Frankreich scheine sich da für einen Corona-Fund im Rahmen oder auch ergänzend zum EU-Budget stark zu machen, wie die "Financial Times" berichte.
Die EU-Kommission selbst plane eine Pan-Europäische Arbeitslosenrückversicherung. Mit einem Rahmen von 80 bis 100 Mrd. Euro wolle man steigenden Arbeitslosenzahlen irgendwie Herr werden, wofür sich insbesondere Spanien stark mache. Kurzfristig werde man sich am ehesten auf eine Regelung einigen, welche auf das ESM-Regelwerk basiere.
Auf amerikanischer Seite sorge der rasante Anstieg der corona-bedingten Todesfälle selbst beim vorher über-optimistischen Präsidenten für einen radikalen Umschwung. Zum Start in den April hätten die USA mit 884 neuen Opfern an einem einzigen Tag weltweit einen traurigen Rekord errungen. Jetzt komme selbst Donald Trump nicht drum herum, für eine deutliche längere Phase der Restriktionen zu plädieren oder diese gar auszubauen, indem der Inlands-Flugverkehr lahmgelegt werde. Eine steigende Mehrheit rechne damit, dass die Beschränkungen frühestens im Juni wieder aufgehoben werden könnten.
Damit scheine nun auch die 17-prozentige Erholung von den Tiefständen am 19. März an der Wall Street, Stichwort "bear market rally", beendet zu sein. Denn kurz unter seinem 21-Tage-Durchschnitt habe der S&P 500-Index den 1. April mit einer Kurslücke von ca. 3,5% geöffnet und den Tag schließlich mit ca. 4,5% im Minus beendet. Die Veröffentlichung der ISM-Einkaufmanagerindices im Verarbeitenden Gewerbe habe für den März noch einen erstaunlich moderaten Rückfall von 50,1 auf 49,1 gebracht. Aber dies habe keineswegs für Entspannung gesorgt, denn es sei gleich klar gewesen, dass der Zeitpunkt dieser Umfrage einfach vor der eklatanten Verschärfung der Corona-Epidemie in den Vereinigten Staaten gelegen habe. Der deutlichere Abschwung in der Unterkategorie der Neuaufträge auf einen Wert von 42,2 gebe da schon ein realistischeres Bild ab. Allerdings dürfte damit noch lange nicht Schluss sein, wenn man die wesentlich zeitnähere Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung zu Rate ziehe, die ja schon in der Woche bis zum 21. März auf das Zehnfache des vorher üblichen Wertes explodiert sei.
Nachdem die 10-Jahresrenditen der US-Treasuries Mitte März noch bis auf ein Niveau von 1,28% angezogen hätten, habe sich das Zinsniveau inzwischen wieder auf ca. 0,60% halbiert. Dass die FED ihre täglichen Anleihekäufe von 75 auf 60 Mrd. USD reduziert habe, falle da gar nicht ins Gewicht, nachdem in nur drei Wochen bereits knapp 1.000 Mrd. USD angehäuft worden seien.
Ganz im Gegenteil versuche die Federal Reserve, der immer noch knappen Liquidität im Dollar mit der einer neuen Repo-Fazilität für alle Zentralbanken und internationale Institutionen beizukommen. Treasury-Anleihen müssten nicht mehr in manchmal illiquiden Märkten verkauft werden. Dies möge preislich etwas teurer sein als in der FX-Swap-Fazilität, aber diese permanente Linie sei ja ohnehin auf einen begrenzten Kreis an Zentralbanken begrenzt. Voraussetzung zur Inanspruchnahme sei ein Depotkonto bei der Federal Reserve Bank von New York und ein Bestand an US-Treasury-Bonds (UST) als Sicherheit. Zusätzlich habe die FED ergänzende Regeln der Verschuldungsquote für UST-bestände erleichtert, sodass die Banken erheblich mehr Kapazität für Repo-Geschäfte erhalten würden. (Ausgabe vom 02.04.2020) (03.04.2020/alc/a/a)


